Stand: 22.04.2020 20:10 Uhr  - Hamburg Journal

UKE befürchtet zweite Corona-Infektionswelle im Herbst

Der Vorstandschef des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), Burkhard Göke, befürchtet eine zweite Corona-Infektionswelle im Herbst dieses Jahres. "Wir werden jetzt für die nächsten Wochen keine Überforderung unserer Kapazitäten erleben, für den Herbst sind wir unsicher", sagte er bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Eine zweite Infektionswelle könnte nach den Sommermonaten, "wenn die Erkältungszeit kommt", ausbrechen, sagte Göke.

Wenn in der zentralen Notaufnahme dann viele Patientinnen und Patienten mit Erkältungskrankheiten sitzen, werde das UKE gehalten sein, bei jedem einen Abstrich vorzunehmen, möglicherweise dann nochmals im Intervall. "Wir haben jetzt bis an die Grenze der Verfügbarkeit unsere diagnostischen Möglichkeiten ausgeschöpft", mahnte Göke. Der ärztliche Direktor des UKE sagte, die Vorstellung, dass sich eine Influenza-A-Infektion im Herbst möglicherweise mit einer Covid-19-Infektion paare, bereite ihm Kopfzerbrechen.

Das Klinikum mit seinen rund 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei wegen der Corona-Pandemie so gesteuert worden, dass die Bettenbelegung derzeit bei 60 bis 65 Prozent liegt, ergänzte Göke. Für die Corona-Behandlungen seien alle Personalressourcen durch Nachschulungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehoben worden. Denn bei Ausbrüchen auf Stationen müssten nicht nur die infizierten Patientinnen und Patienten, sondern auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter isoliert und unter Quarantäne gestellt werden. Bei einer zweiten Corona-Welle könnten 20 bis 30 Prozent des qualifizierten Personals, weil selbst infiziert, nicht an Bord sein, prognostizierte Göke.

Klinikdirektor Lohse für Öffnung von Kitas und Schulen

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Klinikdirektor Lohse plädiert für die Öffnung von Kitas und Schulen.

Klinikdirektor Ansgar Lohse sagte, er sei dafür, Kitas und Schulen wieder zu öffnen. "Ich bin der Meinung, dass es sinnvoll wäre, dass wir Infektionen bei denen, die kein hohes Risiko haben, zulassen." Unter Berücksichtigung der Risiko-Aspekte der Mitarbeitenden halte er das für eine sinnvolle Maßnahme, infektiologisch vertretbar und gesellschaftlich gegeben. Er habe schon vor drei Wochen für Kita-und Schulöffnungen plädiert, das habe sich nicht verändert.

Der Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik ergänzte: "Wir schieben Operationen, zunehmend auch dringliche vor uns her. Wir machen uns Sorgen, dass die Angst und die Maßnahmen durch Corona mehr schaden als das Virus selbst."

Die Austragung von Geisterspielen in der Fußball-Bundesliga halten sowohl Göke als auch Lohse für vertretbar - sofern die Mannschaften getestet werden. Lohse betonte, dass Fußballer nicht zur Risikogruppe zählten. Die Gesellschaft könne es nur eine Weile aushalten ohne Sport, ohne Kultur, ohne religiöse Zusammenkünfte, sagte Lohse. "Die Gesellschaft braucht mehr als einfach nur physische Gesundheit."

Corona-Fälle in der Onkologie: Vorwürfe zurückgewiesen

Zu den Corona-Fällen in der Onkologie des Krankenhauses erklärte UKE-Chef Göke, er weise die Vorwürfe zurück. Er kritisierte die Berichterstattung in den Medien: "Diese Meldungen sind für uns schmerzlich gewesen, weil sie nicht angemessen waren." Es sei festzustellen, dass das UKE nach Auftreten erster Covid-19-Infektionen in der Onkologie unmittelbar alle erforderlichen Maßnahmen unternommen habe. "Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Krankenhaus-Hygiene im UKE alle notwendigen Maßnahmen sorgfältig implementiert hat."

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Hamburg Journal | 22.04.2020 | 19:30 Uhr

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