Ärztinnen und Ärzte des Schweriner Helios Klinikums streiken für bessere Arbeitsbedingungen. © NDR Foto: Andreas Lussky

Ärztestreik in Schwerin: Bessere Arbeitsbedingungen gefordert

Stand: 17.06.2021 12:31 Uhr

Applaus, Respekt und Dank gab es für Ärzte und Pflegekräfte in Pandemiezeiten. Doch die Angestellten der Helios-Klinik in Schwerin streiken für bessere Arbeitsbedingungen - und mehr Geld.

Die Corona-Zeit war für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin den Krankenhäusern eine besondere Herausforderung. Besonders auf den Intensivstationen haben sie eine wichtige und teils an die Grenzen gehende Arbeit geleistet. Applaus, Respekt und Dank sind schön, aber die Ärzte der Helioskliniken im Land wünschen sich auch mehr Geld. Doch die Tarifverhandlungen stocken, sind sogar momentan unterbrochen.

Arbeiten am Limit ist Alltag

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat deshalb am Donnerstag zu einem ganztätigten Streik an den Helios-Kliniken Schwerin aufgerufen. Rund 100 der mehr als 400 Ärzte haben am Vormittag an einer Kundgebung in Schwerin teilgenommen. Sie wollen die Arbeitsbelastung senken. Wochenendarbeit, Nachtdienste, Bereitschaftsdienste sei Arbeiten am Limit. Das ist Alltag für die Ärzte, sagt Matthias Endler, der in Schwerin in der Notaufnahme arbeitet: "Ich hab im Moment acht Bereitschaftsdienste, in denen ich in der Klinik sein muss, verteilt auf drei Wochenenden. Und 14 bis 16 Rufdienste, in denen ich zu Hause auf Abruf bin. Das heißt, ich habe so gut wie kein Privatleben mehr. Ich kann das nicht mehr planen, mit meiner Familie wegzufahren, weil ich es dann nicht schaffe, rechtzeitig in der Klinik zu sein, um das Backup für den Kollegen zu sein, der durch die Arbeitsverdichtung nicht mehr klarkommt."

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Tarifverhandlungen zur Zeit unterbrochen

Deshalb fordern die Ärzte und ihre Gewerkschaft, weniger Wochenarbeitzeit, eine bessere Vergütung für Bereitschaftsdienste und insgesamt 5,5 Prozent mehr Geld. Im Moment sind die Tarifverhandlungen noch unterbrochen, Helios hat aber ein neues Angebot unterbreitet: Zwei Prozent mehr Geld rückwirkend zum 1. Januar und 1,6 Prozent mehr von März an. Außerdem will Helios den Ärztinnen und Ärzten vorschlagen, dass die Wochenendarbeitszeit beschränkt und Nachtarbeit besser bezahlt wird. Darüber wolle man mit der Gewerkschaft Marburger Bund sprechen, wenn die denn wieder zu Gesprächen bereit sei.

Geplante Operationen sind abgesagt

Der Klinikbetrieb ist durch den Streik beeinträchtigt. Geplante Opertationen mussten abgesagt oder verschoben werden. Helios-Sprecher Becker sagt aber, ansonsten laufe der Klinikbetrieb ohne größere Einschränkungen und die Versorgungen von Notfällen zum Beispiel sei gewährleistet.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.06.2021 | 12:00 Uhr

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