Männer arbeiten an einer Schiffsschraube der "Queen Mary 2", im Trockendock bei Blohm + Voss in Hamburg © picture alliance / dpa Foto: Lukas Schulze

Werftenverband warnt vor großer Abhängigkeit von China

Stand: 23.05.2022 12:52 Uhr

Der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) in Hamburg warnt vor einer immer größer werdenden Abhängigkeit von China. Das Land ist inzwischen mit Abstand die größte Schiffbaunation, während der Marktanteil von Europa gerade noch bei vier Prozent liegt.

Rund 200.000 Menschen in Hamburg und an anderen deutschen Standorten haben im vergangenen Jahr im Schiffbau gearbeitet. Zahlen, bei denen Pleiten von Werften wie der Pella Sietas Werft in Neuenfelde oder der MV-Werften in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht berücksichtigt sind. Gerade jetzt zeigt sich, wie abhängig die deutschen Schiffbauer von ihren Nischenprodukten Kreuzfahrt und Mega-Jachten sind, so Reinhard Lüken, Chef des VSM auf einer Pressekonferenz am Montag. Aufgrund der Corona-Pandemie haben Kreuzfahrt-Reedereien so gut wie keine neuen Schiffe mehr bestellt.

Auswirkungen der Sanktionen gegen Oligarchen?

Unklar sei noch, wie sich die Sanktionen gegen russische Oligarchen auswirken, die bislang treue Kunden für neue Mega-Jachten waren. Weil insgesamt Aufträge ausbleiben, dürften laut VSM bald viele deutsche Werften zu wenig zu tun haben. Hoffnung setzt die Branche in die geplante Aufrüstung der Bundeswehr und auf neue Aufträge für Marineschiffe.

Unfairer Wettbewerb mit China

Die Schiffbauer appellieren zudem an die EU, sich mehr dafür einzusetzen, dass auch Handelsschiffe in Europa gebaut werden anstatt in Fernost. Chinesische und südkoreanische Werften würden Schiffe für europäische Reeder zu Dumpingpreisen anbieten. Schon länger beklagt der VSM beispielsweise einen unfairen Wettbewerb mit der chinesischen Konkurrenz. Sie wird, anders als das hierzulande der Fall ist, staatlich stark subventioniert.

Hoffnung auf Aufträge durch Offshore-Anlagen

Große Hoffnungen setzt der deutsche Schiffbau auf die Energiewende, vor allem auf einen beschleunigten Ausbau der Windenergie auf See. Denn für Bau, Service und Wartung der Windparks im Meer sind viele neue Schiffe nötig, die Material und Menschen an die Standorte der neuen Windanlagen bringen. Allerdings ist nicht klar, ob entsprechende Aufträge bei deutschen Unternehmen landen und so dafür sorgen, dass Beschäftigung und technologische Kompetenz im Land bleiben.

Weitere Informationen
Der Neubau des Kreuzfahrtschiffes "Global Dream" liegt im Januar 2022 in der Halle der MV Werft in Wismar. © NDR Foto: screenshot

MV-Werften: Kein Käufer für Kreuzfahrtschiff "Global Dream"

Auch der letzte Interessent für das fast fertig gebaute Kreuzfahrtschiff "Global Dream" ist abgesprungen. Das größte je in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff wird wohl nie fertiggestellt. (23.05.2022) mehr

Die Jacht "Luna" bei der Werft Blohm + Voss im Hamburger Hafen. © picture alliance

Luxusjacht "Luna" im Hamburger Hafen festgesetzt

Die "Luna" liegt bei der Werft Blohm + Voss. Laut Bundeskriminalamt gehört sie einem Oligarchen und fällt unter die EU-Sanktionen gegen Russland. (11.05.2022) mehr

Die Pella Sietas Werft in Hamburg. © NDR Foto: Dietrich Lehmann

Ausverkauf bei der Hamburger Pella Sietas Werft

Das Inventar der insolventen Werft in Hamburg-Neuenfelde wird nun im Internet versteigert. (22.04.2022) mehr

Das Gelände der Pella Sietas Werft in Hamburg-Neuenfelde. © picture alliance

Bauunternehmer will Hamburger Pella Sietas Werft kaufen

Rettung in letzter Minute? Der Unternehmer aus dem Landkreis Harburg will in Hamburg-Neuenfelde Sportboote und Traditionsschiffe bauen. (28.04.2022) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.05.2022 | 13:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Kreuzfahrtschiffe

Schiffbau

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Aufnahme von Ausschreitungen am Rande des G20-Gipfels in Hamburg. © Geisler-Fotopress

Vor fünf Jahren: G20-Gipfel in Hamburg

Vor fünf Jahren ist Hamburg im Ausnahmezustand: Inmitten der Innenstadt wird der G20-Gipfel veranstaltet. mehr