Stand: 28.03.2020 13:37 Uhr

Coronavirus: Seniorenheim in Ahlbeck evakuiert

Weiß-rotes Flatterband vor der Ahlbecker Pommernresidenz  Foto: Dörthe Rochow
Zur Zeit werden die Bewohner mit leichten Corona-Symptomen in der Residenz betreut.

In Ahlbeck auf Usedom ist ein Pflegeheim evakuiert worden. Nach Angaben der Einrichtung haben sich sechs Senioren und zwei Pflegekräfte mit Covid-19 infiziert: Zwei an dem Corona-Virus erkrankte Senioren mussten in eine Klinik gebracht werden. Die gesunden Bewohner der Ahlbecker Pommernresidenz wurden inzwischen in eine andere Einrichtung verlegt, sagte Vorpommern Greifswalds Vizelandrat, Dietger Wille (CDU), im Gespräch mit NDR 1 Radio MV.

Weg der Ansteckung noch unklar

Unklar ist, über welchen Weg sich ein Teil der Bewohner angesteckt hat. Inzwischen wurden aber alle Personen ermittelt, mit denen die erkrankten Bewohner und Mitarbeiter des Heimes Kontakt hatten. Auch sie sollen in den kommenden Tagen getestet werden. Wie inzwischen in vielen Pflegeheimen und Kliniken so mangele es auch in dem Ahlbecker Heim an Schutzausrüstung, sagte Wille. Der Kreis habe der Einrichtung inzwischen Schutzmasken und Kittel übergeben.

Deutlicher Anstieg von Corona-Erkrankten in MV

In Mecklenburg-Vorpommern liegt die Zahl der nachgewiesenen Infektionen bei 309. Gestern hatte das Landesamt für Gesundheit und Soziales den bislang höchsten Tagesanstieg an Infektionen mitgeteilt: 48 neue Fälle. 20 Menschen sind oder waren im Krankenhaus, vier davon auf Intensivstationen.

Ältere besonders gefährdet

Ältere Menschen sind besonders durch das Coronavirus gefährdet. Jetzt ist eingetreten, was Experten fürchten. In mehreren Altenheimen in Mecklenburg-Vorpommern sind Menschen positiv auf das Virus getestet worden. Bislang ist unklar, wie das Virus in die Heime gelangen konnte. Das Gesundheitsamt des Landkreises sei dabei, die in einem solchen Fall notwendigen Maßnahmen mit Hochdruck umzusetzen, teilte die Kreisverwaltung mit.

Umfassendes Besuchsverbot

Die Landesregierung hatte vor knapp zwei Wochen ein umfassendes Besuchsverbot in stationären Pflegeeinrichtungen sowie in Einrichtungen und Unterkünften für vergleichbar schutzbedürftige Menschen angeordnet. Demnach sollen auch nahe Verwandte der Heimbewohner nur vorbeikommen, wenn es unbedingt notwendig ist. Zusatzangebote in den Heimen, wie Ergotherapie, Podologie, Physiotherapie und  Friseur, wurden gestrichen. Ärzte und gesetzliche Betreuer sind von den Besuchsbeschränkungen natürlich ausgenommen, sofern sie nicht gerade in einem der internationalen Risikogebiete aufgehalten haben. Vorerst gilt die Regelung bis zum 19. April.

"Man darf nicht raus"

Viele der Bewohnerinnen und Bewohner der Heime treffen die landesweiten Einschränkungen hart. Vielerorts ist ihr Bewegungsradius auf das Heimgelände begrenzt. Gemeinsame Mahlzeiten und damit Gespräche mit den Mitbewohnern finden kaum noch statt. Er vermisse seine Freiheit, sagte ein Heimbewohner gegenüber dem NDR Nordmagazin. "Man ist ja jetzt hier eingekesselt. Man darf ja jetzt hier nicht raus." Ein anderer versucht, sich aus der Heimgemeinschaft nicht zurückzuziehen. Das trage zum Wohlbefinden bei. "Und dann akzeptiert man das auch, dass die Tochter oder der Sohn oder sonst wer nicht jeden Tag hier zu Besuch kommen kann."

 

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.03.2020 | 14:00 Uhr

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