Stand: 12.10.2019 10:15 Uhr

Kritik an schleppender Wolfsprävention in MV

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Schäfer Maik Tegtmeier aus der Nähe von Rostock wartet auf die komplette Förderung für Präventionsmaßnahmen gegen den Wolf.

Mecklenburg-Vorpommern hinkt nach Ansicht von Nutztierhaltern beim Schutz der Weidetiere vor dem Wolf hinterher. Der Hauptkritikpunkt: Noch immer würden Zäune und Weidestromgeräte vom Land nur zu 75 und nicht zu 100 Prozent gefördert, wie es Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) schon im November 2018 versprochen hatte.

Schäfer: Zäune müssten dringend her

Einer der betroffenen Tierhalter ist Schäfer Maik Tegtmeier aus der Nähe von Rostock. Im Sommer 2018 hatte er 27 Tiere durch Wolfsrisse verloren. Noch immer finde er rund um seine Weiden regelmäßig Spuren, die von Wölfen stammen, so Tegtmeier. Das sei auch keine Überraschung, denn im direkt an seine Weide grenzenden Wald, dem Billenhäger Forst, wurde laut Tegtmeier das Vorkommen eines Wolfspaares inzwischen offiziell bestätigt.

Wolfsangriff auf Schaf.

MV hinkt bei Wolfsprävention hinterher

Nordmagazin -

Der Wolf breitet sich auch in Mecklenburg-Vorpommern aus, Angriffe auf Nutztiere nehmen zu. Doch die Kosten für Präventionsmaßnahmen werden vom Land derzeit nicht voll übernommen.

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Tierhalter kann den Eigenanteil nicht stemmen

"Ich bräuchte circa 100 neue Netze und Batterien", sagt Tegtmeier mit Blick auf die notwendige Präventionsmaßnahmen für seine Schafe. Denn nur, wenn der Schutz den Vorgaben des Agrarministeriums genügt, bekommen Tierhalter im Fall weiterer Übergriffe überhaupt eine Entschädigung.

Doch genau da liegt das Problem: Die neuen Zäune würden ihn 10.000 Euro kosten. Da die versprochene Richtlinie zur einhundertprozentigen Förderung noch nicht gekommen sei, müsse er 2.500 Euro selbst tragen. Und den Restbetrag müsse er acht bis zwölf Wochen vorschießen. Dies sei bei seiner Einnahmesituation nicht zu leisten, so Tegtmeier. "Ganz viele Schafhalter warten, dass die 100-Prozent-Förderung kommt."

"Es ist allerhöchste Zeit"

Tegtmeier sei nicht der Einzige, den das betreffe, erklärte eine Vertreterin des Schafzuchtverbandes NDR 1 Radio MV. Alle würden warten, dass der Minister sein Versprechen einlöst. Die entsprechende EU-Richtlinie sei schon im Januar dieses Jahres beschlossen worden. Seitdem warten Schaf- und andere Weidetierhalter vergeblich auf die angekündigte Unterstützung des Landes.

"Ich kann das nicht nachvollziehen", sagt auch Landesbauernverbandspräsident Detlef Kurreck. Bei den Weidetierhaltern sei mittlerweile ein Investitionsstau aufgetreten. "Es ist allerhöchste Zeit, denn es geht um sehr viel Geld und sehr viel Arbeit, die geleistet werden muss." In anderen Bundesländern, die von Wolfsübergriffen betroffen sind wie etwa Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Sachsen, wurde die Richtlinie bereits umgesetzt. Dort bekommen Weidetierhalter die komplette Förderung für den Wolfsschutz.

Das Wolfs-Comeback in Mecklenburg-Vorpommern

Ministerium: Brüsseler Genehmigung für Richtlinie steht aus

Aus dem Landwirtschaftsministerium in Schwerin heißt es, man könne Mecklenburg-Vorpommern nicht mit den anderen Bundesländern vergleichen. Denn hierzulande sei eine im Vergleich zu den meisten anderen Ländern viel weitergehende Richtlinie zum Schutz der Weidetiere und Entschädigung der Halter auf den Weg gebracht worden. Diese sei bereits im Mai zur Notifizierung in Brüssel eingereicht worden, die Genehmigung stehe aber noch immer aus.

Richtlinie soll noch in diesem Jahr in Kraft treten

Allerdings galten im Mai, als der Entwurf in Brüssel vorgelegt wurde, die Richtlinien in den meisten anderen Bundesländern schon seit einigen Monaten. Als bis dato letztes Bundesland zog Brandenburg mit der Einführung im Juni nach. Nur im Nordosten passierte nichts. Immerhin: Das Landwirtschaftsministerium in Schwerin zeigte sich optimistisch, dass die Richtlinie noch in diesem Jahr in Kraft treten werde. Bis dahin heißt es für Tegtmeier und die anderen Weidetierhalter: weiter warten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.10.2019 | 12:00 Uhr

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