Corona: Gastronomie-Treibende auf dem Kiez fordern Lockerungen

Stand: 06.07.2021 19:49 Uhr

Die Bar- und Clubbesitzenden von St. Pauli haben sich zusammen geschlossen und fordern Lockerungen. Für sie gilt nämlich noch immer Sperrstunde ab 23 Uhr - während viele andere sich mittlerweile über Lockerungen freuen durften.

Weil Axel Strehlitz früher schließen muss, macht er jetzt früher auf: Strehlitz betreibt neben dem Sommersalon noch fünf andere Clubs und Bars auf dem Kiez. Statt Caipirinha um Mitternacht gibt's jetzt Milchkaffee und Flammkuchen zum Mittag. Doch der Umsatz ist um die Hälfte eingebrochen und warum er genau um 23 Uhr schließen soll, versteht er überhaupt nicht: "Einerseits sind die Menschen hier gut aufgehoben, sie werden betreut. Wir achten auf alle Regeln, die es gibt und dann schmeißen wird sie einfach ohne Grund um 23 Uhr vor die Tür, damit sie genau das machen, was sie eigentlich nicht machen sollen. Das sollte man nicht machen, das öffnet die Büchse der Pandora", sagt der Clubbetreiber vom Sommersalon.

Totentanz auf dem Kiez

Hans Albers hat hier die Reeperbahn besungen. Doch nachts um halb eins ist auch auf dem Kiez schon lange nix mehr los. Und der Totentanz bedeutet für die Barbetreibenden herbe Verluste. Inzwischen verstehen sie auch nicht mehr, auf welche Inzidenz oder auf was denn überhaupt sie noch warten sollen. Constanze Lay vom Hamburger Barkombinat sagt: "Wir sind doch schon nah an Null, was soll jetzt noch passieren? Natürlich kann man sagen, wir warten jetzt nochmal ab, was die Delta-Variante macht, aber was soll das denn bringen. Sollen wir jetzt nahtlos von einem Lockdown in den nächsten schlittern?"

Gastronomie-Treibende fordern eine Perspektive

Die Gastronomie-Treibenden fordern eine Perspektive, doch genau das kann die zuständige Gesundheitsbehörde noch nicht bieten. Martin Helfrich, Sprecher der Gesundheitsbehörde, sagt: "Eine Pandemie funktioniert leider nicht nach Fahrplan. Und auch konkrete Daten für konkrete Schritte zu nennen, das wäre deswegen unseriös, weil wir schlicht nicht absehen können, ob sich vielleicht noch Entwicklungen ergeben, die es vielleicht sogar erforderlich machen, Lockerungen sogar zurück zu nehmen. Aber dass alle Regeln entfallen, dass wir alles streichen, an dem Punkt sind wir leider in der aktuellen Lage noch nicht.

Opposition drängt auf Lockerungen

Alkohol und Gesellschaft zu später Stunde seien nun mal Auslöser für unvorsichtiges Verhalten. Doch auch die Opposition drängt auf Lockerungen - nicht nur im Sinne der Barbetreibenden sondern auch im Sinne der jungen Feierwilligen. "Man kann einfach mit der Politik jetzt nicht weiter den Deckel auf den Topf pressen, das fliegt einem irgendwann um die Ohren. Man muss diese Möglichkeiten schaffen und hier ist ein ideales Areal und auch ein Areal, das überleben muss", sagt Anke Frieling (CDU). "Wir stellen fest, dass der Senat die BetreiberInnen aber auch die Menschen dieser Stadt als kleine Kinder behandelt. Es gibt kein Zukunftskonzept", sagt Norbert Hackbusch (Die Linke).

Schlechte Aussichten

Doch die Kiezbetreibenden hoffen weiter, dass sie endlich wieder Party statt Milchkaffee bieten können: "Ich würde mir so sehr wünschen, dass wir im September Silvester feiern können. Nämlich das nachgeholte Silvester von 2020. Und dann drei Monate später das nächste Silvester", sagt Axel Strehlitz. Doch vorerst sind die Aussichten eher schlecht. Und so denkt man auf dem Kiez auch schon leise über einen Gang zum Gericht nach.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 06.07.2021 | 19:30 Uhr

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