Tschentscher nach Corona-Gipfel: "Müssen uns zusammenreißen"

Stand: 15.10.2020 18:02 Uhr

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hat am Mittwoch am Corona-Gipfel in Berlin teilgenommen. Mit NDR 90,3 hat er am Donnerstagmorgen über die Folgen für Hamburg gesprochen.

Die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten erzielten keine Einigung beim Thema Beherbergungsverbot. Es sei von Anfang an ein strittiges Thema gewesen, so Tschentscher: "Das bringt nur ein bisschen, was den Infektionsschutz angeht, aber es macht natürlich sehr viele praktische Probleme."

Viele Infektionsfälle durch private Zusammentreffen

Einig war man sich hingegen bei den Kontaktbeschränkungen. Ab einem Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnenden werden private Treffen auf zehn Personen begrenzt. "Wir sind noch nicht bei 50 Infektionen auf 100.000 Einwohnern in Hamburg, das kann aber sehr schnell kommen", sagte Tschentscher. "Und eine Hauptinfektionsquelle sind eben alle privaten Feierlichkeiten. Der gesamte private Raum ist der, in dem die meisten Infektionsfälle entstehen." Deswegen müsse man bei den privaten Feiern sehr streng sein - "so wie wir das in Hamburg schon seit langem tun", so der Bürgermeister.

"Schwerer Einschnitt" für die Gastronomie

Ab dem Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner innerhalb von einer Woche sollen auch Restaurants und Gaststätten um 23 Uhr schließen, Alkohol darf dann nicht mehr verkauft werden. "Das ist ein schwerer Einschnitt", sagte Tschentscher. Es sei wichtig, dass sich alle an die Regeln halten. "Gott sei Dank machen das auch die meisten, aber es sind immer noch, wie wir bei den großen Kontrollen am letzten Wochenende gesehen haben, einzelne gastronomische Betriebe, die sich eben nicht um diese Regeln kümmern." Und das könnte nun dazu führen, dass eine Sperrstunde eingeführt werden müsse. "Es hilft nichts, wir müssen jetzt in der kritischen Phase der Pandemie an den richtigen Stellen ansetzen und die Gastronomie ist ein kritischer Bereich", sagte Tschentscher.

Lockdown nicht ausgeschlossen

Auch einen möglichen Lockdown will Hamburgs Erster Bürgermeister nicht ausschließen: "Was wir hier beschließen, soll ja alles dazu dienen, keinen zweiten Lockdown zu haben." Man müsse sich jedoch in den Nachbarländern in Europa umsehen. In Frankreich sei der Gesundheitsnotstand ausgerufen worden, mit nächtlicher Ausgangssperre in Paris. Und auch in den Niederlanden seien umfangreiche Lockdown-ähnliche Maßnahmen beschlossen worden. "Insofern: Wir dürfen dieses Virus nicht unterschätzen. Das ist seit Beginn der Pandemie unsere Botschaft und deswegen müssen wir uns jetzt wirklich noch einmal in dieser schwierigen Jahreszeit im Herbst zusammenreißen, damit wir eben nicht in diesen zweiten Lockdown kommen", so Tschentscher.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.10.2020 | 08:20 Uhr

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