Stand: 02.03.2019 07:00 Uhr

Chronologie: Der Flughafen Parchim

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So sahen die Pläne für das Airport Village Parchim aus.

Als der chinesische Investor Jonathan Pang 2007 den Vertrag zum Kauf des Flughafens Parchim unterzeichnete, waren Politik, Wirtschaft und Bürger im Nordosten voller Hoffnung auf ökonomischen Erfolg und Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region. Doch Pang lieferte in der Folge wiederholt Anlass zur Skepsis, ob er seine ambitionierten Pläne wirklich umsetzen kann. Die Chronik des Flughafens Parchim ist voller optimistischer Ankündigungen und anschließendem Zurückrudern, vollmundigen Versprechen und finanziellen Engpässen:

November 1992: Nach dem Abzug der Sowjetarmee wird der Flughafen Parchim fortan zivil genutzt. Er bekommt eine Lizenz für den 24-Stunden-Betrieb.

Mai 2007: Die chinesische Firma LinkGlobal Logistics Group um den Unternehmer Jonathan Pang unterzeichnet einen Vertrag mit dem Landkreis Parchim und übernimmt den Flughafen. Als Kaufsumme werden 30 Millionen Euro vereinbart. Pang will Parchim zum internationalen Luftfrachtdrehkreuz zwischen Asien und Europa ausbauen.

24. September 2007: Deutsche und chinesische Politiker begehen mit einem Festakt den Start der regelmäßigen Frachtflugverbindung von Parchim nach Zhengzou in der chinesischen Provinz Henan. Pang kündigt an, mit dem Ausbau des Flughafens viele Arbeitsplätze schaffen zu wollen.

Februar 2008: Pang lässt die Frist für die erste Kaufpreisrate verstreichen und bekommt vom Landkreis ein neues Zahlungsziel gesetzt. Bis Ende März soll die Rate von rund 13 Millionen Euro gezahlt werden. Der Landkreis hatte zuvor mitgeteilt, dass Pang bislang keine Genehmigung der chinesischen Regierung zur Überweisung erhalten habe.

April 2008: Pang will die erste Rate zahlen, indem er einen Teil des Flughafengeländes an die australische Immobilienfirma Goodman verkauft. Das Geschäft kann zunächst jedoch nicht zustande kommen, weil Pang der Flughafen noch nicht rechtskräftig gehört und seine Firma LinkGlobal nicht im Grundbuch steht. Landrat Klaus-Jürgen Iredi (SPD) kündigt an, eine Lösung für diese Problemlage finden zu wollen.

18. Juni 2008: Zwei Monate später hat man die Lösung gefunden: Goodman überweist 13 Millionen Euro auf ein Anwaltskonto in Hamburg, davon erhalten der Landkreis zwölf und die Stadt Parchim eine Million Euro.

15. Februar 2010: Pang lässt die Frist für die zweite Rate von 17,75 Millionen Euro verstreichen. Er könne das Geld im Moment nicht aufbringen und bitte um Aufschub der Zahlung. Landrat Iredi will Pang entgegenkommen. Wichtig sei, dass weiter investiert werde, um den Flughafen zu einem Drehkreuz auszubauen.

12. Mai 2010: Der Kreistag stimmt einem Preisnachlass für LinkGlobal zu: Der Kaufpreis wird nachträglich um rund 12,5 Millionen Euro gesenkt. Statt der noch offenen 17,75 Millionen Euro sind nur noch fünf Millionen zu zahlen, in Jahresraten von je einer Million. Der neue Vertrag verpflichtet Pang, bis Ende 2011 mindestens 7,7 Millionen Euro in den Flughafen zu investieren. Unter anderem soll ein neuer Tower gebaut werden.

29. Dezember 2010: Das Schweriner Innenministerium stimmt dem neuen Vertrag zu. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hatte zuvor Bedenken geäußert und weitere Garantien verlangt. Die lieferte Pang nach, indem er für die anstehenden Investitionen eine Finanzierungszusage einer chinesischen Bank vorlegte. Der Flughafen entgeht damit einer drohenden Schließung, da zugleich der Bauantrag für einen neuen Tower eingereicht wird. Ohne diesen wäre die Betriebsgenehmigung für den Flughafen Ende März 2011 erloschen.

30. Dezember 2010: LinkGlobal überweist die eine Million Euro. Es ist die erste Rate des Kaufpreises, die der Käufer selbst zahlt.

16. Mai 2011: Pang kündigt bei einem Wirtschaftsforum auf dem Flughafen an, im Juni mit dem Bau des Towers beginnen zu wollen. Zudem verspricht er Investitionen im Gesamtumfang von 45 Millionen Euro, unter anderem auch in das Vorfeld und ein Instrumentenlandesystem.

21. Oktober 2011: Mehrfach verschoben, fällt in Parchim endlich der Startschuss für den Bau des neuen Towers. Bis Ende April 2012 soll der Neubau fertig sein. Das muss er auch, weil dann die Ausnahme-Betriebserlaubnis für den jetzigen Tower ausläuft.

Mai 2015: Der Tower wird eröffnet. Der Bau des 37 Meter hohen Gebäudes hat laut Flughafen-Betreiber drei Jahre gedauert und drei Millionen Euro gekostet. Mit der Technik im neuen Tower können Flugzeuge jetzt bei jedem Wetter starten und landen. Der Tower kommt eine Woche nach Eröffnung vor allem bei Trainingsflügen von Piloten zum Einsatz. Für 2016 ist ein regelmäßiger Linienflug nach China geplant.

September 2015: Pläne für ein "Airport Village" werden bekannt. Die Luxus-Shopping-Mall soll nach den Plänen Pangs etwa 12.000 Quadratmeter groß werden. Geschäfte der teuersten Marken der Welt würden dann ihre Ware anbieten. Hauptsächlich chinesische, russische und arabische Kunden sollen die Mall besuchen - die Investoren rechnen pro Tag mit 3.000 Passagieren in Parchim.

Januar 2016: Bei einer öffentlichen Präsentation der Pläne zum "Airport Village" wird als möglicher Baustart 2018 genannt.

September 2016: Die Mitarbeiter des Airports müssen in Kurzarbeit. Außerdem ist der Flughafen nur noch sechs Stunden von Montag bis Sonnabend geöffnet statt täglich zehn Stunden. Während 2014 noch fast 7.000 Maschinen in Parchim starten, sind es 2015 nur noch rund 4.000.

April 2017: Nach rund einem halben Jahr ist die Kurzarbeit am Flughafen Parchim beendet. Außerdem seien die Einschränkungen im Flugbetrieb aufgehoben worden, wie der Flughafen und das Verkehrsministerium auf Anfrage von NDR 1 Radio MV mitteilten. Nach Angaben des Flughafen-Betreibers hat das Unternehmen in Parchim zurzeit 25 Mitarbeiter.

Dezember 2018: Es wird bekannt, dass 20 Mitarbeitern des Parchim International Airports gekündigt wurde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Die Reportage | 03.03.2019 | 06:30 Uhr

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