Eine Fußgängerbrücke zwischen Polen und Deutschland, mit Grenzpfeilern in den Flaggenfarben markiert.

Illegale Einreise über Belarus nach MV: Polizei hält sich bedeckt

Stand: 12.09.2021 13:11 Uhr

Seit einigen Wochen herrscht in Polen und Litauen an der Grenze zu Belarus Ausnahmezustand: Tausende Menschen - vor allem aus dem Irak, Iran, Syrien und Afghanistan - wollen aus Belarus nach Litauen und Polen flüchten und hängen im Grenzgebiet fest. Allein im Raum Pasewalk sind seit Jahresbeginn 116 Flüchtlinge aufgegriffen worden. Doch über das genaue Geschehen hält sich die Bundespolizei bedeckt.

Die polnische Regierung hat die Grenzregion zu Belarus abgeriegelt. Derzeit wird ein meterhoher Zaun aus Stacheldraht dort gebaut. Auch aus Litauen werden zahlreiche Versuche illegaler Einreisen gemeldet - teilweise aktiv begünstigt durch belarussische Grenzpolizisten. Der dortige Machthaber Alexander Lukaschenko hatte Ende Mai angekündigt, Migranten nicht mehr an der Weiterreise in die EU zu hindern - als Reaktion auf verschärfte EU-Sanktionen wegen der Unterdrückung der demokratischen Opposition in Belarus. Vielen Migranten gelingt trotz des verstärkten Grenzschutzes in Polen und Litauen die Flucht aus Belarus. Etliche von ihnen kommen in Mecklenburg-Vorpommern an.

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Bundespolizei hält sich bedeckt

Die Bundespolizei in Pasewalk (Kreis Vorpommern-Greifswald) im Grenzgebiet zu Polen hält sich sehr bedeckt, wenn es um illegale Einreisen geht. Da sprechen einige Beamte hinter vorgehaltener Hand sogar schon von einem Maulkorb, der ihnen verpasst worden sei. Pressemitteilungen der Bundespolizei zum Thema illegale Einreisen aus Belarus gibt es nur sehr spärlich. Nach Informationen von NDR 1 Radio MV hat allein die Bundespolizei in Pasewalk seit Jahresbeginn 116 Menschen aufgegriffen, die über Belarus nach Mecklenburg-Vorpommern gekommen sind. Ein Sprecher der Bundespolizei sprach kürzlich von einem sehr hohen Anstieg und einer "dynamischen Lage".

Viele Familien mit Kindern unter den Flüchtlingen

Die meisten dieser Menschen kämen aus dem Irak, so die Bundespolizei. Darunter seien sehr viele Familien mit Kindern. Die meisten hätten eine sehr anstrengende Flucht hinter sich, viel mehr ist nicht bekannt. Vor allem im Gebiet Ueckermünde-Eggesin-Pasewalk-Löcknitz bis nach Penkun stellt die Bundespolizei immer wieder illegale Einreisen fest. Zuletzt wurden laut Bundespolizei Anfang September im unmittelbaren Grenzbereich an der A11 drei  syrische Staatsangehörige angetroffen, die zuvor aus Polen nach Deutschland eingeschleust worden waren.

Anwohner berichten von Großeinsatz der Bundespolizei bei Eggesin

Doch die Behörden informieren längst nicht über alle Fälle. So wurde beispielsweise ein Großeinsatz der Bundespolizei Ende August lediglich über Anwohner bekannt. Diese gaben an, gesehen zu haben, wie eine Gruppe Flüchtlinge auf einem Feld bei Eggesin stundenlang auf dem Boden in Hockstellung ausharren musste - umstellt von Bundespolizisten. Allen sollen Handschellen angelegt worden sein, über der Szenerie habe ein Polizeihubschrauber gekreist. Eine Pressemitteilung der Bundespolizei über diesen Einsatz gab es indes nicht.

Bundespolizei: Eine proaktive Pressearbeit stört die Ermittlungen

Der Grund, warum die Bundespolizei um die stark gestiegenen Einreisen aus Belarus so ein Geheimnis macht, seien ermittlungstaktische Gründe, sagte ein Beamter NDR 1 Radio MV. Denn die meisten Migranten würden durch Schlepper nach Deutschland gebracht, an diese Schlepper wolle man heran. Da störe eine proaktive Pressearbeit nur. Dagegen bittet sie beispielsweise auf der Internetseite des Amtes Stettiner Haff die Bevölkerung, aufmerksam zu sein und auf unbekannte Personengruppen in den grenznahen Gemeinden zu achten. Sollte jemand größere Gruppen oder gänzlich unbekannte Personen sehen, möge er umgehend die Polizei anrufen, heißt es in dieser Aufforderung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.09.2021 | 12:00 Uhr

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