Stand: 26.09.2018 17:49 Uhr

Umgebaute Kirche als Moschee eröffnet

Nach knapp fünfjährigem Umbau ist die ehemalige Kapernaum-Kirche in Hamburg-Horn am Mittwochnachmittag als Moschee eröffnet worden. "Dies ist eine Brücke, die das Christentum und den Islam zusammenführt", sagte der Imam des Islamischen Zentrums Al-Nour, Samir El-Rajab, in seiner Ansprache vor rund 300 geladenen Gästen. Die Al-Nour-Gemeinde hatte das Gebäude Ende 2012 erworben.

Ein Kirchturm, der statt ein Kreuzes, eine kalligrafisches Darstellung des muslimischen Glaubens auf der Spitze trägt.

Moschee eröffnet in altem Kirchengebäude

Hamburg Journal -

Die einstige Kapernaum-Kirche im Hamburger Stadtteil Horn wird als Moschee neu eröffnet. Die Umwandlung sorgte im Vorfeld für heftige Diskussionen.

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Turm und Fassade müssen noch saniert werden

Ursprünglich sollte die Moschee an der Sievekingsallee schon 2013 eröffnet werden und eigentlich sollte der Umbau nur 1,5 Millionen Euro kosten. Die Sanierung verschlang jedoch bislang bereits rund vier Millionen Euro. Fertig ist der Umbau aber noch immer nicht. Der 44 Meter hohe Turm und die Fassade der Moschee müssen noch erneuert werden, was Schätzungen zufolge weitere 1,5 Millionen Euro kosten wird. In diesem Jahr wird es wohl noch kein Freitagsgebet in der neuen Moschee geben. Ohnehin werden die meisten Gemeindemitglieder weiterhin zum Gebet nach St. Georg kommen. Dort ist die Gemeinde seit 25 Jahren in einer Tiefgarage zu Hause.

Dass die Kirche zur Moschee werden konnte, ist besonderen Umständen zu verdanken. Das 1961 geweihte Gebäude war Weihnachten 2002 entwidmet worden. Ein privater Investor, der es 2005 übernommen hatte, bot es 2012 im Internet an. Das Islamische Zentrum Al-Nour, das schon lange auf der Suche nach einer würdigen Gebetsstätte war, kaufte es für knapp eine Million Euro. Direkt von der damaligen Nordelbischen Kirche hätten die Muslime das Gebäude nicht übernehmen können. Die Landeskirche hatte in einer Rechtsverordnung festgelegt, dass Kirchen nur an christliche oder - als Ausnahme - jüdische Religionsgemeinschaften verkauft werden dürfen.

"Außen Kirche, innen Moschee"

Dass das Projekt gelang, ist auch dem Vorgehen von Daniel Abdin zu verdanken. Der Kaufmann und Sozialarbeiter ist Vorsitzender des Al-Nour-Zentrums und der Schura, des Rates der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg. Er ist in der Hamburger SPD aktiv und gut vernetzt. Von Anfang an setzte er auf Transparenz. Mit den Anwohnern redete er im "Dialog auf der Baustelle" über die Pläne seiner islamischen Gemeinde. Er suchte den Kontakt zu Medien und arbeitet mit Kirchenvertretern zusammen. Das Projekt sei eine Ausnahme, betont er. "Wir Muslime wünschen, dass die Kirche Kirche bleibt." Sein Motto für den Umbau lautet: "Außen Kirche, innen Moschee."

Moschee in altem Kirchengebäude

Die ehemalige Kirchenkonstruktion ist auch weiterhin sichtbar: das Hauptgebäude mit Kupferdach und Wänden aus Beton und Backstein, die rautenförmigen Glasfenster und der etwas abseits stehende Turm. Auf ihm prankt jetzt in Gold der arabische Schriftzug für Allah. Ein neuer Vorbau verbindet den Turm mit dem eigentlichen Gebäude, das innen nun ganz islamisch anmutet - mit Teppichboden, Gebetsnische, orientalischen Ornamenten und rituellen Waschräumen.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.09.2018 | 17:00 Uhr

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