Die Konzertkirche Neubrandenburg feiert 20. Geburtstag

Stand: 13.07.2021 14:00 Uhr

Sie gilt als Meisterwerk der Backsteingotik, gehört zu den schönsten Konzertsälen Europas und ist das Herz der Stadt Neubrandenburg. Obwohl ihre Geschichte besiegelt schien, wurde vor 20 Jahren in der ehemaligen St. Marien-Kirche ein moderner Konzertsaal eingeweiht.

Wer die mächtige Neubrandenburger Konzertkirche von außen genau betrachtet, der sieht noch ganz leicht die unterschiedliche Färbung des Mauerwerks. Es sind die Stellen in der backsteingotischen Fassade der einstigen St.-Marien-Kirche, die beim Wiederaufbau seit den 1970er-Jahren behutsam ergänzt werden mussten. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs war das einst so stolze Wahrzeichen vollständig ausgebrannt, stand jahrzehntelang als Ruine mitten in der Stadt. Es dauerte lange, bis sich zu DDR-Zeiten die Denkmalschützer gegen die Wiederaufbau-Kritiker unter den SED-Parteikadern durchsetzen konnten. Die Frage war: Darf ein religiös motivierter Kirchturm die sozialistisch errungenen Bauwerke der Stadt überragen? Auf die Innenstadt Neubrandenburgs bezogen durfte sie es dann.

Heller und moderner Konzertsaal

Im Innenraum ist von dieser Diskussion nichts mehr zu spüren. Ebenfalls schon zu DDR-Zeiten entstand in Neubrandenburg die Idee, in die altehrwürdige Kirche einen neuen Konzertsaal einzubauen. Aber erst 1996 kam der Architektenwettbewerb, den der Finne Pekka Salminen gewann. Fünf Jahre später war der Umbau fertig. Der helle, moderne Konzertsaal setzt sich vor den backsteinernen Spitzbögen und Säulenverzierungen klar von der historischen Ausstattung ab. Keine sakralen Elemente mehr. Stattdessen technisch wirkende Stahl- Glas und Betoneinbauten sowie glatte, lackierte Holzflächen. Trotzdem: alles wirkt stimmig. Auch die ausgesprochen gute Akustik wird von Besuchern und Musikern sehr geschätzt.

Die Musiker sind begeistert

Noch heute, mittlerweile zwanzig Jahre nach der Eröffnung, ist das gesamte Ensemble der Neubrandenburger Philharmonie vom Konzertsaal in der Kirche begeistert und dankbar, hier spielen zu dürfen. Besonders an das erste Konzert erinnert sich Solo-Cellist Reinhard Bellmann eindrücklich: "Das war bombastisch. Endlich einfach drin zu sein und zu erleben, dass es losgeht und der Raum für unser Orchester da ist. Mit einem riesigen Chor und vollen Rängen - das war einfach toll." Und die Dramaturgin Anke Völker-Zapka berichtet: "Man musste mit diesem Gebäude, das ja wirklich internationalen Standards entspricht, auch künstlerisch mitwachsen. Man musste sich auch weiterentwickeln, durch die Eröffnung des Hauses."

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Blick auf die Konzertkirche St. Marienkirche in Neubrandenburg © dpa - Report Foto: Hans Wiedl

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Die Orgel als großzügige Spende

Nochmal ein ganz eigenes Kapitel: Die Orgel. Obwohl schon beim Entwurf des Konzertsaals geplant, reichte zunächst das Geld nicht, um auch sie wieder angemessen einzubauen. Bis mit dem Unternehmer Günther Weber ein Mäzen auftrat, der das zwei Millionen Euro teure Instrument für die Konzertkirche spendete. Weber fackelte nicht lange. Er beauftragte die besten Orgelbauer Deutschlands. Im Jahr 2017, zu seinem eigenen 70. Geburtstag, war die Orgel mit 2.852 Pfeifen und 70 Registern fertig, der Konzertsaal in der Kirche damit komplett.

Jubiläumskonzert am 13. Juli

Der Jubiläums-Monat wird vielfach begangen. Unter anderem kamen am 10. Juli bereits Avi Aviatal, Mandolinist aus Israel, und die Kammerakademie Potsdam und überbringen musikalische Geburtstagsgrüße. Damit möglichst viel Publikum dabei sein kann, sind gleich zwei Konzerte angekündigt: um 16 Uhr und um 18 Uhr. Ursprünglich sollte auch die Academy of St. Martin in the Fields zum Geburtstag aufspielen. Das hat aus organisatorischen Gründen nicht geklappt. Das Jubiläumskonzert bestreitet am 13. Juli die Neubrandenburger Philharmonie - mit den Solistinnen Elsa Claveria an der Violine und Rosa Díaz Cotán an der Harfe.

Podcast "Dorf Stadt Kreis" zur Konzertkirche

Noch mehr persönliche Geschichten, Anekdoten und Eindrücke von Zeitzeugen rund um die Entstehung der Neubrandenburger Konzertkirche sind im Podcast "Dorf Stadt Kreis" von NDR 1 Radio MV zu hören. Gastgeber Thomas Naedler spricht darin mit der Neubrandenburger NDR Journalistin Claudia Krüger, die die Konzertkirche schon seit Jahren als Reporterin begleitet.

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Dorf Stadt Kreis: Porträt von Thomas Naedler  Foto: Jörn Lehmann

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Dieses Thema im Programm:

Dorf Stadt Kreis – starke Geschichten aus dem Norden | 01.07.2021 | 15:00 Uhr

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