Stand: 21.06.2019 20:43 Uhr

Sparkassen-Überfälle: 70-Jähriger vor Gericht

Vor dem Hamburger Landgericht hat am Freitag der Prozess gegen einen mutmaßlichen Bankräuber begonnen. Er soll drei Filialen der Hamburger Sparkasse (Haspa) überfallen haben. Dem 70-Jährigen, der bereits früher wegen anderer Banküberfälle eine lange Haftstrafe abgesessen hat, wird neben schwerer räuberischer Erpressung auch versuchter Mord vorgeworfen.

Aussage für Montag angekündigt

Zum Prozessauftakt posierte der Angeklagte laut NDR 90,3 wie ein Filmstar für die Kameras: Aufrechte Haltung, Sonnenbrille, die Hand lässig in der Hosentasche des dunkelblauen Anzugs. Seine Verteidiger gingen auf Distanz: Der Angeklagte habe Justizerfahrung und werde sich auch selbst verteidigen, kündigten die Anwälte an. Sie würden ihm unterstützend zur Seite stehen. Im Gerichtssaal redete der Angeklagte schnell und unterbrach die anderen Prozessbeteiligten immer wieder. Die Vorsitzende Richterin stoppte und ermahnte ihn mehrmals. Am Montag will der 70-Jährige zu den Vorwürfen aussagen.

Mann bei Überfall angeschossen

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Im Januar 2017 wurde eine Haspa-Filiale in Altona überfallen. Dabei wurde ein Angestellter angeschossen.

Wie der Oberstaatsanwalt am Freitag sagte, soll der Angeklagte im Januar 2017 bei einem Überfall in Altona-Altstadt aus nächster Nähe auf einen Angestellten geschossen haben, obwohl dieser sich völlig passiv verhielt. Der 45-Jährige wurde am Bauch getroffen und konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. Der Täter erbeutete den Angaben zufolge 4.888 Euro und flüchtete mit einem Fahrrad. Die Polizei fahndete mit großem Aufwand nach dem Räuber, unter anderem in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst". Die Haspa setzte eine Belohnung von 10.000 Euro für Hinweise aus.

Verdächtiger nach Überfall in St. Georg festgenommen

Die Bemühungen blieben zunächst vergeblich. Doch dann gab es fast genau zwei Jahre später einen weiteren Überfall auf eine Haspa-Filiale im Stadtteil St. Georg. Der Täter bedrohte am 10. Januar 2019 drei Angestellte mit einer Pistole und erbeutete diesmal 5.550 Euro. Wieder wollte er danach mit dem Fahrrad flüchten. Doch eine zunächst unbekannt gebliebene Zeugin machte zufällig anwesende Beamte auf die Tat aufmerksam, wie die Polizei später berichtete. Sie konnten den Verdächtigen noch am Tatort festnehmen.

Wegen drei Überfällen vor Gericht

Nach der Verhaftung prüften die Ermittler, ob der 70-Jährige für weitere Taten in Frage kommt. Dabei ergab sich nicht nur der Zusammenhang mit der Tat an der Holstenstraße in Altona-Altstadt, sondern auch der Verdacht zu einem früheren Überfall Ende 2011. Damals hatte ein maskierter und bewaffneter Räuber eine Filiale in Hamburg-Neustadt überfallen und laut Staatsanwaltschaft 14.800 Euro erpresst. Auch damals war der Mann mit einem Fahrrad geflüchtet. Dieser Überfall wird dem Angeklagten nun ebenfalls zur Last gelegt.

Schon früher lange im Gefängnis

Der in Kiel lebende Angeklagte hat wegen Raubüberfällen bereits 13 Jahre in Hamburg im Gefängnis gesessen. Bereits in den 1980er-Jahren wurde er wegen Banküberfällen verurteilt. 1990 sorgte er für Schlagzeilen als er eine Meuterei im der Justizvollzugsanstalt "Santa Fu" angezettelt haben soll. Gemeinsam mit Mitgefangenen stieg er aufs Dach der Gefängniskirche und forderte bessere Haftbedingungen. 1996 wurde er aus der Haft entlassen. Doch Jahre später soll er dann wieder zugeschlagen haben.

Nach seiner Entlassung arbeitete er in mehreren Hotels als Nachtportier. Nach Angaben eines Gerichtssprechers geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass im Falle einer Verurteilung auch die Anordnung einer Sicherungsverwahrung geprüft werden muss.

Weitere Informationen

Bankraub: 70-Jähriger soll Serientäter sein

Der mutmaßliche Bankräuber von St. Georg ist offenbar ein Schwerkrimineller: Der 70-Jährige soll bei einem früheren Überfall in Altona auf einen Kassierer geschossen und weitere Taten begangen haben. (11.01.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 21.06.2019 | 19:30 Uhr

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