Ein Schild vor der Europa-Passage weist auf die zeitlich begrenzte Maskenpflicht. © NDR Foto: Anna Rüter

Kritik an Wirrwarr um verschärfte Maskenpflicht

Stand: 13.10.2020 16:26 Uhr

In Hamburg gilt wegen vieler Corona-Neuinfektionen nun zu bestimmten Zeiten in bestimmten Straßen eine Maskenpflicht. Zu verwirrend, kritisiert die Opposition.

Eine Frau trägt eine Maske und drückt eine Klingel vor einer Haustür. © picture-alliance Foto: Kirsten Nijhof
In einigen Straßen in Hamburg - teilweise nur in einzelnen Abschnitten - gilt nun eine Maskenpflicht.

An der seit Montag geltenden neuen erweiterten Maskenpflicht in Hamburg hat sich Kritik entzündet. In einzelnen Straßen muss zu unterschiedlichen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Der Senat veröffentlichte im Internet eine Karte, auf der die betroffenen Straßen und Plätze markiert sind. Die Linkspartei und die FDP halten es für unsinnig, dass nun in - vergleichsweise kleinen Straßenabschnitten - zu unterschiedlichen Zeiten Maskenpflicht herrscht.

Celik: "Es muss plausibel bleiben"

Der gesundheitspolitische Sprecher der Linken in der Bürgerschaft, Deniz Celik, befürchtet, dass die neuen Maßnahmen die Akzeptanz für die Corona-Schutzregeln insgesamt beschädigen könne. NDR 90,3 sagte er, der Senat müsse "aufpassen, dass das alles plausibel und umsetzbar bleibt". Kein Mensch könne sich merken, vor welchen Häusern zu welcher Zeit die Maske zu tragen sei. Insgesamt hält er die Corona-Politik bisher zwar für angemessen und unterstützt auch die verschärften Kontrollen am Wochenende in Clubs. Dieser sehr kleinteiligen Maßnahme jedoch steht er außerordentlich skeptisch gegenüber.

Treuenfels kritisiert Durcheinander

Die FDP-Bürgerschaftsabgeordnete Anna von Treuenfels fühlt sich durch die Maskenpflicht in einzelnen Straßen an das bundesweite Durcheinander bei Corona-Regeln erinnert und fragt, ob der Senat sich das zum Vorbild genommen habe. Niemand könne den Überblick behalten, wo gerade was gelte. "Statt nachvollziehbare Regeln fürs Maskentragen im öffentlichen Raum zu beschließen", werde die Stadt "an gleich zehn Stellen mit völlig unterschiedlichen Festlegungen" überzogen, kritisierte sie.

Schilder geben Hinweise auf Maskenpflicht

Die Gesundheitsbehörde jedoch weist die Kritik zurück. Sie sieht diese Gefahr nicht: Überall würden Schilder aufgehängt, so dass jeder Passant ohne eigene Recherche wissen könne, ob er die Maske aufsetzen müsse oder eben nicht. Auf den entsprechenden Plätzen darf der Mund-Nasen-Schutz nicht abgenommen werden - auch nicht zum Essen, Trinken oder Rauchen, hatte der Sprecher der Sozialbehörde, Martin Helfrich, am Sonntag erklärt. Gesichtsvisiere würden nicht mehr anerkannt. Während der Landespressekonferenz am Dienstag sagte Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard, die Menschen müssten sich zwar erst daran gewöhnen, dass sie jetzt an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten einen Mund-Nase-Schutz tragen müssten. Es gehe aber darum, an Orten, die zeitweise stark bevölkert sind und Abstände nicht eingehalten werden können, das Risiko zu minimieren. Auch Radfahrende sind von der erweiterten Maskenpflicht nicht ausgenommen. Insbesondere in stark frequentierten Bereichen sei es möglich, dass beispielsweise das Rad geschoben werden muss, wie Anja Segert von der Sozialbehörde erklärte.

Bei Verstößen gegen die Maskenpflicht droht nach künftig ein Mindestbußgeld von 150 Euro. Bislang gilt seit dem 10. September offiziell ein Bußgeld von 80 Euro. Der Bußgeldkatalog soll aber in Kürze verschärft werden.

VIDEO: Verschärfte Maskenpflicht in Hamburg in Kraft getreten (3 Min)

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.10.2020 | 16:00 Uhr

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