Stand: 07.08.2020 08:56 Uhr

Verfassungsschutz warnt vor Scientology-Stand

Der Hamburger Verfassungsschutz hat vor einem Anti-Drogen-Infostand gewarnt, mit dem die unter Beobachtung stehende Scientology-Organisation (SO) neue Anhänger gewinnen wolle. Unter dem Motto "Sag Nein zu Drogen - Sag Ja zum Leben" sei am Sonnabend in Billstedt eine Aktion geplant, hinter der nach Auffassung des Verfassungsschutzes eine Scientology-Tarnorganisation stehe.

SO suche neue Anhänger

"Der Tenor lässt auf den ersten Blick auf ein sinnvolles Engagement schließen. Doch hinter dem Veranstalter steckt die verfassungsfeindliche Scientology-Organisation", sagte Verfassungsschutzsprecher Marco Haase. Nach Auffassung des Verfassungsschutzes versucht Scientology, über solche Infostände letztlich neue Anhänger zu gewinnen. Dabei trete sie aber nicht offen unter ihrem Namen auf.

Was ist Scientology?

- Religiöse Lehre und Bewegung, die 1953 vom Schriftsteller L. Ron Hubbard in den USA begründet wurde
- Mitgliederzahl unklar: Zehn Millionen nach eigenen Angaben, tatsächlich aber wohl maximal 150.000 weltweit
- These: Mensch durch traumatische Erlebnisse beeinträchtigt, Psycho- und Sozialtechniken ("Auditing", "Clearing") sollen ihn therapieren ("reinigen")
- Kritik: Geldmaschine (Produkte und Therapien überteuert), fragwürdige Gesundheitspraktiken, Mitglieder werden bis ins Intimleben durchleuchtet, Menschenrechte außer Kraft gesetzt, Aussteiger bedroht
- bekannte Unterstützer: Tom Cruise, John Travolta, Juliette Lewis

"Dabei spielen vermutlich taktische Gründe eine Rolle - da weithin bekannt ist, dass die Scientology-Organisation vom Verfassungsschutz beobachtet wird, würde sich bei einem offenen Auftritt unter dem Label 'SO' voraussichtlich kein einziger Passant für den Infostand interessieren - es sei denn, er ist selbst Scientologe", sagte Haase.

Warnung vor grünem Flyer

Seit Jahren verteile die Scientology-Organisation, die seit 1997 vom Verfassungsschutz beobachtet werde, zudem Anti-Drogen-Broschüren, unter anderem in Hamburger Geschäften. "Dazu zählt beispielsweise der dunkelgrünfarbene Flyer mit dem Titel 'Fakten über Drogen'", sagte Haase. Auch dort werde die SO nicht offen genannt. Dafür feiere sie sich im Internet für ihre angeblich "lebensrettende Aufklärungskampagne".

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 07.08.2020 | 08:30 Uhr

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