Stand: 23.01.2020 18:50 Uhr

Bund gibt Millionen für Kampfmittelräumung in MV

Eine Karte von Mecklenburg-Vorpommern zeigt zahlreiche als kampfmittelbelastete Gebiete (rot markiert). © Munitionsmittelbergungsdienst Mecklenburg-Vorpommern
In Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch zahlreiche Gebiete, die als "kampfmittelbelastet" gelten.

Für die Räumung von Munition auf Liegenschaften des Bundes in Mecklenburg-Vorpommern plant der Bund langfristig 146 Millionen Euro ein. Davon werden nach Angaben des Landesinnenministeriums etwa 27 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren eingesetzt. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) und der Chef der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Paul Johannes Fietz unterzeichneten am Donnerstag in Schwerin eine entsprechende Vereinbarung. Nach dem verheerenden Waldbrand bei Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) im vergangenen Sommer hatte der Bund deutlich mehr Geld für die Beräumung der kampfmittelbelasteten Bundesliegenschaften zugesagt.

Caffier: Gefährdung von Menschen minimieren

Das Geld solle vor allem für bundeseigene Waldflächen in unmittelbarer Nähe zu Siedlungen eingesetzt werden, sagte Caffier nach der Unterzeichnung in Schwerin. "Wir wollen nicht noch einmal Evakuierungen erleben wie im vorigen Sommer in Lübtheen." Erste Priorität hätten daher belastete Waldgebiete im 1.000-Meter-Umkreis von Siedlungen. "Wir wollen die Gefährdung von Menschen minimieren", erklärte der Minister. Nach ersten Berechnungen müssen dafür knapp 10.000 Hektar Wald in der Nähe von Dörfern systematisch abgesucht und beräumt werden.

Sieben Prozent der Landesfläche munitionsbelastet

Fast sieben Prozent der Landesfläche Mecklenburg-Vorpommerns gelten als munitionsbelastet. Auf 160.000 Hektar liegen alte Weltkriegsmunition, Granaten und teils auch Bomben im Boden, die auch nach Jahrzehnten noch explodieren können. Als sehr stark mit Munition belastet gelten rund 38.000 Hektar. In diesen Bereichen ist das Betreten verboten. Dazu zählt auch das Gebiet bei Lübtheen, wo im Sommer der schwerste Waldbrand der Landesgeschichte gewütet hatte. Viele dieser Flächen gehören dem Bund. Die Bundesmittel sollen laut Fietz in enger Abstimmung mit dem Land eingesetzt werden, um Prioritäten setzen zu können. Eine Prioritätenliste werde derzeit vom Kampfmittelräumdienst erarbeitet, hieß es.

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Lübtheen hat höchste Priorität

Ganz oben auf dieser Liste stehe das Waldgebiet bei Lübtheen, sagte der Chef des Munitionsbergungsdienstes, Robert Mollitor. Es gehe zunächst um die Räumung der Brandschneisen. "Die hat die Bundesforst angelegt. Hier wird jetzt in den nächsten Wochen und Jahren die Beräumung dieser Flächen erfolgen."

Räumung eines Hektars kann mehr als 15.000 Euro kosten

Wie Mollitor weiter sagte, hat Mecklenburg-Vorpommern als bislang einziges Bundesland ein Kampfmittelkataster erstellt. Im Durchschnitt koste die Beräumung eines Hektars Wald 10.000 bis 15.000 Euro, könne im Einzelfall aber auch wesentlich teurer sein. Obwohl das Land für zwei Drittel der munitionsbelasteten Flächen zuständig ist, stünden im Landesetat 1,5 Millionen Euro für die Beräumung bereit. Um alle muniutionsbelasteten Flächen des Landes räumen zu lassen braucht es laut Mollitor rund 270 Millionen Euro. "Das ist eine Generationenaufgabe", sagte Fietz.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 23.01.2020 | 18:20 Uhr

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