Andrea Boldt, Dorfladenbesitzerin in Bernitt

Corona und wir in MV: Ihre Meinungen!

Stand: 18.06.2021 14:38 Uhr

Wie geht es Ihnen, was brauchen Sie jetzt, um über den zweiten Sommer in der Corona-Pandemie und aus der Krise zu kommen? Das haben wir kurz vor Beginn der Sommerferien gefragt. Ihre Meinungen, die sie dem NDR Mecklenburg-Vorpommern geschrieben haben: ein nicht repräsentatives Stimmungsbild in Auszügen.

von Siv Stippekohl

"Mir geht es gut", schreibt Kai Wehrmann aus Bansin. Beruflich habe Corona für ihn keine Rolle gespielt, auch privat seien er und seine Frau mit den Einschränkungen gut klar gekommen. Wehrmann meint: "Wir brauchen keine Querdenker, keine Corona-/Pandemieleugner, Ignoranten & Egoisten." Jörg Becker aus Bützow meint: "Wir müssen von der Hysterie weg kommen, die sich in den Köpfen verfestigt hat, sonst wird nie mehr ein normales Leben möglich sein." Es müsse nun aufgehört werden, "jede Infektion öffentlich zu zählen und damit Panik aufzubauen, um übertriebene Maßnahmen zu rechtfertigen, die teilweise den logischen Menschenverstand auf eine harte Probe stellen." Die Politik habe Fehler gemacht und müsse lernen, andere Meinungen zu akzeptieren. "Es gibt sehr viel Eigenverantwortung der Menschen in MV". Udo Szyszka aus Lübz formuliert eine Hoffnung: "Ich wünsche denen, die durch die Pandemie viel verloren haben, viel Glück und dass sie schnell wieder in Gange kommen, jetzt wo alles wieder gelockert wird."

Schön das es so ein Angebot, seine Meinung zu schreiben gibt. (..) Danke erst einmal dafür. Durch Covid-19 ist nichts Neues entstanden, Covid-19 hat nur die schon vorhandenen Schwachstellen und Probleme des Systems deutlich in die Öffentlichkeit gerückt. Es wäre sehr schön, wenn jetzt die verantwortlichen Politiker aus dieser Krise lernen würden. Frank Bußler, Usedom

Wer denkt an die vielen Rentner, die alleine zu Hause waren? Monika Saathoff, Rostock

"Meckern und maulen ist ein Leichtes für jeden"

Hubertus Höwt aus Güstrow hat geschrieben, wie es ihm geht: "So weit so gut, es war nicht leicht für uns alle. Aber man sollte der Regierung nicht so große Vorwürfe machen (...). Im Nachhinein sind alle klüger, auch jeder einzelne von uns, oder? Trotzdem und vor allen Dingen möchte ich nicht in der Haut eines Politikers stecken, solche gravierenden Entscheidungen zu treffen. Wenn jeder ehrlich ist, was hätten Sie zu dem Zeitpunkt gemacht? Meckern und maulen ist ein Leichtes für jeden. Sie fragen, was wir brauchen? Zuversichtlich sein und uns aufrappeln zum Neuanfang." Auch vor 30 Jahren habe man im Zuge der Wiedervereinigung neu anfangen müssen, auch damals habe es Menschen gegeben, denen es nicht schnell genug gegangen sei. "In diesem Sinne: Hol die stieff!"

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"Als gesunder Bürger in meiner Freiheit dermaßen eingeschränkt"

Frank Wuttke aus Feldberg schreibt hingegen, er fühle sich "als gesunder Bürger in meiner Freiheit dermaßen eingeschränkt, dass man denken könnte, Ulbricht, Honecker und Mielke sind wieder da". Er werde sich auch nicht impfen lassen. Lothar Abraham aus Rostock meint, "man sollte nicht nur kritisieren, sondern auch loben." Es sei "enorm lobenswert", dass es gelungen sei, einen Impfstoff herzustellen und viele Existenzen zu sichern. "Diese Pandemie war und ist für alle neu und schlimm.(...) Jetzt brauchen wir weiterhin Vernunft und Klugheit, von allen!". Anita Sawitzki aus Völkshagen schreibt: "Ich kann es kurz sagen: Unterm Strich kommt bei uns folgendes raus: Absoluter Vertrauensverlust in Politik (...). Große Skepsis für Bewältigung künftiger Aufgaben, da totales Versagen in Vorbereitung und Bewältigung einer Pandemie.(...) Also keine positiven Erwartungen. Leider." Und Peter Klare aus Neustrelitz meint: "Wir brauchen endlich das Ende vom blinden Aktionismus der Regierenden und endlich sinnvolle und nicht durch Wahlkampf beeinflusste Maßnahmen."

