Stand: 20.01.2019 14:14 Uhr

Wilhelmsburg: Kirche weicht Wohnungen

Der letzte Gottesdienst nach mehr als 50 Jahren: Die Paul-Gerhardt-Kirche in Hamburg-Wilhelmsburg ist am Sonntag von Bischöfin Kirsten Fehrs entwidmet worden, weil sie demnächst abgerissen werden soll. Wo jetzt noch das Gemeindehaus steht, sollen dann Wohnungen in Erbpacht gebaut werden. Von den Einnahmen finanziert die Gemeinde unter anderem einen Organisten. Auch ein neues Gemeindehaus wurde neben der Emmaus-Kirche gebaut und Anfang Januar bezogen.

Nur noch ein Viertel der früheren Mitgliederzahl

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01:26
NDR 90,3

Pastor: "Heute ist der Tag des Aufbruchs"

20.01.2019 11:40 Uhr
NDR 90,3

Die Paul-Gerhardt-Kirche in Hamburg-Wilhelmsburg wird entwidmet und soll abgerissen werden. Pastor Vigo Schmidt über einen langen Abschied, die "Wilde 13" und einen Neuanfang. Video (01:26 min)

Der Beschluss zur Aufgabe war nach langen Beratungen schon vor zehn Jahren gefasst worden. Zuvor hatte sich die Paul-Gerhardt- mit der benachbarten Emmaus-Gemeinde zusammengeschlossen - doch auch die fusionierte Reiherstieg-Gemeinde kam nicht aus den roten Zahlen. Die Gemeinde hat nach Angaben des Pastors zwar seit vielen Jahren konstant rund 4.200 Mitglieder, aber 1961, als die Kirche geweiht wurde, waren es noch mehr als 16.000 gewesen. Im Stadtteil Wilhelmsburg leben inzwischen viele orthodoxe Christen und Muslime. In der Nachbarschaft der Paul-Gerhardt-Kirche gibt es fünf Moscheegemeinden.

Ein Verkauf von Kirchengebäuden an nicht-christliche Gemeinschaften ist in der Nordkirche nicht erlaubt. Der Umbau einer Kirche in Hamburg-Horn zu einer Moschee war ein Sonderfall. An der Paul-Gerhardt-Kirche seien bulgarische, äthiopische und afrikanische Christengemeinden interessiert gewesen, sagte Pastor Vigo Schmidt. Doch hätten sie alle selbst kein Geld gehabt.

Inventar wird zum Teil weiter genutzt

Nun sollen zumindest einzelne Elemente der aufgegebenen Kirche weiter genutzt werden. Die einst mit Spenden finanzierten Glocken sollen im brandenburgischen Alt Ruppin erklingen, die Orgel und die Kirchenbänke gehen nach Polen. Ein Element der Buntverglasung wird im Eingangsbereich des neuen Gemeindehauses in Wilhelmsburg aufgestellt.

An inhaltlicher Arbeit werde die Gemeinde durch die Aufgabe des Kirchengebäudes nichts einbüßen, sagte Pastor Schmidt. Sie werde sich auf das neue Zentrum an der Emmaus-Kirche konzentrieren. Wie tief sitzt die Trauer am Tag der Entwidmung? Im Gespräch mit NDR 90,3 sagte Schmidt: "Ich habe zehn Jahre lang getrauert, heute ist der Tag des Aufbruchs für mich."

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.01.2019 | 13:00 Uhr

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