Verzweiflung bei gestrandeten Seeleuten in Hamburg

Stand: 30.01.2021 19:48 Uhr

Die Lage für gestrandete Seeleute in Hamburg wird immer verzweifelter. Wegen strenger Corona-Regeln können sie nicht in ihre Heimat. Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs wendet sich nun an das Auswärtige Amt und die Heimatkirche in Kiribati.

Es sind mehr als 50 Seeleute, die aus dem kleinen Inselstaat Kiribati seit Wochen in der Jugendherberge Horn festsitzen. Viele von ihnen waren schon zwei Jahre nicht mehr daheim - ihre Regierung lässt sie aus Angst vor der Corona-Pandemie nicht einreisen.

Mehrfach hatte das Hamburg Journal darüber berichtet. Damit auch die Familien der Seeleute von deren Schicksal in Hamburg erfahren, hat der NDR diese Berichterstattung mit englischen Untertiteln über soziale Netzwerke verbreitet. Angehörige der Seeleute sahen die Berichte. Dass ein deutscher Fernsehsender über das Schicksal ihrer Männer berichtet, habe ihnen Hoffnung gegeben, berichteten sie über Video-Telefonie.

Schlechte Stimmung bei den Matrosen

Das hat auch den Betroffenen hier zwar Mut gemacht, doch nach wie vor sind viele ihrer Probleme ungeklärt - und sie werden größer. "Unsere Stimmung ist schlecht", sagt Seemann Tiale Pii. "Manche haben Depressionen." Sein Kollege Erioti Tiaon erklärt: "Ich musste schon zweimal mit Herzrasen zum Arzt, ich vermisse meine Familie jede Sekunde." Bei zwei der Männer hätten sich die Frauen bereits getrennt, die Kinder würden sie am Telefon nicht mehr erkennen.

Seeleute schreiben Brief an Regierung in Kiribati

Die gestrandeten Seeleute haben nun zusammen mit ihrem Kapitän Kiraua Tekemau an die Verantwortlichen in Kiribati geschrieben. "In dem Brief an die Regierung wollen wir unsere Gefühle zum Ausdruck bringen", sagt Tekemau. "Wir möchten nach Hause. Wir sind verzweifelt, manche denken an Selbstmord, halten die Trauer ihrer Familien nicht mehr aus." Darüber wollen sie die Politik in der Heimat informieren.

Reeder würde Flugzeug chartern

Auf eine Antwort warten sie, genau wie ihr Reeder Frank Leonhardt. Er hatte angeboten, einen Flieger für die Seeleute zu chartern und sie vor und nach dem Rückflug zu testen. Es kämen aber weitere Probleme hinzu: Als die Infektionszahlen hierzulande in die Höhe schossen, hätten sich auch die Fidschi-Inseln für Flüge aus Deutschland verschlossen, die aber eine Zwischenstation für die Reise nach Kiribati seien, so Leonhardt.

Unterstützung von Hamburgs Bischöfin Fehrs

Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs möchte die Seeleute nun auch unterstützen und hat sich an gleich zwei Stellen gewandt. Sie habe ans Auswärtige Amt geschrieben und an die Kirche in Kiribati, in der Hoffnung, dass die sich für die Seemänner einsetzen.

Dennoch werden die Seemänner wohl in jedem Fall noch ein paar Wochen in Hamburg bleiben müssen. So lange sammelt die Seemannsmission Spenden. Besonders bei winterlichen Temperaturen bräuchten die Seeleute warme Schuhe und Kleidung.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 30.01.2021 | 19:30 Uhr

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