Stand: 09.03.2019 10:56 Uhr

Stones-Konzert: Teures Vergnügen

Wieviel Geld musste der Veranstalter für die Große Festwiese im Stadtpark zahlen, damit die Rolling Stones dort im September 2017 auftreten durften? Darüber schweigen Bezirksamt und Veranstalter fkp scorpio bislang. Spekuliert wurde zuletzt über rund 200.000 Euro. Die Summe liegt nach Informationen von NDR 90,3 aber höher - bei etwa 250.000 Euro. Nicht mitgerechnet: Sicherheiten, die die Veranstalter des Stones-Konzertes hinterlegen mussten für Schäden im Stadtpark. Weil nach dem Konzert Teile des Rasens neu angesät werden mussten, dürfte der Veranstalter nicht alle Sicherheiten zurück bekommen haben.

Im Streit darum, die Verträge für das Stones-Konzert öffentlich zu machen, zeichnet sich eine Lösung ab. Eine Mehrheit im Bezirk Hamburg-Nord will sich dafür einsetzen, die Verträge mit dem Konzertveranstalter und die gezahlte Miete für den Stadtpark offenzulegen. Über den Antrag der CDU soll in der nächsten Sitzung der Bezirksversammlung Ende März abgestimmt werden.

Verträge sollen geprüft werden

Die SPD werde sich dem Antrag anschließen, erklärte Fraktionschef Thomas Domres am Freitag im Gespräch mit NDR 90,3. "Damit schaffen wir Transparenz und beenden Spekulationen", so Domres. Das Bezirksamt habe eine Kopie des Originalvertrages bei der Staatsanwaltschaft beantragt, sagte Sprecher Daniel Gritz am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. "Wir werden den Vertrag gemäß Hamburgischem Transparenzgesetz behandeln und prüfen, ob und gegebenenfalls welche Teile wir vor dem Hintergrund des laufenden Ermittlungsverfahrens veröffentlichen können."

FDP: "Wagenburg-Mentalität" nicht hilfreich

Zuvor hatte die oppositionelle FDP den Druck erhöht. Die bisherige "Wagenburg-Mentalität" sei nicht hilfreich, sagte Robert Bläsing, FDP-Chef in Nord. Der bezirkspolitische Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion Kurt Duwe erklärte zudem, auch Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) dürfe sich hier nicht aus der Verantwortung ziehen. Tschentscher war zum Zeitpunkt des Rolling-Stones-Konzertes als Finanzsenator für die Aufsicht über die Bezirke zuständig.

Bislang hatte sich das Bezirksamt geweigert, den Vertrag mit dem Veranstalter im Transparenzportal der Stadt zu veröffentlichen. Zur Begründung verwies das Bezirksamt darauf, dass wirtschaftliche Interessen der Stadt betroffen seien. Der Bezirk Altona hatte im vergangenen Sommer den Vertrag über das Konzert des britischen Sängers Ed Sheeran veröffentlicht - allerdings ohne die Summe für die Miete der Trabrennbahn Bahrenfeld.

Das Bezirksamt Hamburg-Nord. © NDR Foto: Heiko Block

Ticket-Affäre: Werden Verträge veröffentlicht?

NDR 90,3 -

In der Affäre um das Rolling-Stones-Konzert will die Bezirksversammlung von Hamburg-Nord darüber entscheiden, die Verträge mit dem Konzertveranstalter zu veröffentlichen.

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100 Freikarten für Abgeordnete und Mitarbeiter

2017 hatte der damalige Bezirksamtschef Harald Rösler (SPD) dem Konzertveranstalter zugesagt, dass im September die Rolling Stones vor 80.000 Menschen im Stadtpark auftreten und hier ihre Europa-Tournee starten dürfen. Im Zuge dessen waren später auch 100 Freikarten für Abgeordnete und Mitarbeiter des Amtes ausgehandelt worden. Das hatte Rösler so auch in einer Bezirksversammlung im Dezember 2017 zu Protokoll gegeben.

Staatsanwalt ermittelt gegen mehr als 34 Mitarbeiter

Die Staatsanwaltschaft prüft seit Monaten, ob dabei alles mit rechten Dingen zuging. In dem Zusammenhang wurden auch Büros des Bezirksamtes und des Konzertveranstalters durchsucht und dabei der Originalvertrag als mögliches Beweismittel beschlagnahmt. Wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und der Vorteilnahme wird derzeit gegen mehr als 34 Mitarbeiter des Bezirksamtes Nord ermittelt - unter anderem weil sie die Freikarten angenommen hatten. In fünf Fällen wurde bereits Anklage erhoben, zum Beispiel gegen die frühere Gesundheitsstaatsrätin Elke Badde (SPD) Ex-Amtsleiter Rösler. Beide müssen sich demnächst vor Gericht verantworten.

Weitere Informationen

Ticket-Affäre: Anklage gegen Nische erhoben

Die Affäre um Karten für ein Rolling-Stones-Konzert hat für Yvonne Nische juristische Konsequenzen: Nach ihrem Rücktritt von der Bezirksamtsleitung in Hamburg-Nord wird sie nun angeklagt. (23.01.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.03.2019 | 09:00 Uhr

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