Die Statue der Justitia steht mit einer Waage und einem Schwert in der Hand im Gegenlicht. © picture-alliance Foto: Arne Dedert

Bundesgerichtshof soll Urteile gegen Vater und Sohn prüfen

Stand: 03.11.2020 10:52 Uhr

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung haben Revision eingelegt. Vater und Sohn waren verurteilt worden, weil sie nach Ansicht des Gerichts ihren Nachbarn bei einer Grillfeier getötet hatten.

Das Landgericht Neubrandenburg sah es im Urteilsspruch vom 26. Oktober 2020 als erwiesen an, dass die beiden Männer aus Malchin (Mecklenburgische Seenplatte) ihren 61-jährigen Nachbarn brutal geschlagen und getreten hatten, sodass der schließlich starb. Zuvor hatte sich der Nachbar über Lärm bei einer Grillfeier beschwert. Der Prozess hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden, die Urteile wurden aber öffentlich verkündet: Der 40 Jahre alte Vater muss wegen Totschlags in minderschwerem Fall und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte für fünf Jahre und neun Monate in Haft. Sein 18 Jahre alter Sohn wurde nach Jugendstrafrecht wegen versuchten Mordes zu vier Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Ob diese Urteile Bestand haben, muss nun der Bundesgerichtshof entscheiden.

Mit Wasserflasche ertränkt

Nach Auffassung der Strafkammer hatte der Vater den Nachbarn im Juni 2019 im Hinterhof des Wohnhauses so brutal geschlagen und getreten, dass dieser bewusstlos wurde. "Dem Angeklagten sind die Sicherungen durchgebrannt", sagte Richterin Daniela Lieschke. Der Sohn habe dem Bewusstlosen danach eine Flasche mit Wasser in den Mund gesteckt und ihm die Nase zugehalten. Damit habe er die vorherige Gewalttat verdecken wollen. Das Opfer starb an stumpfer Gewalt mit Merkmalen des Ertrinkens, hieß es von einer Gutachterin. Beide Männer waren kurz nach der Tat festgenommen worden.

Vater hatte Polizisten bedroht

Während des Einsatzes waren die Polizisten von dem Vater unter anderem mit einem Fleischerbeil bedroht worden. Erst nach mehreren Warnschüssen ließen sich der Malchiner und sein Sohn festnehmen. Sie sollen nach Angaben ihrer Anwälte unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden haben. Für den Vater wurde zusätzlich zu seiner Gefängnisstrafe der Aufenthalt in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

Höhere Strafen gefordert

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch einer der Verteidiger hatten Revision beantragt. Das teilte ein Sprecher des Landgerichts mit. Schon vor Gericht hatte die Anklage doppelt so hohe Strafen gefordert.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 03.11.2020 | 10:52 Uhr

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