Dorsch im Wasser © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck

Für die Forschung: Dorsche gehen auf Sendung

Stand: 30.06.2021 13:29 Uhr

Wissenschaftler wollen vor Boltenhagen Dorschen Sender einpflanzen, um ihr Verhalten zu erforschen. Sie hoffen auf Verständnis der Fischer und Angler.

von Franziska Drewes, NDR 1 Radio MV

Wissenschaftler vom Rostocker Thünen-Institut für Ostseefischerei sind zu einer besonderen Forschungsreise aufgebrochen. Um das Verhalten der Fische besser verstehen zu können, wollen sie Dorschen Sender einpflanzen. Der Dorsch ist ein beliebter Speisefisch, aber die Bestände in der westlichen Ostsee sind gefährdet. Es gelten strenge Fangbeschränkungen. Ein Hanggebiet westlich vor Boltenhagen ist das Forschungsfeld der Wissenschaftler. Es liefere perfekte Bedingungen, erzählt der Leiter des Forschungsprojektes Uwe Krumme: "Wir müssen auf einem Gebiet von ungefähr zwei mal zwei Kilometern einen möglichst flachen Bereich und einen möglichst tiefen Bereich abdecken. Hier ist der Hang so steil, dass wir unsere flachsten Stationen bei sieben Metern haben und unsere tiefsten Stationen dann schon in der tiefen Lübecker Bucht bei 23 Metern."

Sender in der Bauchhöhle

Genau dort werden die Wissenschaftler Dorsche fangen und ihnen schonend einen Sender in die Bauchhöhle implantieren. Die Daten werden an eine Empfängerstation im Meer übermittelt, erzählt Fischereibiologin Stefanie Haase: "Diese Sensoren senden in regelmäßigen Abständen einen besonderen Code. Wenn ein Empfänger, der in der Wassersäule verankert ist, diesen Code empfängt, weiß er genau, welchen Dorsch er vor sich hat." Schwimmgeschwindigkeit, Wassertiefe, Temperatur, Salz- und Sauerstoffgehalt werden übermittelt und regelmäßig ausgewertet. Denn viele Fragen zum Verhalten des Dorschs sind noch ungeklärt: Wie standorttreu ist das Tier? Zu welcher Jahreszeit hält sich der Fisch in welcher Wassertiefe auf? Wie beeinflussen für die Jahreszeiten typische Veränderungen sein Verhalten, beispielsweise die Hitze im Sommer?

Mangel an kühlenden Steinfeldern

"Wir wissen aus der kommerziellen und Angelfischerei, dass sich die Dorsche aus der westlichen Ostsee auf Steinfeldern sammeln", berichtet Uwe Krumme. "Möglicherweise sind das Kühlzellen für die Dorsche. Laut Krumme wurden früher Steine aus der Ostsee gewerblich gesammelt und verkauft: "Wenn also ein Steinfeldmangel herrscht und gleichzeitig das Wetter wärmer wird, dann ist eigentlich logisch, dass wir uns um diese Steinfelder kümmern müssen."

Forscher bitten Fischer und Angler um Rücksicht

Den Forschern ist es sehr wichtig, dass Angler und Fischer von ihrer Forschungsmission vor Boltenhagen erfahren und darauf Rücksicht nehmen. Stefanie Haase hofft, "dass die Angler und Fischer vielleicht das Gebiet in den nächsten zwei Jahren eher meiden", damit sie die fest installierten Empfangsstationen nicht zerstören. Außerdem bittet sie darum, dass die Forschungs-Dorsche wieder freigelassen werden, falls sie gefangen werden, damit sie möglichst lange dem Forschungsprojekt erhalten bleiben. Die Dorsche sind deutlich gekennzeichnet und nummeriert. Das Forschungsprojekt läuft erst einmal zwei Jahre, mit Option auf Verlängerung.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 30.06.2021 | 12:00 Uhr

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