Stand: 18.10.2019 10:21 Uhr

Sellering, der "Ost-Versteher"

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Erwin Sellering zieht sich aus der Politik zurück.

Der "Besserwessi" zu sein, hat er stets vermieden. Dafür hat er eher den "Ost-Versteher" gegeben. Im Amt des Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern erwarb sich der gebürtige Westfale Erwin Sellering durchaus Ansehen in seiner zweiten Heimat. 2008 zog er als Nachfolger von Harald Ringstorff in die Schweriner Staatskanzlei ein. 2011 und 2016 gewann die SPD mit Sellering als Spitzenkandidat die Landtagswahlen. 2017 trat er wegen einer Krebserkrankung als Regierungschef zurück. Als er sich wieder fit fühlte, kehrte er als Abgeordneter in den Landtag zurück. An seinem 70. Geburtstag gibt er auch dieses Mandat zurück.

"Ost-Biografien akzeptieren"

In Schwerin regierte Sellering eher geräuschlos. Die Koalition mit der CDU funktionierte ohne lautes Säbelrasseln. Ihm brachten zudem sein Eintreten für den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan, für die Angleichung der Renten in Ost und West sowie sein Werben für die Akzeptanz von DDR-Biografien Pluspunkte bei den Wählern. Es trug ihm aber auch den Vorwurf des Populismus ein. Für seine Aussage, die DDR sei kein "totaler Unrechtsstaat" gewesen, musste er Kritik aus vielen politischen Lagern einstecken.

Als Verwaltungsrichter nach Greifswald

Geboren wurde Sellering am 18. Oktober 1949 in Sprockhövel bei Bochum. Sein Vater war Beamter in der evangelischen Kirchengemeinde und als CDU-Mitglied im Sprockhöveler Stadtrat. Erwin Sellering studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg, Bochum und Münster. Danach wurde er Verwaltungsrichter in Gelsenkirchen. In die SPD trat Sellering erst 1994 ein. Das war auch das Jahr, in dem er ans Verwaltungsgericht in Greifswald wechselte. 1998 holte ihn Ringstorff als Mitarbeiter in die Schweriner Staatskanzlei. Bereits zwei Jahre später wurde Sellering Justizminister, nach der Landtagswahl 2006 übernahm er das Sozialministerium.

Erwin Sellering: Stationen seiner Laufbahn

Zweimal verheiratet

2008 trennte sich Sellering von seiner ersten Ehefrau, mit der er zwei Töchter hat. Inzwischen ist er wieder verheiratet und noch einmal Vater eines Sohnes geworden. Trotz seiner Krebserkrankung, so Sellering, fühle er sich gesund und fit. Vollkommen ins Private will er sich nicht zurückziehen. Als Präsident des Vereins "Deutsch-Russische Partnerschaft" will er weiter für eine Normalisierung der Beziehungen eintreten. Zudem bleibt er im Aufsichtsrat der Musikfestspiele Mecklenburg-Vorpommern.

Weitere Informationen

Landtagsparteien bedauern Sellerings Rückzug

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 18.10.2019 | 12:00 Uhr

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