Stand: 30.08.2020 13:36 Uhr

Kleingärtner wehren sich gegen Neubaugebiet

Auf einem bunten Transparent steht "Gärten sind toll". © NDR Foto: Screenshot
Auf einem bunten Transparent machen die Kleingärtner ihr Anliegen deutlich.

In der Nähe des Rostocker Hauptbahnhofs soll das größte Neubaugebiet nördlich von Berlin entstehen. So jedenfalls hatte es vor Monaten ein Rostocker Stadtplaner formuliert. Für das Großprojekt müssen allerdings Hunderte Kleingärten weichen. Eine Anlage jedoch kämpft noch für den Erhalt "einer grünen Insel in der geplanten Betonwüste", wie die Gärtnerinnen und Gärtner es formulierten: Die Anlage Pütterweg. Sie gehört zu den ältesten in Rostock und ist eine der vier Anlagen, auf deren Fläche 700 Wohnungen gebaut werden sollen. Die anderen drei sind schon aufgelöst. Die Stadt hatte den Pächtern Geld angeboten, damit sie ausziehen. Am Pütterweg aber sind 20 Gartenfreunde geblieben. Als seit geraumer Zeit in den anderen, geräumten Gärten nichts passierte, haben sie sich Verstärkung geholt. Unter anderem Familien und Studierende sind dazugekommen und bewirtschaften 80 Parzellen. Sie wollen bleiben und ihre Gärten in der Nähe der Innenstadt behalten. Auch Naturschützer gehören zu der Initiative. Sie befürchten, dass die Artenvielfalt schrumpft, wenn die Fläche bebaut wird. Derzeit leben hier 40 verschiedene Vogelarten und auch die streng geschützte Zauneidechse.

VIDEO: Rostocker Kleingärtner sollen Neubaugebiet weichen (3 Min)

Die Chancen stehen schlecht

Kürzlich haben die Pütterweg-Gärtner eine Delegation ins Rathaus geschickt zu einem Gespräch mit Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen. Aber die Chancen, dass die Kleingärtner bleiben können, stehen eher schlecht. Aus der Stadtverwaltung hieß es nach dem Gespräch, der Oberbürgermeister habe Verständnis für ihr Anliegen,, aber die Stadtentwicklung sei wichtiger. Die betroffene Fläche sei bereits seit Jahrzehnten als Baugebiet eingeplant und Rostock brauche dringend Wohnraum. Deshalb steht auch die Stadtpolitik hinter dem Projekt.

Baubeginn voraussichtlich 2025

Selbst die Grünen in der Bürgerschaft sagen, am Pütterweg solle gebaut werden. Aus ihrer Sicht wäre das sogar für den Umweltschutz gut. Wenn im Rostocker Umland gebaut würde, sei mehr Natur in Gefahr, da mehr Flächen versiegelt würden und die Bewohner lange Wege in die Stadt mit dem Auto machen würden. Den Gartenfreunden im Pütterweg sind zwar Ausgleichsflächen in der Nähe in der Rostocker Südstadt angeboten worden. Sie wollen sich trotzdem weiter wehren. Etwas Zeit bleibt ihnen noch, bevor die Bagger rollen sollen. Am Bebauungsplan wird noch gearbeitet. Er wird wohl nächstes Jahr ausgelegt. Baubeginn wäre voraussichtlich 2025.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 30.08.2020 | 12:00 Uhr

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