Stand: 05.02.2019 19:20 Uhr

Überfall in Seniorenheim: Noch kein Urteil

Im Prozess um den brutalen Überfall auf eine 93-Jährige im Hamburger Stadtteil Poppenbüttel hat der Verteidiger die geplante Urteilsverkündung mit einem Antrag in letzter Minute verzögert. Er forderte am Dienstag, Haarproben der Angeklagten auf Spuren zweier Medikamente untersuchen zu lassen. Die beiden Antidepressiva hätten eine enthemmende Wirkung gehabt, die sich in Kombination mit Drogen noch verstärkt habe, erklärte der Anwalt. Die Vorsitzende Richterin Petra Wende-Spohrs sagte nach einer Beratung, die Strafkammer müsse dem Antrag nachgehen.

Anklage wegen versuchten Mordes

Der 40 Jahre alten Angeklagten wird versuchter Mord und schwerer Raub vorgeworfen. Die ehemalige Altenpflegeschülerin soll die alte Dame am 10. März vergangenen Jahres in einer Seniorenwohnanlage überfallen und ihr 32 Stich- und Schnittverletzungen zugefügt haben. Die Angeklagte soll dabei 400 Euro Bargeld erbeutet haben. Wenige Tage nach der Tat war die Deutsche in ihrer Wohnung in Norderstedt festgenommen worden.

Opfer geht es besser

Die 93-Jährige schwebte nach dem Überfall zeitweise in Lebensgefahr und lag wochenlang im Krankenhaus. Anschließend konnte sie nicht in ihre Wohnung zurückkehren und musste in die Langzeitpflege wechseln. Im September vergangenen Jahres hatte die frühere Lehrerin als Zeugin vor Gericht ihre furchtbaren Erlebnisse geschildert und sich dabei an viele Details erinnern können. Zum Gesundheitszustand der inzwischen 94 Jahre alten Nebenklägerin sagte ihr Rechtsvertreter am Dienstag: "Es geht ihr erstaunlicherweise recht gut." Sie lebe aber weiterhin auf der Pflegestation.

Angeklagte: Drogen und Medikamente

In einer Erklärung, die der Verteidiger in einer Sitzung nach der Aussage des Opfers verlesen hatte, hatte die Angeklagte die Tat eingeräumt und tiefe Scham und Reue bekundet. Sie habe die Seniorin nicht töten wollen, beteuerte die 40-Jährige. In jener Zeit habe sie viele Drogen und Medikamente genommen. Eine Ausbildung zur Altenpflegerin hatte die Angeklagte zwei Jahre vor der Tat abgebrochen. Sie habe keine Kraft mehr gehabt, sich eine neue Stelle zu suchen, erklärte sie. Angesichts ihrer Geldprobleme habe sie sich manchmal durch Diebstahl, Betrug und Einbrüche finanziert.

Sollte die vom Gericht benannte Gutachterin zu dem Schluss kommen, dass die 40-Jährige bei der Tat unter dem Einfluss von Drogen und Psychopharmaka stand, könnte sich dies auf die Schuldfähigkeit auswirken. Die Vorsitzende Richterin warf allerdings die Frage auf, warum der Verteidiger den Antrag dazu so spät gestellt habe. Nach einem kurzen Schlagabtausch mit dem Anwalt vereinbarte sie neue Verhandlungstermine bis zum 25. März.

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Hamburg Journal | 05.02.2019 | 19:30 Uhr

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