Stand: 21.03.2019 17:59 Uhr

AWO-Bundesspitze unterstützt Kritik an Mallorca-Kita

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Die AWO-Kita auf Mallorca hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. (Archivbild)

So langsam wird es einsam um die Spitze des AWO-Kreisverbandes Schwerin-Parchim. Seit knapp einem halben Jahr stehen Vorstandschef Bernd Sievers und sein Geschäftsführer Axel Mielke in der Dauerkritik. Es geht um die verbandseigene Kita auf der spanischen Ferieninsel Mallorca - aufgebaut mit mehreren 100.000 Euro aus der AWO-Kasse. Der AWO-Bundesverband hat sich jetzt hinter die jüngste Kritik des Kreisverbandes Wismar gestellt. Die Schweriner AWO-Spitze aber behauptet weiter, die Kita auf Mallorca sei wichtig, um dort Fachkräfte zu gewinnen. Die Begründung aber wird immer wackliger.

Die AWO auf Mallorca.

AWO wegen Kita auf Mallorca weiter unter Druck

Nordmagazin -

Nach NDR-Informationen formiert sich innerhalb der AWO Widerstand gegen das Geschäftsgebaren der AWO-Spitze in Westmecklenburg. Die Kita auf Mallorca soll angeblich der Fachkräftegewinnung dienen.

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Wismarer Kreisverband verlangt Umsteuern

In einem zweiseitigen Brief verlangt der Wismarer Kreisvorsitzende Walter Baar - im Hauptberuf Rechtsanwalt - ein Umsteuern. Baar weiß seinen Vorstand hinter sich, der besteht aus namhaften Sozialdemokraten, dem Bundestagsabgeordneten Frank Junge, seinem Landtagskollegen Tilo Gundlack, dem Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages, Andreas Wellmann und als Beisitzerin Jutta Hilbert. Zu der Kita auf Mallorca haben die Mitglieder in Wismar eine klare Meinung: "Geht nicht" - so schreibt es Baar in einem internen Brief an seinen Kollegen in Schwerin.

Zweifel am Argument der Fachkräfte-Gewinnung

Die Behauptung, die Kita auf Mallorca werde zur Fachkräftegewinnung betrieben, ist in Baars Augen schlicht Unsinn. In seinem Brief spricht er den Schweriner AWO-Chef Sievers und dessen Geschäftsführer Mielke - "lieber Bernd und lieber Axel" - direkt an. Dort heißt es: "Mit einem solchen Argument gebt Ihr Euch und damit auch die gesamte AWO Mecklenburg-Vorpommern der Lächerlichkeit preis." Statt auf angebliche Fachkräfte aus Mallorca zu setzen, wäre es besser, die eigenen Leuten in Schwerin ordentlich zu bezahlen. In Wismar jedenfalls habe man damit gute Erfahrungen gemacht, schreibt Wismars AWO-Vorsitzende Baar süffisant.

Wismarer Bürgermeister: Fehler müssen korrigiert werden

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Im vergangenen Herbst war bekannt geworden, dass der AWO-Kreisverband Schwerin-Parchim seit Jahren eine Kita auf Mallorca betreibt. (Archibild)

Vor Kameras und Mikrofonen will er das nicht erklären. Das übernimmt ein anderer: Wismars Bürgermeister Thomas Beyer. Der SPD-Politiker ist AWO-Mitglied, und er meint, die Schweriner AWO sollte ihren Fehler endlich einräumen und korrigieren: "Aber dass man dann noch krampfhaft versucht, dass mit einem Fachkräftemangel zu rechtfertigen, ist lächerlich und schadet der AWO überall und auch bei uns in Wismar."

Auch die AWO Bayern ist in Sorge

Um den Ruf der AWO sorgt sich auch der Landesverband in Bayern. Sein Vorstand ist alarmiert - auch wegen des Medienechos. Immerhin habe die Sache die "Süddeutsche Zeitung" schon auf ihrer Seite 1 beschäftigt, schreibt die bayrische AWO-Spitze an alle Kreisverbände. Dort heißt es, eine Kita auf Mallorca sei "klar unvereinbar mit Aufgaben, Zielen und Ansehen der Arbeiterwohlfahrt." Vorsorglich hat die Bayern-AWO alle Gliederungen abgefragt, ob es ähnliches auch im eigenen Landesverband gebe. Das Ergebnis war für die Zentrale in München eine Erleichterung: Fehlanzeige.

Flossen Fördermittel des Landes in Mallorca-Kita?

Von Rufschädigung spricht auch der Wismarer AWO-Chef Baar in seinem Brief. Er hält es - anders als von seinen Kollegen in Schwerin immer wieder behauptet - auch für wahrscheinlich, dass in den Kauf des Kita-Grundstücks auf Mallorca am Ende doch Fördermittel des Landes geflossen sind. Bei den dafür verwendeten Rücklagen - 150.000 Euro - handele es sich vermutlich um Mittel aus der staatlichen Förderung. Baar distanziert sich von seinen Kollegen in Schwerin. Er kommt zu diesem Fazit: "Das Auftreten der maßgeblichen Personen zeugt davon, dass kein Unrechtsbewusstsein und auch nicht der Wille zur Aufarbeitung bestehen. Ein solches Verhalten in der Öffentlichkeit ist schlichtweg rufschädigend für alle Gliederungen der AWO. Es kann aus diesem Grund auch nicht solidarisch mitgetragen werden."

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Die Schweriner Kollegen sollten sich und der gesamten Arbeiterwohlfahrt einen Gefallen tun und das Projekt beenden, schreibt Baar zum Abschluss. Rückenwind bekommt er von ganz oben: Der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler teilte auf Anfrage mit, man könne sich mit dem Inhalt des Briefes im Wesentlichen identifizieren. Das habe man dem Kreisverband in Wismar auch so mitgeteilt.

Die Ungeduld wächst

Der Landesverband will der AWO in Schwerin-Parchim noch bis Ende Juni Zeit geben. Wenn dann die Fachkräfte aus Mallorca weiter ausbleiben, müsse über Folgen geredet werden, so Landesgeschäftsführer Bernd Tünker. Auf das Prüfverfahren des Landesverbands setzt auch die Bundesspitze, AWO-Chef Stadler wird immer ungeduldiger: "Wir setzen darauf, dass der Landesverband nach Auswertung der Erkenntnisse die entsprechenden Maßnahmen ergreift, bei Bedarf auch personelle." Nach einer Jobgarantie für Sievers und seinen Geschäftsführer Mielke klingt das nicht.

Ärger über "unverschämte" Kritik

Mielke äußerte sich verwundert über die Kritik aus Wismar. Er nannte sie "unverschämt". Der AWO-Geschäftsführer wiederholte, der Betrieb der Kita auf Mallorca diene der Fachkräfte-Gewinnung. Eine Entscheidung über die Kita schon Ende Juni sei zu früh. Er rechne damit, dass "wir Ende des Jahres die ersten großen Erfolgserlebnisse haben werden", dann würden zwei bis drei Mitarbeiter kommen. Bisher hat die AWO-Schwerin eher verloren: Die Kita auf Mallorca wird geleitet von einer ehemaligen Führungskraft aus Mielkes Umfeld. Sie hat der AWO in Schwerin den Rücken gekehrt, um sich auf der Ferieninsel eine neue Existenz aufzubauen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.03.2019 | 19:00 Uhr

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