Stand: 27.02.2020 18:00 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Breitbandausbau: Kunden müssen weiter warten

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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In mindestens zwei Landkreisen können geplante Termine für neue Breitbandnetze nicht gehalten werden. (Archivbild)

Fehlende Kapazitäten bei Baufirmen und langwierige Planungen verzögern den Ausbau des schnellen Internets im Land. In mindestens zwei Landkreisen können geplante Abschluss-Termine für neue Breitbandnetze nicht gehalten werden. Das hat das Digitalisierungsministerium in Schwerin auf Anfrage von NDR 1 Radio MV mitgeteilt. Im Kreis Mecklenburgische Seenplatte müssen Nutzer im Bereich Altentreptow bis mindestens 2022 auf das schnelle Internet warten. Der Ausbau verzögert sich, weil der ursprüngliche Fertigstellungstermin Herbst 2021 zu ehrgeizig war.

Abschluss teilweise erst 2022

Auf Rügen, wo der Zweckverband den Breitbandausbau in Eigenregie übernommen hat, gibt es deutliche Verzögerungen in fünf Ausbaugebieten, zum Beispiel in Bergen, auf Hiddensee oder in Putbus. Der Breitbandausbau ist dort zum Teil erst Mitte 2022 abgeschlossen. Im übrigen Kreis Vorpommern-Rügen werden neun Projekte nicht pünktlich fertig. Statt - wie geplant - schon Anfang 2020 sollen sie jetzt erst Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein. Betroffen sind unter anderem Grimmen und Ribnitz-Damgarten, Marlow und Franzburg sowie Fischland-Darß-Zingst.

Geduld auch im Amt Crivitz gefragt

Auch dort, wo Bagger schon jetzt Leerrohre für die Glaserfaserkabel legen, müssen sich Bürger gedulden, beispielsweise im Amt Crivitz östlich von Schwerin. Die Bauarbeiten dort bedeuten nicht, dass das Breitbandnetz schnell zur Verfügung steht. Die zuständige Wemacom, die als kommunaler Anbieter den Auftrag zum Bau der Glaserfasernetze übernommen hat, gibt für 15 Projektegebiete im Landkreis Ludwigslust-Parchim den Abschluss-Termin mit "Ende 2023" an.

2.000 Menschen beschäftigt

In dem Kreis und im Nachbarkreis Nordwestmecklenburg entstehe mit 6.000 Kilometern das "größte zusammenhängende geförderte Glaserfasernetz in Deutschland", so das Unternehmen. Fast 2.000 Menschen seien mit der Fertigstellung beschäftigt, eine noch schnellere Bauzeit sei wegen der "Ressourcenknappheit" nicht möglich. Die Wemacon verwies auf Ausbauerfolge. In Nordwestmecklenburg surften bereits 2.700 Kunden im schnellen Breitbandnetz.

Breitband-Atlas: MV schlecht versorgt

Nach einer Übersicht des Bundes im sogenannten Breitband-Atlas gehört Mecklenburg-Vorpommern weiter zu den Bundesländern mit der schlechtesten Versorgung. Nur drei von vier Haushalten haben Zugang zu einer Datenleitung von maximal 50 Mbit. Das ist ungefähr der gleiche Wert, den das Schlusslicht Sachsen-Anhalt vorweisen kann. Bund, Land und Kommunen investieren in den kommenden Jahren rund 1,4 Milliarden Euro in Mecklenburg-Vorpommern, um deutlich mehr Menschen und Unternehmen mit schnellem Internet zu versorgen.

Zuständiges Ministerium nicht im Bilde

Eine detaillierte Übersicht über den Stand der Ausbau-Planungen hat das Ministerium in Schwerin nach eigenen Angaben nicht. Das Land sei zwar "Antreiber" für die Antragsstellungen beim Förderprogramm des Bundes gewesen, es habe selbst aber keine Ausbau-Anträge gestellt - das sei Sache der Landkreise gewesen. "Wir haben keine konkreten Projektpläne mit Details im Haus", heißt es in einer Stellungnahme. Man lasse sich "im Bedarfsfall" von den Landkreisen und den Bau-Unternehmen allerdings "ins Bild setzen".

Ministerium verweist auf landeseigenes Zentrum

Das Digitalisierungsministerium verweist außerdem auf die Breitband-Koordinierungszentrale (BKZ) im landeseigenen Datenverarbeitungszentrum und liefert dabei unfreiwillig einen Beleg dafür, dass die Planungen offenbar nicht zentral gesteuert werden. Denn eine bundesweite Übersicht aller BKZ der Länder führt für Mecklenburg-Vorpommern eine Hauptverantwortliche auf, die dort längst nicht mehr tätig ist. Telefonnummer und Mailadresse sind nicht aktuell.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.02.2020 | 06:00 Uhr

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