Stand: 19.11.2019 17:53 Uhr  - NDR 90,3

Totes Baby: Haftstrafen für Eltern gefordert

Im Prozess um den Tod des Babys Mohamed hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag vor dem Hamburger Landgericht Gefängnisstrafen für die Eltern gefordert. Der 34-jährige Vater soll für zwei Jahre und zehn Monate in Haft, die 33-jährige Mutter für zweieinhalb Jahre. Die Eltern, die noch sechs weitere Kinder haben, hätten sich des Totschlags durch Unterlassen schuldig gemacht. Die Verteidigung soll am Freitag ihr Plädoyer halten.

Baby wog weniger als bei der Geburt

Das zweieinhalb Monate alte Baby aus Schnelsen war bei seinem Tod am 13. November 2017 bis auf die Knochen abgemagert und wog nur noch 2.823 Gramm - weniger als bei seiner Geburt. Normal wären laut Gutachtern 4,7 Kilogramm gewesen. Die Mutter soll das Kind regelmäßig gestillt haben. Doch entweder habe die Menge der Milch nicht ausgereicht oder sie habe nicht genug Kalorien enthalten, hieß es in der Anklage. Der Junge erkrankte an einer Dickdarmentzündung, litt unter Durchfall. Dennoch sollen die Eltern ihn nicht zum Arzt gebracht haben. Schließlich starb das Kind an Kreislaufversagen.

Anklage im Lauf des Verfahrens verschärft

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Die angeklagten Eltern sollen Mohamed trotz seines extremen Untergewichts nicht zum Arzt gebracht haben.

Zunächst hatte das Verfahren vor dem Amtsgericht begonnen, weil die Anklage auf fahrlässige Tötung durch Unterlassen lautete. Bei einer Verurteilung wäre eine Bewährungsstrafe wahrscheinlich gewesen. Das Amtsgericht verwies den Fall aber nach der Aussage eines Rechtsmediziners an das Landgericht. Er habe noch nie so ein abgemagertes Kind gesehen, hatte der Leiter der Rechtsmedizin, Klaus Püschel, gesagt. Es sei nahezu ausgeschlossen, dass die Eltern den dramatischen Zustand nicht erkannt haben wollen.

Der nun erhobene Vorwurf des Totschlags durch Unterlassen kann härter bestraft werden. Sollten die Eltern zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden, müssten die anderen sechs Kinder aus der Familie genommen werden. NDR 90,3 Reporterin Elke Spanner berichtete, die Eltern hätten nach dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft erschüttert gewirkt.

Urteil Ende November erwartet

Beim Prozessauftakt am 30. September war die Öffentlichkeit nach Verlesung der Anklageschrift ausgeschlossen worden. Das Urteil könnte am 29. November verkündet werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.11.2019 | 17:00 Uhr

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