Stand: 25.09.2018 20:28 Uhr

Katholische Kirche: Missbrauch gehäuft in Mecklenburg

Auf dem Gebiet des heutigen Erzbistums Hamburg haben von 1945 bis 2015 mindestens 33 katholische Priester Minderjährige sexuell missbraucht. Nach Angaben von Generalvikar Ansgar Thim gab es besonders häufig in Mecklenburg Missbrauch mit körperlicher Gewalt. Das ist das Ergebnis der Missbrauchsstudie für das Erzbistum Hamburg, die am Dienstag vorgestellt wurde.

Vergoldetes christliches Kreuz auf einer Kirchturmspitze.

Katholische Kirche: Missbrauchsstudie vorgestellt

Nordmagazin -

Einen besonders schweren Fall gab es in Neubrandenburg. Über Jahrzehnte soll ein katholischer Pfarrer Kinder sexuell missbraucht und körperlich schwer misshandelt haben.

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Hälfte der Priester aus Mecklenburg

Von den 33 betroffenen Priestern wirkten allein 16 in Mecklenburg, obwohl hier nur zehn Prozent der Christen des Erzbistums leben, sagte Thim. Ob dies möglicherweise mit dem Umfeld einer Diktatur zu tun habe, müsse noch geklärt werden, so der Generalvikar. Einen besonders schweren Fall gab es in Neubrandenburg. Zwölf Betroffene aus der Stadt hatten sich beim Erzbistum Hamburg gemeldet. Zwei weitere wurden dem Hamburger Bistum genannt. In Neubrandenburg soll ein ehemaliger Pfarrer, der bereits 1979 verstarb, junge Gemeindemitglieder und Ministranten über Jahre schwer sexuell missbraucht haben. Aber auch in Waren, Graal-Müritz, Dömitz oder Grevesmühlen gab es den Angaben zufolge Fälle von sexuellem Missbrauch. Für Vorpommern konnte das zuständige Erzbistum Berlin keine Missbrauchsfälle bestätigen.

103 Opfer im gesamten Erzbistum

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Stefan Heße ist als Erzbischof der Diözese Hamburg auch für Schleswig-Holstein und Mecklenburg zuständig.

Nach Angaben der Kirche wurden zur Aufarbeitung im heutigen Erzbistum Hamburg 660 Personalakten durchgearbeitet, bei denen es einen Anfangsverdacht gegeben hatte. Insgesamt seien in dem Gebiet 103 Opfer ermittelt worden. Zu 70 Prozent betraf der Missbrauch Jungen, die meist 12 oder 13 Jahre alt waren. Die Beschuldigungen reichten von "unangemessenen Umarmungen" bis zu schwerer körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt, sagte Thim.

Externes Gutachten für Neubrandenburg

Die schweren sexuellen Missbrauchsfälle in der katholischen Gemeinde Neubrandenburg sollen nochmals von externen Gutachtern untersucht werden. Das hatte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße bereits vor einer Woche angekündigt. Eine Arbeitsgruppe soll sich am 11. Oktober als Beirat aus kirchlichen und nichtkirchlichen Vertretern aus Mecklenburg konstituieren. Dieser will dann Wissenschaftler mit der Untersuchung der Missbrauchsvorfälle beauftragen.

Hilfe für Betroffene

Betroffene von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche können sich an die folgenden Beratungsstellen wenden:

Unabhängiger Beauftragter der Bundesregierung
Tel.: 0800 22 55 530

Katholische Kirche
Tel.: 0800 000 56 40

Weißer Ring e.V.
Tel.: 116 006

Eckiger Tisch
Email: info@eckiger-tisch.de

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 18.09.2018 | 22:00 Uhr

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