Ex-Bundespräsident Joachim Gauck erhält den Franz-Werfel-Menschenrechtspreis. © dpa-Bildfunk Foto: Frank Rumpenhorst

Ex-Bundespräsident Gauck mit Menschenrechtspreis ausgezeichnet

Stand: 04.07.2021 14:01 Uhr

Ex-Bundespräsident Joachim Gauck ist für sein Wirken im Sinne der Menschenwürde und Freiheit mit dem Franz-Werfel-Preis geehrt worden. Der gebürtige Rostocker war als Pastor in der Hansestadt 1989 das Gesicht der friedlichen Revolution.

In Anerkennung seines Engagements für die Menschenrechte hat der frühere Bundespräsident Joachim Gauck den Franz-Werfel-Menschenrechtspreis der Stiftung "Zentrum gegen Vertreibungen" erhalten. Gauck habe in unterschiedlichen Ämtern stets die Verletzung von Menschenrechten durch Völkermord, Vertreibung und Genozid angeprangert, begründete die Jury ihre Entscheidung bei der Verleihung des mit 10.000 Euro dotierten Preises am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche. Joachim Gauck stammt gebürtig aus Mecklenburg-Vorpommern.

Jury: Menschenwürde und Freiheit als Lebensthemen

Als Theologe und Publizist, als Bundesbeauftragter für die Stasiunterlagen und später als Bundespräsident habe Gauck in seinen Veröffentlichungen und Reden immer wieder darauf hingewiesen, dass die Verbrechen der NS-Diktatur nicht dazu führen dürften, das Unrecht an den vertriebenen Deutschen zu verschweigen, führte die Stiftung aus. Gauck habe sich stets dafür ausgesprochen, dass die dauerhafte Erinnerung an die Vertreibung ein elementarer Teil deutscher Geschichte sei.

Verleihung coronabedingt mit einjähriger Verspätung

Der 81-jährige gebürtige Rostocker erhielt den Preis Corona-bedingt mit einjähriger Verspätung. Laudator war der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Bernd Fabritius (CSU). In seiner Dankesrede würdigte Gauck die Eröffnung des neuen Dokumentationszentrums "Flucht Vertreibung Versöhnung" in Berlin. Mit der dortigen Dauerausstellung sei es den Deutschen gelungen, "das Erinnern mit Erkenntnis und die Erkenntnis mit Empathie zu verbinden", sagte Gauck laut vorab veröffentlichtem Redemanuskript.

Viele Menschen in Deutschland hätten erkannt, "dass, wer das Leid von Deutschen anerkennt, die deutsche Schuld keineswegs leugnen muss", sagte Gauck. Vielmehr nähmen sie zur Kenntnis, "dass Deutsche die Opfer deutscher Opfer wurden". Doch auch die Flucht- und Vertreibungserfahrungen von Migranten, deren Menschenrechte oft mit Füßen getreten worden seien, müssten in der deutschen Gesellschaft in den Blick genommen werden, mahnte Gauck. Flucht und Vertreibung weltweit zu bekämpfen heiße immer auch, die Fluchtursachen anzugehen: Konflikte müssten vermieden und für die Achtung der universalen Menschenrechte müsse eingetreten werden.

Gesicht der friedlichen Revolution in Rostock

Der gebürtige Rostocker war als Pastor in der Hansestadt 1989 das Gesicht der friedlichen Revolution. Von 1991 bis 2000 war Gauck Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Von 2012 bis 2017 war er Bundespräsident. Der Franz-Werfel-Menschenrechtspreis wird seit 2003 alle zwei Jahre an Einzelpersonen oder Initiativen verliehen, die durch ihr Handeln das Verantwortungsbewusstsein gegenüber Menschenrechtsverletzungen durch Völkermord, Vertreibung oder die bewusste Zerstörung nationaler, ethnischer oder religiöser Gruppen schärfen.

Neben ihm erhielten bereits die Menschenrechtsaktivistin Freya Klier und die Schriftstellerin Herta Müller den Franz-Werfel-Preis.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.07.2021 | 14:00 Uhr

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