Das Blockheizkraftwerk der Stadtwerke in Greifswald mit einem Feuerwehrauto mit ausgefahrener Drehleiter im Vordergrund - Klima-Aktivisten haben das Kraftwerk besetzt und fordern eine Abkehr von Gas als Energiequelle  Foto: Michaele Rüting

Greifswald: Wärmeversorgung nach Kraftwerksbesetzung unterbrochen

Stand: 10.09.2021 15:00 Uhr

Kein heißes Wasser, keine Heizung: In der Greifswalder Innenstadt war die Wärmeversorgung am Freitag über mehrere Stunden unterbrochen. Ein Blockheizkraftwerk wurde abgeschaltet. Es wurde Anzeige erstattet.

Die Stadtwerke Greifswald haben nach der Besetzung eines Blockheizkraftwerks drei Aktivisten wegen Hausfriedensbruchs angezeigt. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Greifswald, Thomas Prauße, hatte mehrfach versucht, die Aktivisten dazu zu bewegen, vom Schornstein und vom Dach des Blockheizkraftwerkes herunterzukommen, wie er NDR 1 Radio MV sagte. Er habe ein Ultimatium gesetzt mit dem Versprechen, dass diejenigen, die einwilligen, nicht angezeigt würden. Drei Aktivisten hätten zugestimmt, drei andere seien auf dem Gebäude geblieben. Die Polizei hatte sie am Freitagmittag nach rund fünfstündiger Besetzung friedlich und gewaltlos vom Gebäude geholt. Diese drei hat der Stadtwerke-Geschäftsführer nun angezeigt. "Ich habe jederzeit Verständnis für Protest, aber nicht für diese Art von Aktionen", so Prauße.

Kraftwerk aus Sicherheitsgründen abgestellt

Das Blockheizkraftwerk der Stadtwerke in Greifswald mit einem Feuerwehrauto mit ausgefahrener Drehleiter im Vordergrund - Klima-Aktivisten haben das Kraftwerk besetzt und fordern eine Abkehr von Gas als Energiequelle  Foto: Michaele Rüting
Klima-Aktivisten haben das Blockheizkraftwerk der Stadtwerke Greifswald besetzt. Das Kraftwerk musste abgeschaltet werden - die Polizei war im Einsatz

Klima-Aktivisten hatten seit dem frühen Freitagmorgen Teile auf dem Gelände des Kraftwerks besetzt. Um 5.30 Uhr war ein Aktivist am Abluftturm des Kraftwerks empor geklettert und hatte ein großes Transparent entrollt. Mitstreiter stiegen auf das Dach des Kraftwerks. Eine Person kletterte auf einen Baum und hängte dort ein Plakat auf. Es sei sehr gefährlich für die Personen auf der Anlage, hieß es von den Stadtwerken. Dort werde Erdgas verbrannt, aus dem 30 Meter hohen Schornstein würden bis zu 300 Grad heiße Gase abgeleitet. Außerdem bestehe das Dach des Gebäudes aus sogenannten Lüftungsmatten. Die Gefahr durchzubrechen, sei sehr hoch. Am Schornstein habe Lebensgefahr bestanden, so die Polizei.

Mobilfunkmast abgeschaltet

Weil auch der Strom am Kraftwerksturm abgeschaltet wurde, war nach NDR Informationen auch der dort montierte Mobilfunkmast außer Betrieb. Deshalb gab es Probleme beim Mobilfunkempfang. Nach Gesprächen mit der Polizei verließen die Aktivisten am späten Vormittag mit einer Drehleiter der Feuerwehr wieder die Anlage. Der Polizei- und Feuerwehreinsatz wurde daraufhin beendet. Wie es hieß, sollte die Anlage gegen Mittag den Betrieb wieder aufnehmen. 450 Haushalte und 25 Unternehmen waren laut den Stadtwerken zeitweise von der Warmwasserversorgung abgeschnitten.

Polizei-Höheninterventionsteam und Feuerwehr vor Ort

Rund 20 Polizisten waren im Einsatz, darunter Spezialeinheiten wie das Höheninterventionsteam und eine Verhandlungsgruppe. Die Aktivisten hatten am Schornstein ein Plakat mit der Aufschrift "Gas is over" befestigt, also "Gas ist vorbei". Mit der Aktion wollten sie darauf aufmerksam machen, dass das Verbrennen von Erdgas klimaschädlich sei und der Ausstieg aus der Nutzung deshalb ihrer Ansicht nach schnell erfolgen müsse.

Scharfe Kritik von CDU und AfD

Scharfe Worte fand der CDU-Bürgerschaftsfraktion in Greifswald für die Aktion. "Die sogenannten Klimaaktivisten haben mit ihrer Aktion den Rahmen der politischen Auseinandersetzung über Klimaschutzpolitik verlassen und sind für mich schlicht Kriminelle", sagte Fraktionschef Axel Hochschild. Sie schadeten Tausenden von Greifswaldern und den Stadtwerken. "Während der Aktion und in den anschließenden Gerichtsverfahren muss die ganze Härte des Gesetzes wegen dieses Hausfriedensbruchs gegen die Straftäter zum Einsatz kommen", so Hochschild. Die AfD im Landtag in Schwerin betonte, Klimaschutz sei kein Freischein für Kriminalität. Die vorsätzliche Störung eines Kraftwerksbetriebes sei kein "Klima-Aktivismus" oder "grüne Folklore" mehr, sondern ein staatsgefährdender Akt, sagte AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.09.2021 | 11:25 Uhr

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