Stand: 28.09.2018 05:08 Uhr

Erstmals West-Nil-Virus in MV nachgewiesen

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Offenbar haben Stechmücken das in Uganda erstmals festgestellte Virus bis nach Deutschland geschleppt.

In Mecklenburg-Vorpommern ist erstmals das West-Nil-Virus aufgetreten. Wie das Umweltministerium am Donnerstag mitteilte, hat das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems bei Greifswald das Virus bei einer verendeten Amsel aus dem Landkreis Rostock nachgewiesen. Die anzeigepflichtige Tierseuche ist auch auf Menschen und Pferde übertragbar.

Prof. Franz Conraths vom Friedrich-Loeffler Institut im Studiogespräch

West-Nil-Virus bei Vogel nachgewiesen

Nordmagazin -

Erstmals ist das auch für Menschen nicht ganz ungefährliche West-Nil-Virus bei einem Vogel in Deutschland festgestellt worden. Stechmücken übertragen es.

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Stechmücken infizieren Wildvögel

Stechmücken infizieren hauptsächlich Wildvögel mit dem West-Nil-Virus. Sperlings- und Greifvögel sowie Raben- und Eulenarten reagieren besonders empfindlich und sterben oft daran. Hühner und Enten sind laut FLI kaum gefährdet, Gänse schon eher. Das hätten Fälle in Israel, den USA, Kanada und Ungarn belegt.

Seuche ist meldepflichtig

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltministerium ruft nach dem ersten nachgewiesenen Fall im Landkreis Rostock dazu auf, tote Vögel den Veterinärbehörden zu melden. Das gelte vor allem bei Ansammlungen toter Vögel. Hautkontakt mit toten Vögeln solle vermieden werden. Wer einen toten Vogel selbst zur Veterinärbehörde bringen oder schicken will, solle Handschuhe anziehen oder sich eine Gefrierplastiktüte über die Hand stülpen. Der Kadaver könne dann in einer Tüte verschlossen und kühl gelagert transportiert werden. Die Tierseuche sei zwar anzeigepflichtig, ziehe aber keine tierseuchenrechtlichen Bekämpfungsmaßnahmen nach sich.

Pferd in Brandenburg infiziert

In Brandenburg ist den Behörden ein infiziertes Pferd gemeldet worden. Bei Pferden kann das Virus dauerhafte neurologische Schäden hervorrufen. Bei 22 bis 44 Prozent der infizierten Pferde verlaufe die Krankheit tödlich. Die EU hat für Pferde aber Impfstoffe gegen das West-Nil-Virus zugelassen. Für Vögel oder Menschen gibt es keine Vorsorgemöglichkeiten.

Auch auf Menschen übertragbar

Bei Menschen in Deutschland ist das West-Nil-Virus noch nie nachgewiesen worden. International gab es Fälle, die meist glimpflich verliefen. In etwa 80 Prozent der Fälle blieb eine Infektion symptomlos. Bei den meisten übrigen Fällen traten leichtes Fieber oder grippeähnliche Erscheinungen auf. In weniger als einem Prozent kam es zu einem schweren, hochfieberhaften Krankheitsverlauf mit Hirn- oder Hirnhautentzündungen.

Experte: Blutspenden prüfen

Angesichts der Ausbreitung des Virus in Deutschland sprach sich Tropenmediziner Jonas Schmidt-Chanasit für eine neue Diskussion über die Sicherheit von Blutkonserven aus. "Blutspendedienste müssen sich damit in Zukunft stärker auseinandersetzen", sagte der Experte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Bislang müssen die Dienste, die nicht testen, Blutspender zurückstellen, die sich in einem bestimmten Zeitraum in Nordamerika und einigen europäischen Ländern aufgehalten haben, in denen das West-Nil-Virus grassiert. "Man sollte überlegen, ob das noch sinnvoll ist."

Mückenarten im Vergleich

 Virus erstmals in Uganda nachgewiesen

Das West-Nil-Virus wurde vor 80 Jahren in Uganda in Afrika entdeckt. Mittlerweile gibt es registrierte Fälle auf allen Kontinenten. In Europa trat es viele Jahrzehnte nur im Süden auf. Bis vergangenen Monat der erste deutsche Nachweis bei einem Bartkauz in einer Volierenhaltung in Sachsen-Anhalt erfolgte.

Weiterführende Informationen zum West-Nil-Virus finden sich unter anderem auf der Homepage des Friedrich-Loeffler-Instituts oder auf der Seite des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 27.09.2018 | 16:10 Uhr

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