Stand: 06.02.2017 19:33 Uhr

Uni Hamburg hängt bei Gütesiegeln hinterher

Den meisten Studiengängen der Universität Hamburg fehlt ein Gütesiegel, die so genannte Akkreditierung. Im Zuge der Hochschulreform wurden an den deutschen Unis Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt. Und die müssen akkreditiert werden, so beschloss es 2003 die Kulturministerkonferenz. Private Agenturen überprüfen zum Beispiel, ob es genügend Professoren und ausreichend Bibliotheksplätze gibt. Von den rund 170 Studiengängen an der Uni Hamburg sind aber gerade einmal zehn mit diesem Gütesiegel versehen - die meisten darunter eher kleinere Fächer. Die Lehrämter sind gerade in Bearbeitung.

Probleme warten bei der Bewerbung

Das Problem ist: Wenn ein Studiengang nicht akkrediert ist, könnte es für die Studierenden Schwierigkeiten bei Bewerbungen im In- und auch Ausland geben. Der Deutsche Wissenschaftsrat kritisiert in seinem Ende Januar veröffentlichten Gutachten zu den Geistes- und Sozialwissenschaften und zur Gesamtstrategie der Uni Hamburg das Fehlen des Gütesiegels in vielen Studiengängen.

Das Qualitätsmanagement der Lehre sei "defizitär", so heißt es in dem Gutachten. Es sei "wenig planvoll und unsystematisch". Obwohl die Umstellung auf das Bachelor-/Master-System bereits vor zehn Jahren erfolgte, seien erst sechs Prozent dieser neuen Studiengänge von externen Akkreditierungsagenturen anerkannt, monierte der Rat und fordert die Uni auf, dies nachzuholen.

Downloads

Gutachten des Deutschen Wissenschaftsrats

Der Deutsche Wissenschaftsrat hat die Geistes- und Sozialwissenschaften unter die Lupe genommen und die Gesamtstrategie der Uni Hamburg bewertet - und kritisieren auch fehlende Akkreditierungen. Download (1 MB)

Uni sieht keinen akuten Handlungsbedarf

Uni-Präsident Dieter Lenzen weist die Kritik zurück und sieht keinen akuten Handlungsbedarf. Es gebe in Hamburg nur einen einzigen Fall, in dem eine Behörde die rechtswidrige Entscheidung getroffen habe, jemanden wegen der fehlenden Akkredtierung seines Studienganges nicht einzustellen. "Es gibt überhaupt keinen Grund, für irgendwelche Formen von Ängsten und es ist verantwortungslos, das zu schüren", sagte Lenzen.

Top-Unis setzen auf Akkreditierung

Dennoch: Der Akkreditierungsprozess geht voran. Steht aber wegen seiner Kosten von bis zu 15.000 Euro pro Studiengang auch in der Kritik. "Es ist natürlich auch eine Art Gütesiegel für Hochschulstandorte", sagt Julia Offen, Sprecherin Wissenschaftsbehörde. "Viele Top-Unis in Deutschland haben ihre Studiengänge alle akkreditieren lassen und wenn man dazugehören will, ist es vielleicht auch wichtig, da auch dabei zu sein."

Ende des Monats wollen sich Vertreter von Universität, Wissenschaftsrat und Wissenschaftsbehörde treffen. Sie wollen darüber beraten, wie das Verfahren beschleunigt werden kann.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 06.02.2017 | 19:30 Uhr

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