Stand: 14.06.2019 14:49 Uhr

Stadthaus: Zerstörter Bürgersteig als Erinnerung

"Narben der Geschichte": Der Bürgersteig vor den Stadthöfen soll erst mit Hämmern bearbeitet und dann mit einer Plastikmasse aufgefüllt werden.

Vor den Stadthöfen an der Hamburger Stadthausbrücke entsteht ein spektakuläres Kunstwerk. Es soll daran erinnern, dass sich in dem Haus in der Nazi-Zeit die Gestapo-Zentrale befand. Am Freitag wurde der Sieger-Entwurf des Künstler-Wettbewerbs vorgestellt.

"Eine Spur der Zerstörung"

Dabei handelt es sich nicht um eine Statue oder Erinnerungstafel - stattdessen nimmt sich die Künstlerin Ute Vorkoeper mit ihrer Kollegin Andrea Knobloch den Fußweg vor dem Stadthaus vor: "Wir werden den zerstören mit Vorschlaghämmern. Und zwar werden wir eine Spur der Zerstörung vom Neuen Wall bis vor den Eingang des Gedenkortes in den Stadthöfen ziehen", sagte Vorkoeper.

Die Löcher im Bürgersteig werden dann mit einer Plastikmasse, vom Material vergleichbar einer Sportplatz-Tartanbahn, aufgefüllt. So würden die Narben der Geschichte sichtbar, sagte der Jury-Vorsitzende Johannes Tuchel über den Entwurf. "Niemand kann mehr das Stadthaus betreten, ohne dass er merkt: Hier ist etwas anders", so Tuchel.

Baustart im Frühjahr

Jetzt prüfen die Behörden, wie das Kunstwerk realisiert werden kann. Baustart ist möglicherweise im kommenden Frühjahr. Kritiker werfen der Kulturbehörde seit Monaten vor, dass es in den renovierten Stadthöfen bislang zu wenig Raum für die Erinnerung an die Geschichte des Hauses gibt.

Während der NS-Herrschaft war der Gebäudekomplex am Neuen Wall/Stadthausbrücke bis zu seiner Ausbombung 1943 die "Zentrale des Terrors" in Hamburg - hier waren das Polizeipräsidium sowie die norddeutschen Leitstellen von Kriminalpolizei und Gestapo untergebracht. Seit einem Jahr erinnert eine Dauerausstellung neben einer Fachbuchhandlung und einem Literaturcafé an die historische Bedeutung des Ortes.

"Ein markanter und provozierender Ansatz"

Der Beirat zur Begleitung der Entwicklung des Geschichtsortes Stadthaus hatte sich für ein Denkmal im öffentlichen Raum ausgesprochen. Dafür hatte die Bürgerschaft 250.000 Euro bewilligt. "Die Künstlerinnen haben einen markanten und provozierenden Ansatz gewählt, der hoffentlich bei vielen Passanten wichtige und notwendige Fragen aufwerfen wird, auf die sie in den Ausstellungen im Geschichtsort und an den Brückenarkaden Antworten erhalten", sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD).

Hamburgs Polizei in der Nazizeit

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 08.11.2018 | 17:00 Uhr

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