Stand: 20.02.2019 02:02 Uhr

Sitze unnötig: Tears for Fears in Hamburg

von Florian Wöhrle

Eigentlich sollte das Konzert schon im vergangenen Mai stattfinden. Doch aus gesundheitlichen Gründen sagte die britische Band Tears for Fears damals ihren Auftritt ab. Nun sind die Briten doch noch nach mehr als zehn Jahren wieder nach Hamburg gekommen: Am Dienstagabend spielten sie im ausverkauften "Mehr! Theater" am Großmarkt.

Zeitsprung in die 80er mit Tears for Fears

Leicht haben es sich Tears for Fears niemals gemacht: Ihren Namen und viele Song-Motive hat die Band dem Werk eines Psychotherapeuten zu verdanken. Ihre erfolgreichste Zeit in den 80ern haben die beiden Briten "hauptsächlich als Arbeit" wahrgenommen und von der früheren Freundschaft der zwei Musiker ist nach zehn Jahren Trennung nur eine professionelle Partnerschaft geblieben. Doch zusammen auf der Bühne funktioniert es noch immer, wie Roland Orzabal und Curt Smith am Dienstagabend beweisen.

Das Hamburger Publikum macht es den Briten leicht: Schon beim stimmungsvollen Einmarsch der Band zu einer Lorde-Version von "Everybody Rules The World" nutzt niemand mehr die Sitze im ausverkauften "Mehr! Theater" - und so wird es bis zum Ende des Konzerts bleiben. Mancher im Publikum fragt sich, wer überhaupt die Idee hatte, ein Tears-for-Fears-Konzert mit Bestuhlung anzubieten.

Schwarz gekleidet, grau das Haar

Ganz in schwarz gekleidet - so wie zu den New-Wave-Anfängen der Band zu Beginn der 80er-Jahre - bestreiten Orzabal und Smith mit ihrer vierköpfigen Band den Abend. Orzabal hat sich seit damals deutlich verändert: Grau schimmern sein streng zu einem Zopf gebundenes Haar und ein Backenbart. Man sieht ihm seine 57 Jahre mehr an als seinem Partner, doch Orzabal ist es, der an diesem Abend die Impulse setzt. Mit der Gitarre um den Hals fordert er armschwingend immer wieder den vollen Einsatz des Publikums.

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Roland Orzabal (l.) und Curt Smith wählten Hamburg und Berlin als Stationen ihrer Tour in Deutschland aus.

Zusammen haben sie weltweit 30 Millionen Alben verkauft, aber die letzte Neuerscheinung liegt schon 15 Jahre zurück. Da verwundert es nicht, dass deutlich mehr Junggebliebene als Junge die Preise ab 42 Euro für das Ticket bezahlen wollten. Doch die Ü40-Party kommt ordentlich ins Rollen, denn Tears for Fears liefern, was von ihnen erwartet wird: Hauptsächlich Songs aus den 80er-Jahren, wie "Sowing the Seeds of Love", "Change" oder "Head Over Heels".

Eine Coverversion und Erinnerungen an Hamburg

Zwischen computer-animierten Lichtleisten wechseln sich Orzabal und Smith beim Gesang ab. Obwohl die beiden Mikrofone nur drei Meter voneinander entfernt stehen, nehmen die beiden Sänger scheinbar keine Notiz voneinander. Die Coverversion des Radiohead-Hits "Creep" performt Orzabal dann fast allein auf der Bühne - allerdings unterstützt vom Hamburger Publikum, das textsicher und laut das "I don't belong here" mitsingt. Etwas weniger euphorisch als erwartet, wird der Bandklassiker "Mad World" gefeiert, möglicherweise weil der Gesang gerade hier teilweise nicht rund wirkt.

Auch ihre Erinnerungen an Hamburg bringen Tears for Fears mit - etwa an den "großen Baum auf dem großen See" mitten in der City. Damit ist die Tanne gemeint, die beim letzten Auftritt der Band 2008 die Alster weihnachtlich beleuchtete. Und dann war da noch ein Auftritt mit 18 in einem Hamburger Club, von dem Orzabal erzählt. Eine Horde "Punkrocker" habe ihn beendet - mehr verrät er nicht.

Eine Hymne als Zugabe

Der Abend im "Mehr!-Theater" geht schließlich nach 80 Minuten mit einer grandiosen Zugabe zu Ende: "Shout", der größte Hit der Band, ist immer noch mitreißend. Bleibt zu hoffen, dass es keine weiteren zehn Jahre dauern wird, bis Tears for Fears den Weg zurück nach Hamburg finden. Und dann möglichst mit einem neuen Album im Repertoire - denn das war schon längst angekündigt.

Weitere Informationen
NDR 90,3

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 20.02.2019 | 19:30 Uhr

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