Virologe Grundhoff: Risiko steigt durch Corona-Mutanten

Stand: 25.01.2021 20:12 Uhr

Adam Grundhoff vom Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie in Hamburg erläuterte im NDR Fernsehen, was die Mutationen des Coronavirus für den Verlauf der Pandemie bedeuten.

Die zunächst in Großbritannien und Südafrika nachgewiesenen Mutanten gelten als hochansteckend und wurden zuletzt auch in Deutschland nachgewiesen. Genauso wie eine in Brasilien zirkulierende Variante, die offenbar ebenfalls sehr ansteckend ist. Grundhoff sagte NDR Info zu den Mutanten, sie seien bedenklich und böten verschiedene Gefahrenpotenziale. Die britische Variante bereite Sorgen, weil sie sich schnell ausbreite, die beiden anderen darüberhinaus, weil sie Eigenschaften hätten, die bedeuten könnten, dass sie der Immunantwort besser entgehen können. Bislang seien die Mutanten aber vor allem bei Reiserückkehrern festgestellt worden, sagte Grundhoff im Hamburg Journal. Würden sie in der Breite der Bevölkerung ankommen, sei mit erheblich höheren Zahlen bei den Neuinfektionen zu rechnen.

"Kontaktbeschränkungen helfen auf jeden Fall"

Das Restrisiko auch bei Einhaltung der Corona-Regeln steige, weil diese Varianten leichter zu übertragen seien. Man wisse noch nicht genau worauf diese leichtere Übertragbarkeit beruhe. Dazu bedürfe es weiterer Laboruntersuchungen. Welche möglicherweise verschärfenden Maßnahmen daraus abzuleiten seien, müsse man abwarten. Mehr Abstand und gute Masken seien weiterhin notwendig. "Was natürlich am meisten hilft sind Kontaktbeschränkungen", sagte Grundhoff. Darauf müsse man nun sehr genau achten, das sei am wichtigsten.

"Hamburg bei Sequenzierung sehr gut aufgestellt"

Bei der Genom-Sequenzierung - einer genaueren Untersuchung, um mögliche Virus-Mutationen aufzuspüren - sei man in Hamburg sehr gut aufgestellt, sagte Grundhoff im Hamburg Journal. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf habe das Heinrich-Pette-Institut etwa bei der ersten Corona-Welle rund 20 Prozent aller Fälle sequenziert. Das sei im Vergleich zu anderen Ländern ein guter Wert.

Ziel: Zahl der Neuinfektionen deutlich reduzieren

Seiner Meinung nach muss man den Inzidenzwert runter bekommen. Am besten deutlich unter die Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern binnen sieben Tagen. Dass ein - wie von manchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geforderter - Rückgang auf Null realistisch ist, glaube er nicht. Aber ein niedriger Inzidenzwert müsse das Ziel sein. Die Zahl der Neuinfektionen müsse signifikant reduziert werden, sagte Grundhoff NDR Info.

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Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 25.01.2021 | 19:30 Uhr

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