Hamburg drohen schärfere Corona-Maßnahmen

Stand: 08.10.2020 21:03 Uhr

Hamburg will schärfere Corona-Maßnahmen ergreifen. Das soll kommen, wenn der sogenannte Inzidenzwert drei Tage in Folge über 35 liegt.

Auf diesen Mechanismus habe sich der Senat verständigt, sagte Martin Helfrich, Sprecher der Gesundheitsbehörde. In Hamburg haben die Corona-Infektionen erstmals seit April wieder den sogenannten Inzidenzwert von 35 überschritten. Mit 125 neuen Ansteckungen kletterte der Wert laut Behörde am Donnerstag auf 36,1. Der Wert gibt die Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner an. Damit dürfen Fußballspiele in Hamburger Stadien ab sofort nur noch vor maximal 1.000 Zuschauern stattfinden.

Maskenpflicht für alle in Gastronomie und Einzelhandel

Ein Mann mit Mund-Nasen-Schutz trägt ein Tablett mit Biergläsern. © dpa Foto: Felix Hörhager
In Hamburg droht eine Maskenpflicht für alle in Gastronomie und Einzelhandel - auch für die Angestellten.

Bleibt der Wert bei über 35, soll ab kommenden Montag für alle Personen eine Maskenpflicht in gastronomischen Einrichtungen und im Einzelhandel gelten, teilte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nach Beratungen des Senats mit. Das gilt dann also auch für das Personal. "Darüber hinaus werden wir die Einhaltung der Regeln, insbesondere in der Gastronomie, noch stärker kontrollieren", so Tschentscher. Sollte sich die Zahl der Infektionen weiter auf dem aktuellen Niveau bewegen, müssen ab Montag auch Mund-Nase-Bedeckungen bei allen sonstigen Veranstaltungen in geschlossenen Räumen und in Gebäuden mit Publikumsverkehr und an öffentlichen Plätzen getragen werden, an denen es zu größeren Ansammlungen und Enge komme. Bei Veranstaltungen mit festen Sitzplätzen, wie zum Beispiel im Kino oder Theater kann die Maske während der Veranstaltung am Platz abgenommen werden. Laut Gesundheitsbehörde soll es auch eine Maskenpflicht an Orten geben, wo wiederholt gegen Corona-Regeln verstoßen wurde - zum Beispiel auf der Schanze oder auf St. Pauli. Und: Gesichtsvisiere sollen nicht mehr als ausreichende Alltagsmaske anerkannt werden. Sie sind dann nur noch ausnahmsweise zulässig, beispielsweise bei Menschen mit Behinderungen. Dass auch Schulen und Kitas wieder dichtmachen, müssen Eltern laut Gesundheitsbehörde vorerst nicht fürchten.

Helfrich: "Frühzeitig auf die Bremse treten"

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Hamburg trete jetzt auf die Bremse, um einen erneuten Lockdown zu vermeiden, sagt Martin Helfrich im Hamburg Journal.

Die Einschränkungen beim Sport sollen wieder entfallen, sobald der Inzidenzwert unter 35 fällt. Alle anderen Lockerungen sind laut Senatsbeschluss erst dann wieder möglich, wenn der Wert mindestens drei Tage unter der Marke bleibt. Bislang galt ein Inzidenzwert von 50 als Grenze, ab dem spätestens schärfere Maßnahmen ergriffen werden müssen. Diesen Wert habe man nun für Hamburg auf eben 35 angepasst, weil man den Wert von 50 gar nicht erst erreichen wolle, sagte Helfrich dem Hamburg Journal, um dann nicht sehr weitreichende Maßnahmen erlassen zu müssen. "Wir wollen jetzt schon erkennen, wo sind Probleme und dann gezielt gegensteuern. Deswegen treten wir jetzt auf die Bremse, damit es erst gar nicht zu einem zweiten Lockdown kommen muss", so Helfrich weiter. Momentan seien es vor allen Dingen junge Menschen, die sich infizieren. Diese hätten aber auch Kontakte, die sie wiederum anstecken könnten. So könne das Virus auch bei älteren Menschen ankommen.

Gastronomie muss mit Kontrollen rechnen

Am Wochenende würden wieder Kontrollen durchgeführt werden. Sollte es zu Verstößen in der Gastronomie kommen, würden auch weitere Maßnahmen ergriffen, so der Sprecher der Gesundheitsbehörde. So sei nicht auszuschließen, dass Stehplätze in der Gastronomie durch den Senat untersagt werden - in Fällen, in denen Menschen nah beieinander stehen. Das könnte im Zweifel alle Stehplätze in der Gastronomie treffen.

Sperrstunde und Alkoholverbote?

Am Mittwoch hatte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) bereits schärfere Maßnahmen für die Gastronomie in Aussicht gestellt, sollte der Inzidenzwert weiter in Richtung 50 steigen - ähnlich wie in Berlin. Als Beispiele nannte er eine mögliche Sperrstunde, ein Alkoholverbot oder eine Reduzierung der Gäste. Bei 50 werden außerdem weitere Freizeitmöglichkeiten wieder eingeschränkt. Laut Westhagemann sind dann auch Pläne zum Winterdom oder den Weihnachtsmärkten hinfällig.

Beratungen per Telefonkonferenz

Am Freitag nimmt Tschentscher mit den Oberbürgermeistern und Regierungschefs von elf großen deutschen Städten an einer Telefonkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil. Dort soll über das weitere Vorgehen beraten werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 Aktuell | 08.10.2020 | 17:00 Uhr

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