Stand: 11.02.2020 19:00 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Diskussion um "Judensau"-Relief in Bützows Kirche

Wie soll man umgehen mit der Herabwürdigung des Judentums? In Bützow diskutiert die Kirchgemeinde gerade über ein "Judensau"-Relief in der Stiftskirche.

Es ist ein extrem antisemitisches Motiv der christlichen Kirchen, dass seit Jahrhunderten an einigen Gotteshäusern in Deutschland und Europa hängt. Das Schweinemotiv sollte Juden demütigen und verhöhnen, denn Schweine gelten im Judentum als unrein. Ein Gericht urteilte jetzt, an der Lutherkirche Wittenberg darf die sogenannte "Judensau" hängen bleiben. Es ist nicht das einzige Schmäh-Relief, auch in Bützow gibt es welche.

Bützow: Soll antisemitisches Relief bleiben?

Nordmagazin -

Über den Umgang mit einem antisemitischen Relief muss von Fall zu Fall entschieden werden. Die Kirchengemeinde Bützow hat sich dazu den Rat von Landesrabbiner Yuri Kadnikov eingeholt.

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Drastische Darstellung an zwei Säulen

Die Reliefs gibt es seit dem 14. Jahrhundert in der Bützower Stiftskirche. Sie sind nicht besonders prominent an zwei Säulen im Innenraum in etwa elf Meter Höhe angebracht. Die Darstellung ist drastisch: Ein Mann mit Judenhut massiert einer Sau den Anus, der andere scheint die Exkremente des Schweins zu essen. Während der Restaurierungsarbeiten im Innenraum der Kirche stellte sich für die evangelische Kirchengemeinde die Frage, wie man mit den antisemitischen Reliefs umgeht.

Keine Forderung, die "Judensau" abzuhängen

Die Pastorin der Bützower Gemeinde, Johanna Levetzow, findet, dass die Reliefs nichts über die Jüdische Gemeinschaft aussagen, sondern über die schändliche Geschichte des Christentums mit dem Judentum. Eine Forderung, das Relief wie in Wittenberg zu entfernen, gibt es in Bützow nicht.

Landesrabbiner besuchte Bützow

Landesrabbiner Yuri Kadnikov forderte bei einem gemeinsamen Besuch mit dem Antisemitismusbeauftragten des Landes, Hansjörg Schmutzler, in Bützow aufklärende Arbeit. Auch Schmutzler sprach sich dafür aus, für ein Gesamtbild zu sorgen, dass zeige, wie beide Seiten mit einer solchen Darstellung umgehen. Einig waren sich Landesrabbiner und Antisemitismusbeauftragter auch darin, dass es sich bei der umstrittenen "Judensau" um einen Teil der Geschichte handele, die nicht versteckt, sondern behandelt werden müsse.

Erklärtafel soll kommen

Die Bützower Kirchengemeinde hat in einem ersten Schritt mit einer extra gegründeten Arbeitsgruppe ein Faltblatt zum Relief entwickelt, das in der Kirche ausliegt. Eine erklärende Tafel an der Säule sucht man bisher vergebens, die sei in Planung, so Pastorin Levetzow. Und die wünscht sich auch Landesrabbiner Kadnikov.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.02.2020 | 19:30 Uhr

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