Stand: 15.08.2020 06:40 Uhr

Schulsenator zieht positive Bilanz nach Schulstart

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) zu Gast beim NDR  Foto: Kathrin Otto
Gesundheitsschutz ist das eine, Kinder müssen aber unbeschwert groß werden können, sagt Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD).

Seit dieser Woche gehen in Hamburg alle schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen wieder in die Schule. Im Gespräch mit NDR 90,3 hat sich Schulsenator Ties Rabe (SPD) mit der Umsetzung der Corona-Regeln an den Schulen zufrieden gezeigt. Die von der Behörde vorgegebenen Corona-Regeln würden überall akzeptiert und umgesetzt, so Rabe. Aus Schulen würden nur relativ wenig bestätigte Corona-Fälle gemeldet - bislang maximal 40. Ein Fall, in dem sich jemand in einer Schule angesteckt hat, ist offenbar nicht bekannt.

Rabe: "Einigen ist zu viel Maske, anderen zu wenig"

Kritik am Umgang mit Masken weist der Senator deshalb zurück. "Die einen sagen: 'Da ist viel zu viel Maske, das ist doch Unsinn'", zitiert Rabe. Da käme die Frage, ob das auf dem Schulhof nicht weggelassen werden könne. Den anderen gehe es nicht weit genug und sie forderten die Maskenpflicht auch im Unterricht. Aktuell müssen Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte auf Hamburgs Schulfluren und dem Schulgelände einen Mund-Nasen-Schutz tragen, im Unterricht darf er abgenommen werden.

Verschärfungen der Auflagen sind möglich

Ein Schüler betrachtet im Unterricht seine Schutzmaske, die er in der Hand hält. © picture alliance Foto: Robert Michael
In den Hamburger Klassenräumen müssen Schülerinnen und Schüler keine Schutzmaske tragen.

Im Ländervergleich gehe die Stadt einen vernünftigen Mittelweg, findet Rabe. Man habe sich an der Stellungnahme von medizinischen Fachverbänden orientiert, die sich wochenlang mit dem Thema auseinandersetzt und eine solche Empfehlung ausgesprochen haben. Außerdem müsse man auch abwägen: So wichtig der Gesundheitsschutz auf der einen Seite, so wichtig sei es auch, dass Kinder unbeschwert groß werden. Sieben Stunden am Tag eine Maske zu tragen, sei ein Einschnitt. "Das ist schon eine erhebliche Belastung, die wir selbst Erwachsenen nur sehr selten zumuten", sagt Rabe dazu. Es gehe um eine kluge Abwägung. Bei einer neuen Corona-Lage seien Verschärfungen aber denkbar, so der Schulsenator. Und auch für den Fall, dass einzelne Klassen oder Klassenstufen längerfristig in Quarantäne müssten, sei man vorbereitet.

Kritik von der Hamburger CDU

Die Hamburger CDU teilt Rabes Zufriedenheit nicht. Nach Ansicht von CDU-Schulexpertin Birgit Stöver herrsche insgesamt eine große Verunsicherung. Sie wirft Rabe und seiner Schulbehörde bevor, ihre Hausaufgaben nicht gemacht zu haben. "Wir haben in den Sommerferien nicht an Arbeitsmangel gelitten, im Gegenteil", entgegnet Rabe auf diese Kritik. Er habe - in neun Jahren - seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nie in einer solch angespannten und belastenden Situation arbeiten sehen. Da sei es schon gemein, wenn aus dem Urlaub Rufe kämen, 'warum seid ihr nicht fleißig genug', während alle anderen an der Ostsee liegen. Man habe den Schulen viele Regeln an die Hand gegeben, an die 100 Seiten. "Wir haben Fragen erörtert wie 'Wie groß ist der Abstand beim Blockflötenunterricht zwischen den Kindern?' oder 'Wie ist es mit der Maske, wenn man draußen ein Butterbrot isst?'", erläutert der Senator. Da sei eine ganze Lebenswirklichkeit zu regulieren.

Die CDU hatte für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte eine Corona-Schulhotline eingerichtet. Hier seien schon mehr als 70 Anrufe eingegangen - in denen vor allem der Umgang mit der Maske kritisiert worden sei.

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Zwei Schüler mit Schutzmasken sitzen im Klassenraum. (Themenbild) © picture alliance Foto: Jonas Güttler

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.08.2020 | 07:00 Uhr

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