Ein Mensch im Friesennerz steht auf einem Boot und fischt. © NDR/N-JOY Foto: Inga Wonnemann

Freester Fischkutter auf letzter Fahrt

Stand: 01.12.2021 15:11 Uhr

Der letzte 17 Meter lange Kutter, der viele Jahre die Kulisse des Fischereihafens in Freest (Landkreis Vorpommern-Greifswald) geprägt hat, ist zum letzten Mal auf Tour gegangen. Auch wenn der Eigner von der Abwrackprämiere Gebrauch macht, für den Kutter "Bergen" heißt das nicht das Ende.

Aus dem alten Fischkutter soll ein technisches Denkmal werden. Denn das markante Fang-Schiff mit einer Länge von 17 Metern ist das letzte seiner Baureihe, das noch in Betrieb war. Der Kutter lief 1950 bei der Boddenwerft Damgarten vom Stapel und war in der Schleppnetz-Fischerei im Einsatz, hauptsächlich auf Dorsch und Hering in der Ostsee.

Fangquoten zwangen Besitzer zum Aufgeben

Die drastisch gekürzten Fangquoten zwangen Eigner Lars Engelke aus Ueckermünde jetzt zum Aufgeben. Dabei hatte er erst vor sechs Jahren den Kutter von seinem Vater übernommen. Die letzte Tour ging von Freest nach Ueckermünde. Im Ueckermünder Stadthafen soll der 70 Jahre alte Kutter im Frühjahr an Land geholt werden und künftig als Denkmal an die traditionsreiche Ueckermünder Fischerei erinnern.

Nach der starken Reduzierung der Fangquoten hatte auch der Landesverband der Kutter- und Küstenfischer Mecklenburg Vorpommern im Oktober seine Auflösung bekannt gegeben. "Es gibt seit längerem ein Sterben der einzelnen Fischereigenossenschaften", sagte die Geschäftsführerin Ilona Schreiber. Die ständigen Kürzungen der Quoten hätten dazu geführt, dass immer mehr Betriebe aufgegeben hätten - und dem Landesverband die Mitglieder abhanden gekommen seien. "So ist die wirtschaftliche Existenz des Landesverbands nicht mehr gegeben", so Schreiber.

"Der Beruf des Fischers ist am Aussterben"

Die Fangquoten in der westlichen Ostsee waren zuletzt erneut stark reduziert worden. Die Fischereiminister der EU-Staaten hatten beschlossen, dass die Fischer 50 Prozent weniger Hering und fast 90 Prozent weniger Dorsch im kommenden Jahr fangen dürfen. Die Quoten werden schon seit Jahren gekürzt, sodass viele Fischer aufgegeben haben oder noch in diesem Jahr aufgeben wollen - darunter auch die Genossenschaften auf Hiddensee, in Lauterbach und Stahlbrode. 2022 wollen auch die Genossenschaften in Thiessow und Gager einen Schlussstrich ziehen. "Der Beruf des Fischers ist am Aussterben", sagte der Freester Fischer Mathias Labahn. "Es werden zwei, drei übrig bleiben vielleicht in jedem Hafen. Aber sonst die ganze Struktur wird zusammenbrechen."

SPD und Linke wollen Zukunftsforum für Fischerei einrichten

Ministerpräsitentin Manuela Schwesig (SPD) und ihre Stellvertreterin Simone Oldenburg (Die Linke) hatten bereits während der Koalitionsverhandlungen angekündigt, dass Mecklenburg-Vorpommern den Bund auffordern wolle, den "runden Tisch Fischerei" wiederzubeleben. Außerdem soll ein Zukunftsforum Fischerei eingerichtet werden. Oldenburg verwies darauf, dass in den kommenden fünf Jahren 47 Millionen Euro an EU-Mitteln für Besatzmaßnahmen eingesetzt werden sollen, damit sich die Fischbestände stabilisieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 01.12.2021 | 15:00 Uhr

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Fischerei

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