Stand: 23.03.2020 06:15 Uhr  - Hamburg Journal

Tschentscher: Corona-Infektionsketten durchbrechen

Bund und Länder haben sich am Sonntag auf strengere bundesweite Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus geeinigt. Bundesweit wird ab Montag die Versammlungsfreiheit stark eingeschränkt. Kontakte von mehr als zwei Personen im öffentlichen Raum sind dann verboten. Zudem gilt eine verbindliche Abstandsregelung von mindestens 1,5 Metern zwischen Menschen im öffentlichen Raum. Ausgenommen von diesen Regelungen sind Angehörige der eigenen häuslichen Gemeinschaft.

"Abstand halten von anderen Personen"

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sagte dazu am Sonntagabend im Interview mit dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen: "Sie sollen möglichst viele Kontakte vermeiden mit Personen, die nicht zu ihrer häuslichen Gemeinschaft zählen." Mit der eigenen Familie könne man daher auch gemeinsam in der Öffentlichkeit spazieren gehen. Man solle aber Abstand halten von allen Personen darüber hinaus. Wer allein lebe, aber nicht allein spazieren gehen wolle, könne sich mit einer weiteren Person draußen aufhalten.

Es handele sich um sehr starke Beschränkungen gegenüber dem, was bislang noch gelte. "Aber es geht wirklich jetzt darum, dass wir die Infektionsketten durchbrechen und dass wir zu einer langsameren Verbreitung des Virus kommen", erklärteTschentscher.

Tschentscher: "Müssen mit steigenden Zahlen rechnen"

Am Sonntag stieg die Zahl der Infizierten in Hamburg auf 887 bestätigte Fälle - ein Zuwachs von 119 Fällen im Vergleich zu Sonnabend. Dazu sagte Tschentscher, man müsse damit rechnen, dass die Zahlen weiter ansteigen, da man auch viel teste und es dabei immer wieder zu positiven Testergebnissen komme. Er betonte, dass nicht alle Personen schwer erkranken. "Aber wir machen diese sehr weitreichenden Maßnahmen, damit wir diejenigen, die schwer erkranken, auch in den nächsten Wochen und Monaten gut behandeln können", so der Bürgermeister. Das entscheidende Ziel sei es, Menschenleben zu retten, indem wir uns alle jetzt beschränkten.

Auch Friseurläden und Kosmetikstudios schließen

Auch in weiteren Bereichen wurden am Sonntag Verschärfungen beschlossen. Bundesweit sollen Friseure, Kosmetikstudios, Massagepraxen, Tattoo-Studios und ähnliche Betriebe geschlossen werden. Dies liege sehr im Bereich der persönlichen Hygiene, hier wollte man laut Tschentscher noch einen weiteren konsequenten Schritt gehen.

Weiter möglich sind der Weg zur Arbeit, zur Notbetreuung, Einkäufe, Arztbesuche, Teilnahme an Sitzungen, erforderlichen Terminen und Prüfungen, Hilfe für andere oder individueller Sport und Bewegung an der frischen Luft sowie "andere notwendige Tätigkeiten". 

Fegebank: Alte und kranke Menschen schützen

Auch Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) betonte die Notwendigkeit der Regeln. "Die neuen Vorgaben schränken unser Leben weiter ein", sagte sie. Man sei aber fest davon überzeugt, dass sie nötig seien, um besonders schwache, alte und kranke Menschen, aber letztlich alle bestmöglich zu schützen. "Ich wünsche allen viel Kraft für die kommende Zeit, die zweifelsohne sehr viel von uns abverlangen wird", ergänzte Fegebank.

Grote: Strafen von mehreren Tausend Euro möglich

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) sagte im Gespräch mit NDR 90,3: "Wir alle wissen: Aufgrund der Dynamik kann sich das alles weiterentwickeln - wir können auch in zwei bis drei Tagen schon wieder eine andere Lage haben." Insgesamt würden sich die Hamburger bisher sehr sorgfältig an die Regeln halten. Wenn es mal eine zu große Gruppe gegeben habe, würden die Personen angesprochen und darauf hingewiesen werden - in der Regel seien sie dann auch kooperativ, so Grote. Bei bewussten Verstößen werde die Polizei jedoch auch Geldstrafen verhängen. Laut Grote könnten das mehrere Tausend Euro sein.

Telefonkonferenz der Ministerpräsidenten

Am sonntagnachmittag gab es eine Telefonkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder. Zuvor hatten sich die Ministerpräsidenten darüber ausgetauscht, ob bis dahin verhängte Maßnahmen in den Ländern eingehalten wurden. Auch die Verhängung einer Ausgangssperre als Maßnahme war im Gespräch. Nach einer Pressekonferenz, bei der die Ergebnisse der Gespräche verkündet wurden, begab sich Merkel selbst in häusliche Quarantäne, weil sie Kontakt zu einem mit dem Virus infizierten Arzt hatte.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 22.03.2020 | 19:30 Uhr

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