Spritze mit Corona-Impfstoff wird verabreicht. © picture alliance/Jens Büttner Foto: Jens Büttner

Corona in MV: Impfhotline häufig überlastet

Stand: 11.03.2021 06:10 Uhr

Seit Montag ist fast kein Durchkommen mehr bei der Impfhotline in Mecklenburg-Vorpommen, denn seitdem können auch Menschen aus der zweithöchsten Prioritätsgruppe einen Impftermin ausmachen.

von Maike Gross, NDR 1 Radio MV

"Herzlich willkommen bei der Impfhotline des Landes Mecklenburg-Vorpommern." Das haben viele Menschen aus dem Nordosten in den vergangenen Tagen gehört. Und dann: Ansagen vom Band. Seit das Land die Impfzentren für Personen aus der Prioritätsgruppe Zwei am vergangenen Montag geöffnet hat, ist fast kein Durchkommen mehr bei der Impfhotline in MV. Allein am Montag wurden laut Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) mehr als 50.000 Anrufe bei der Hotline registriert. 140 Mitarbeiter hat die Hotline nach Angaben des Gesundheitsministeriums derzeit - und auch die konnten eben nicht jeden Anruf entgegennehmen.

Viele Anrufer sind frustriert und enttäuscht

Das bedeutet für viele, die sich nun einen Impftermin besorgen wollten, vor allem eins: Frust. So schreibt eine NDR 1 Radio MV Hörerin, dass sie für ihre 94-jährige Mutter einen Impftermin besorgen wollte. 43 Mal habe sie bei der Hotline angerufen und nichts erreichen können. Sie sagt: "Wenn ich höre, dass jetzt auch junge Menschen geimpft werden. Sie hat doch keine Zeit mehr. Ich bin nur noch traurig und machtlos." Eine andere Hörerin berichtet, dass sie für ihren chronisch kranken Mann einen Termin machen wollte. Doch auch nach einer Stunde in der Warteschleife habe sie kein Glück gehabt. Das sei enttäuschend und frustrierend. Und ein Arzt, der für sich und seine Praxismitarbeiter Impftermine ausmachen wollte, sagt, er habe zwei bis drei Stunden in der Warteschleife verbracht, um dann zu erfahren, dass alle Termine für die kommenden vier Wochen vergeben seien.

Land will bei der Hotline nachbessern

Ministerpräsidentin Schwesig hat bei der Pressekonferenz am vergangenen Dienstag um Geduld gebeten. In der Prioritätsgruppe Zwei seien so viele Menschen. Es gebe nicht genügend Impfstoff, um allen jetzt sofort einen Termin geben zu können. Sie sagte: "Wir haben festgestellt, dass der Ansturm auf die Hotline enorm ist. Und deshalb haben wir beschlossen, dass die Hotline noch einmal personell verstärkt werden soll. Aber das Gesundheitsministerium wurde auch gebeten, gemeinsam mit den Impfmanagern, mit den Kommunen vor Ort zu sprechen, wie wir innerhalb der Kategorie gemeinsam vorgehen." So müssten nicht alle Gruppen über die Hotline gehen.

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Mit mobilen Impfteams in Schulen

In einigen Landkreisen versuchen die Behörden bereits, einzelne Gruppen aus der Prioritätsgruppe gesondert zu impfen. Vergangenen Freitag etwa hat die Landeshauptstadt Schwerin angefangen, mit mobilen Impfteams an die Schulen und Kindergärten zu fahren, um die Mitarbeiter dort zu impfen. Auch der Kreis Vorpommern-Greifswald geht einen eigenen Weg. Er bietet den Mitarbeitern von Schulen und Kindergärten gesonderte Termine in den Impfzentren an.

Nur in Ausnahmefällen bleiben Impftermine unbesetzt

Ansonsten scheint die Lage in den Kreisen bei der Vergabe von Impfterminen durch die Hotline des Landes durchaus unterschiedlich zu sein. So heißt es auf der Seite der Stadt Schwerin, es seien inzwischen 90 Prozent der Termine für diese Woche bereits vergeben, auch im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und im Landkreis Ludwigslust-Parchim können alle Termine vergeben werden. Der Landkreis Rostock meldet, nur in Ausnahmefällen blieben Impftermine unbesetzt. Dort wünscht man sich aber eine bessere Kommunikation bei den Impfeinladungen für die über Achtzigjährigen. Wenn bekannt sei, für welchen Anfangsbuchstaben zurzeit Einladungen verschickt würden, wäre das hilfreich. Dazu gebe es sehr viele Nachfragen.

Zu wenig Impfstoff vorhanden

Die Hansestadt Rostock verzeichnet eine starke Nachfrage, sagt aber auch: Kommt mehr Impfstoff, dann stünden weitere Kapazitäten zur Verfügung, um mehr Termine anzubieten. Der Landkreis Vorpommern Greifswald macht drei Faktoren aus, die die Impfungen bisher limitieren: Die Menge des gelieferten Impfstoffes, die Terminvergabe und die Impfwilligkeit der Bürgerinnen und Bürger. Unter optimalen Bedingungen, so heißt es, könnten in den Impfzentren des Kreises täglich rund 1.500 Menschen geimpft werden. Und auch im Landkreis Vorpommern-Rügen könnten mehr Menschen geimpft werden, wenn die Terminvergabe besser verlaufe.

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Auch Hausarztpraxen in Terminvergabe einbinden

Und während der Verband der Hausärzte in Mecklenburg-Vorpommern fordert, sofort an der Impfkampagne beteiligt zu werden, um möglichst schnell möglichst viele Menschen zu impfen, gibt das zuständige Gesundheitsministerium dabei zu bedenken: Bisher gebe es dafür nicht genug Impfstoff. Zudem müssten die Hausarztpraxen auch an die landesweite Terminvergabe angebunden werden und an die gesetzlich vorgeschriebenen täglichen Meldungen an das Robert-Koch-Institut. Das Ministerium verweist außerdem darauf, dass es für Impfungen im Rahmen der Regelversorgung durch niedergelassene Ärzte erst entsprechende Rahmenbedingungen geben müsste. Dafür sei aber der Bund zuständig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Der Tag | 10.03.2021 | 17:10 Uhr

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