Ich wünsche mir, dass der gesunde Menschenverstand wieder regiert und die Menschen in MV wieder Spaß am Leben entwickeln können. Masken hatten vielleicht  zu Zeiten hoher Infektionszahlen ihren Sinn. Aber warum kommt nicht so schnell wie die Maskenpflicht kam, auch die Zurücknahme einer jetzt nicht mehr sinnvollen Maßnahme? Mara Schneider, Warsow

"Wir brauchen eine gute Vorbereitung auf den Herbst"

Kritik an den politische Maßnahmen und Politikern aber auch an den Corona-Regelungen wird in vielen Nachrichten geäußert. Auch viel Ärger über das lange Warten auf einen Impftermin oder als unverständlich empfundene Regelungen für Camper oder Kleingärten werden thematisiert. Auch die Sorge, wie es nach den Sommerferien weiter gehen soll, wird häufig erwähnt: "Wir brauchen eine gute Vorbereitung auf den Herbst in Schulen und Kitas. Wir brauchen dort Luftreiniger. Das sollten uns unsere Kinder und Enkel und ihre Bildung wert sein. Wir müssen sie auch ohne Impfung gesund erhalten. Eigeninitiative sollte gute Vorbereitung durch unser Land ergänzen!", schreibt beispielsweise Jana Reuter aus Satow. "Unsere Kinder leben seit Corona-Beginn ununterbrochen, ohne Besuch, ohne Ferien beim anderen Elternteil, da dieser einer Risikogruppe angehört. Ich würde mich riesig freuen, wenn dieses Elternteil sich jetzt sicher fühlt und die Kinder mich und ihre Freunde und die Schule wieder besuchen und das Fußballtraining und ihre musikalischen Hobbys wieder aufnehmen können", berichtet Katja Häuser aus Vellahn.

Wir brauchen mehr Sicherheit für die Zukunft unserer Kids, dass  sie wieder einen normalen Schulalltag haben nach den Ferien. Madlen Hellenbach-Hanff, Gransebieth

"Ganz ehrlich: Ich hab' Angst"

Aber auch die Sorge um die wirtschaftliche Existenz treibt viele um, so wie Ramona Manns. Sie betreibt seit zehn Jahren in Barth "die letzte noch verbliebene typische Kneipe im Ort. Zur Zeit habe ich das Gefühl: Das war's... mach Schluss und geh in Rente ... Nach fast sieben Monaten erzwungener Schließung läuft es nur schwer wieder an. Das hat es vor Corona nie gegeben, dass ich um 21 Uhr mein Lokal geschlossen habe, weil nur noch ein Gast da war. (...) Ganz ehrlich: Ich hab' Angst. Angst, dass es so weiter geht und sich nicht mehr erholt. Dann müsste ich nicht nur ungewollt pausieren, sondern dann heißt es auch ungewollt: Es war einmal die letzte typische Kneipe....". Auch Stephanie Holz aus Wittenförden meint: "Wir brauchen langfristige Perspektiven auch für die nächste Herbst-/Wintersaison. Noch eine Schließzeit wird der Mittelstand nicht überstehen. Dies sind aber die Menschen, die die Wirtschaft am Laufen halten." Auch für Menschen, die sich nicht impfen lassen könnten, müsse es "Wege geben, ein normales Leben führen zu können."

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"Das Virus ist immer noch bei uns"

Sorgen bereitet vielen Menschen auch, ob die Pandemie trotz des Impffortschritts bereits überwunden ist. "Ich habe nur eine Bitte an alle Menschen, seid bitte weiter vorsichtig. Das Virus ist immer noch bei uns", schreibt beispielsweise Monika Schöfer aus Stralsund. "Was  wir brauchen ist Vernunft und Augenmaß“, schreibt B. Richter aus Rostock. Über diese Pandemie hinaus ist Edgar Schippan aus Goldberg nachdenklich für die Zukunft: "Wir brauchen dringend auch ein neues Wertegefühl gegenüber Tier- und Pflanzenarten, die in ihren Lebensräumen durch uns zunehmend beeinträchtigt werden!".

Nachdem meine gesamten sozialen Kontakte (Sport, Chor, Tanzen) zusammengebrochen waren, bedurfte es doch großer, psychischer Anstrengungen, dem Leben positive Seiten abzugewinnen. Marlies Lange, Rostock

Was wir brauchen? Ganz einfach Nachhaltigkeit und einfach eine Politik für das Volk! Volkmar Hertel, Klütz

"Corona und wir in MV" zu Beginn des zweiten Pandemiesommers: Rund einhundert Nachrichten haben den NDR in Mecklenburg-Vorpommern im Juni 2021 erreicht. Das ist der Stand zu Beginn des zweiten Sommers in der Corona-Pandemie. Die Stimmung ist leise optimistisch und doch geprägt von Sorgen um die Zukunft.

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Im Frühjahr 2020 haben sich in Mecklenburg-Vorpommern die ersten Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Der NDR blickt auf eine turbulente Zeit zurück. mehr

Dieses Thema im Programm:

18.06.2021 | 19:30 Uhr

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