Stand: 05.06.2018 16:18 Uhr

Stromausfall kostet Airport halbe Million Euro

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"Da müssen wir schneller werden": Flughafen-Chef Eggenschwiler zu den schleppenden Informationen nach dem Stromausfall.

"Ein Tag, wie man ihn sich nicht wünscht": Nach dem Stromausfall am Hamburger Flughafen am Sonntag hat Airport-Chef Michael Eggenschwiler den Schaden auf eine halbe Million Euro beziffert. Der Imageschaden sei noch nicht abzusehen, sagte er bei einer Landespressekonferenz am Dienstag im Hamburger Rathaus. "Ich hoffe, dass wir den klein halten können."

"Höhere Gewalt"

Der Kurzschluss sei "höhere Gewalt" gewesen, zuvor habe es keine Anzeichen für einen technischen Defekt gegeben. Das betroffene Kabel sei mit etwa 15 bis 20 Jahren nicht zu alt und Wartungsintervalle seien eingehalten worden. Intern würde man jetzt prüfen, welche weiteren technischen Möglichkeiten es gebe, um solche Ausfälle zu verhindern.

Schneller hätte man die Entscheidung, den Flugbetrieb einzustellen, am Sonntag nicht treffen können - zu kompliziert sei der Vorfall gewesen. Angesichts der Vorwürfe, dass Passagiere am Sonntag viel zu spät von der Einstellung des Flugbetriebs informiert worden seien, bat Eggenschwiler um Verständnis. Wegen der durch den Stromausfall eingeschränkten Möglichkeiten habe es Probleme gegeben, kurzfristig verlässliche Informationen zu liefern. "Da müssen wir schneller werden", so Eggenschwiler.

Verbesserungen in drei Bereichen angedacht

In drei Bereichen will der Flughafen jetzt über Verbesserungen nachdenken: Verstärkung der elektrischen Anlagen, schnellere Kommunikation für die Fluggäste und Überprüfung der Abläufe beim Einsatzstab.

Rieckhof bittet Betroffene um Verständnis

Der Vorfall "führte uns schmerzlich vor Augen, wie wichtig der Flughafen ist", sagte Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof (SPD) mit Blick auf Tausende Urlaubs- und Geschäftsreisende, die durch die Einstellung des Flugbetriebs von Sonntagvormittag bis Montagmorgen in Hamburg gestrandet waren. "Wir werden uns mit dem Betreiber und den Gesellschaftern austauschen, was man noch besser machen kann." Der Staatsrat bat die betroffenen Flugreisenden um Verständnis. Sein Dank gelte den Flughafenmitarbeitern, die sich in großer Zahl auch aus dem freien Sonntag an der Suche nach dem Schaden und dessen Behebung beteiligt hätten.

"Inzwischen alles zurechtgeruckelt"

Die Luftfahrtbehörde sei am Sonntag sofort über die Probleme informiert worden und während der gesamten Zeit "permanent vor Ort" gewesen, sagte Rieckhof. Auch im Krisenstab, dem neben Vertretern aus allen Bereichen des Flughafens auch solche von die Bundes- und Landespolizei sowie der Feuerwehr vertreten gewesen seien, war die Aufsichtsbehörde beteiligt. "Insofern sind die Abläufe aus unserer Sicht in Ordnung gewesen." Am Dienstag lief der Flugbetrieb wieder reibungslos. Nachdem am Montag noch 12 Landungen und 24 Starts gestrichen werden mussten, habe sich inzwischen alles "zurechtgeruckelt", sagte Rieckhof. Die Stadt Hamburg hält als Gesellschafter 51 Prozent an der Flughafengesellschaft.

Kabel großflächig ausgetauscht

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Notstromversorgung reicht für Flughafen nicht

05.06.2018 11:40 Uhr
NDR Info

Nach dem Stromausfall am Hamburger Flughafen wurde ein Notstromaggregat gestartet. Warum der Flugbetrieb trotzdem eingestellt wurde, erklärt die NDR Info Wirtschaftsredaktion. Video (03:19 min)

Nach Angaben des Airports vom Montag hatte eine schadhafte Isolierung an einem Kupferkabel zu einem heftigen Kurzschluss geführt. Dabei seien auch zahlreiche benachbarte Kabel in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Kurzschluss sei in der Stromversorgung des Blockheizkraftwerks des Flughafens entstanden. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) schreibt zwei unabhängig voneinander betriebene Stromsysteme für die Flugbetriebsflächen vor - über die der Flughafen auch verfügt. "Der Kurzschluss traf jedoch mitten ins Herz des Blockheizkraftwerkes, so dass dieses komplett ausgefallen ist und nur noch ein System für das Pistensystem zur Verfügung stand“, sagte Eggenschwiler am Montag. "Darin befinden sich sechs Generatoren, die für die Stromversorgung des Flughafens zuständig sind. Vier davon werden mindestens benötigt, standen am Sonntag aber nicht mehr zur Verfügung." Nachdem die Techniker des Flughafens die Ursache für den Kurzschluss gefunden hatten, wurden 42 Kabel auf 540 Metern Länge großflächig ausgetauscht. So stand das Blockheizkraftwerk ab 3 Uhr morgens wieder stabil zur Verfügung.

Experte: Stromausfall hätte vermieden werden können

Der Stromausfall hätte nach Meinung von Technik-Sicherheitsexperten vermieden werden können. Für komplexe Anlagen gebe es bereits jetzt die Möglichkeit, besonders wichtige Bereiche der Stromversorgung doppelt zu bauen, sagte Andreas Schröter vom deutsch-norwegischen Konzern DNV-GL im Gespräch mit NDR 90,3. Auch Kabel ließen sich mit moderner Technik so überwachen, dass Beschädigungen frühzeitig und während des laufenden Betriebs erkannt werden können.

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Stromausfall am Flughafen - der Tag danach

04.06.2018 19:30 Uhr
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Welche Rechte haben Fluggäste nach Ausfällen?

04.06.2018 19:30 Uhr
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30.000 Fluggäste betroffen

Laut Flughafen-Sprecherin Bromm waren insgesamt rund 30.000 Fluggäste von den Ausfällen betroffen. Nachdem der Flugbetrieb am Sonntag ganz eingestellt wurde, starteten und landeten die ersten Maschinen erst am Montagmorgen wieder. Es gab weiterhin Ausfälle und Verspätungen. Am Dienstag normalisierte sich der Flugbetrieb spürbar. Informationen über Flugausfälle veröffentlicht der Airport auf seiner Homepage.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 05.06.2018 | 14:00 Uhr

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