UKE-Mediziner Kluge: Lage auf Intensivstationen angespannt

Stand: 20.04.2021 20:24 Uhr

Der Leiter der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Stefan Kluge, nennt die Lage auf den Intensivstationen im Gespräch mit dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen angespannt. Zu einer Triage werde es aber nicht kommen.

Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen ist in Hamburg in den vergangenen Tagen gesunken, doch die Zahl der Corona-Patientinnen und Patienten in den Intensivstationen ist mit mehr als 100 auf einem hohen Niveau.

Laut Kluge liegt das daran, dass die betroffenen schwer Erkrankten erst etwa 10 bis 14 Tage nach der Infektion in die Kliniken kommen. Die Inzidenzzahlen wirkten sich mit Verzögerung aus. Deshalb rechnet er auch wieder mit einer Entspannung auf den Intensivstationen, aber das dauere noch.

Fast alle Neuaufnahmen hätten die britische Mutante, so Kluge. Diese Variante sei zwar deutlich ansteckender als die ursprüngliche, aber mit der Form der Erkrankungen verhalte es sich auf den Intensivstationen bei den Varianten ähnlich.

Kluge: Nur sinkende Infektionszahlen helfen

Als Schlüssel, um die Zahl der Intensiv-Patientinnen und -patienten runter zu bekommen, nannte er möglichst niedrige Infektionszahlen. Deshalb begrüße er die bundeseinheitliche "Notbremse". Es müsse schnell etwas passieren. "Wenn ich höre, dass man das erst nächste Woche umsetzen möchte, da bin ich da schon sehr irritiert", sagte Kluge. In einigen Regionen Deutschlands sei es sehr eng, es gebe dort keine Notfallversorgung in kleinen Krankenhäusern mehr.

In Hamburg sei die Situation im Vergleich zu anderen deutschen Städten oder Regionen noch gut. "Wir sind nicht entspannt, wir sind sehr angespannt", sagte Kluge. Aber es gebe in Hamburg mehr Reserven als zum Beispiel in Thüringen, wo die Lage "extrem schwierig" sei. Von dort hatte das UKE deshalb auch einen Patienten übernommen.

In einem Zimmer der Intensivstation wird ein Patient mit einem schweren Covid-19 Krankheitsverlauf behandelt. © picture alliance/dpa Foto: Christophe Gateau
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"Bin sicher, dass wir nicht zur Triage kommen"

Kluge teilt die Einschätzung mancher Ärztinnen und Ärzte nicht, dass man sich am Rande der Triage befinde. Triage bedeutet, dass Patientinnen und Patienten vorrangig behandelt werden, die die besten Chancen haben, durchzukommen. "Wir haben ja Notfallreserven", betonte Kluge. Es sei zwar ein Kraftakt, wenn man diese freistehenden Intensivbetten betreibe, weil dafür auch Personal umgesetzt werden müsse. Das bedeute, dass man noch mehr andere Operationen absagen müsse. "Aber diese Möglichkeiten haben wir. Und deswegen bin ich sicher, dass wir nicht zur Triage kommen werden - weder in Hamburg noch sonst irgendwo."

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 20.04.2021 | 19:30 Uhr

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