Stand: 19.10.2018 13:52 Uhr

Bischof will im Dialog bleiben

von Susann Moll, NDR 1 Radio MV

Kirche und AfD – passt das zusammen? Das Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags hat sich dazu klar positioniert: Auf dem Kirchentag im kommenden Jahr in Dortmund sollen Vertreter der Partei kein Forum bekommen. Der Bischof der Nordkirche im Sprengel Mecklenburg und Vorpommern, Hans-Jürgen Abromeit, hat am Donnerstagabend auf Nachfrage Kritik daran geäußert, dass die AfD kategorisch von der Veranstaltung ausgeschlossen wird.

Abromeit: "Kirche nicht per se politisch links und rechts"

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Die Kirche müsse überall dort sein, wo die Menschen sind, sagte der Bischof der Nordkirche, Abromeit.

"Ich halte die Entscheidung für falsch", sagte Hans-Jürgen Abromeit. Auch mit den Anhängern der AfD müsse die Kirche im Gespräch bleiben. Der Bischof stellte klar, dass die Kirche nicht per se politisch links und rechts sei. Vielmehr müsse sie überall dort sein, wo die Menschen sind. Im September 2019 endet die Amtszeit des Bischofs, der seinen Sitz in Greifswald hat. Bis dahin will Abromeit den Dialog zu allen Menschen in der Region suchen. Seine Erfahrung zeige, dass das die Menschen zum Nachdenken bewegt und sie sich dann womöglich von rassistischen Ideen verabschieden.

SPD kritisiert: "Abromeit gibt Rechtsextremen ein Podium"

Kritik an dieser Sichtweise kommt aus der SPD in Mecklenburg-Vorpommern: Die Sprecher des Arbeitskreises der Christinnen und Christen in der Partei meinen, dass Abromeit offensichtlich nicht in der Lage sei, zwischen seiner seelsorgerischen Pflicht gegenüber dem einzelnen Menschen und dem Auftreten von AfD-Politikern auf Kirchentagen zu unterscheiden. Dialogbereitschaft ist für Christopher Denda und Anja Katharina Peters nicht dasselbe, wie "Vertretern einer rechtsextremen Partei ein öffentliches Podium zu geben".

Kirchentag soll breites Diskussionsforum bieten

Bischof Abromeit sagte am Donnerstagabend, dass er mit seiner Kritik am Ausschluss der AfD vom Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund nicht meint, dass Personen wie Parteichef Alexander Gauland, die die Zeit des Nationalsozialismus verharmlosen, ein Podium bekommen sollten. Der Kirchentag aber sei ein breites Diskussionsforum, auf dem auch Mitglieder der AfD die Möglichkeit bekommen sollten, sich zu Sachthemen zu äußern. Bei der Achtung der Menschenrechte dürfe man allerdings keine Abstriche machen, so Abromeit.

Umstrittene Predigt auf "Marsch für das Leben"

Im September hatte der 64-jährige Abromeit mit seiner Predigt auf einem "Marsch für das Leben" für Aufsehen gesorgt. Den Veranstaltern der Demo gegen Abtreibungen wurde vorgeworfen, sich nicht klar gegen rechts abzugrenzen - der Landesbischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Martin Dröge, ging so weit zu sagen, die Veranstaltung sei rechtspopulistisch unterwandert.

Darauf angesprochen, hatte Abromeit am Donnerstagabend klargestellt, dass er nicht der einzige Kirchenvertreter gewesen sei, der an der Veranstaltung teilgenommen hat. Auch mehrere katholische Bischöfe seien dort gewesen. "In meiner Predigt ging es mir darum, dass Frauen mit der Entscheidung nicht allein gelassen werden." Keine Frau sollte ihr Kind abtreiben, weil sie es sich nicht leisten kann oder aus Angst keinen Betreuungsplatz zu bekommen. Alles Leben sei heilig, auch das ungeborene. Und eine Gesellschaft müsse alles tun, um es zu schützen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.10.2018 | 14:00 Uhr

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