Stand: 29.08.2018 16:04 Uhr

Schulleiter: Abiturienten wissen zu wenig

Überraschender Vorstoß der Schulleiter der Hamburger Gymnasien: Sie fordern eine Reihe von Veränderungen in der Schulpolitik und stellen damit den Kurs des Hamburger Schulsenators infrage.

Geht es nur noch um Deutsch, Englisch und Mathe?

Die Kritik der Gymnasial-Schulleiter hat es in sich: Hamburgs Abiturienten würden die Schule ohne gute Allgemeinbildung verlassen, so der Hauptvorwurf. Die derzeitige Regelung für das Abitur "toleriere zu viele schwache Leistungen", heißt es wörtlich in dem Positionspapier der Vereinigung der Schulleiter, das NDR 90,3 vorliegt. Zu stark konzentriere sich Hamburgs Schulpolitik auf die Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik. Andere Angebote wie eine zweite Fremdsprache, Musik oder Chemie/Physik würden von den Schülern kaum gewählt, die Kurse kämen oft nicht zustande.

"Können die Breite nicht mehr so leisten"

Bild vergrößern
Hamburgs Abiturienten: Zu wenig Allgemeinbildung?

Christian Gefert von der Vereinigung der Leitungen der Hamburger Gymnasien sagte im Gespräch mit NDR 90,3: "Wir machen uns Sorgen, dass wir die Breite, die wir als Gymnasien vermitteln wollen, im Hinblick auf Wissen und Kompetenzen nicht mehr so leisten können, wie wir es leisten wollen." Die Schüler würden sich in Hamburg zwangsläufig zu sehr auf die Prüfungen konzentrieren. Durch die Abitur-Regelungen hier finde eine Verengung statt.

Als Konsequenz fordern die Schulleiter der Gymnasien mehr Selbstverantwortung für ihre Schulen, mehr unterrichtsfreie Zeit für die Lehrkräfte, um den Unterricht weiterzuentwickeln und eine bessere Ausstattung der Schulen - auch für die Digitalisierung. Und sie fordern eine breite Diskussion ihres Positionspapiers.

Schulsenator Rabe gesprächsbereit

In einer ersten Reaktion zeigte sich Schulsenator Ties Rabe (SPD) dafür offen: Die vielen neuen Denkanstöße sollten besprochen werden, sagte er NDR 90,3. Er fügte aber hinzu, die Zeit der Sonderwege einzelner Bundesländer sei vorbei. "Es wäre keine gute Idee, wenn Hamburg ein anderes Abitur und andere Bildungsanforderungen erfindet als die anderen Bundesländer", sagte der Senator. Er betonte: "Grundsätzlich werde ich darauf achten, dass das Abitur keinen Millimeter leichter wird." Die Anforderungen an Hamburgs Schüler seien mit den neuen bundesweiten Abituraufgaben eher verschärft worden.

Opposition: Digitalisierung wird verschlafen

Die Opposition in der Bürgerschaft unterstützte die Schulleiter. Rot-Grün verschlafe die Digitalisierung, erklärte FDP-Fraktionschefin Anna von Treuenfels-Frowein. Der Senat müsse dieses "zukunftsentscheidende Thema" endlich ganz oben auf die Agenda setzen. Sie warf Rabe vor, das Abitur über Jahre konsequent entwertet zu haben. "Seine Bildungspolitik hat zu einer Verflachung des Unterrichts und viel zu einfachen Prüfungen geführt." Die CDU-Bildungsexpertin Birgit Stöver meinte: "Dass nun selbst die eigenen Schulleiter gegen Rabe aufbegehren, zeigt schonungslos die verkorkste Bildungspolitik des Senators auf." Die in Hamburg analog zur Einführung des Zentralabiturs getroffenen Bestimmungen produzierten zwar auf dem Papier gute Noten, führten in der Folge aber zu einer Schwächung anderer Fächer wie Chemie oder Physik.

Auch die Fraktionschefin der Linken, Sabine Boeddinghaus, begrüßte das Positionspapier der Schulleiter. "Die Kritik am stagnierenden Lehrerarbeitszeitmodell ist absolut berechtigt", erklärte sie. In dem Papier der Schulleiter steht, dass der Ganztagsunterricht und die Inklusion von Schülern mit Behinderungen mehr Personal erforderten. Die neuen Aufgaben mit Honorarkräften zu bewältigen, sei aber schwierig. Das Lehrerarbeitszeitmodell von 2008 berücksichtige die neuen Anforderungen nicht.

 

Weitere Informationen

Mehr Hausaufgaben: Rabe verteidigt Forderung

Die Forderung von Hamburgs Schulsenator Rabe, Schülern mehr Hausaufgaben aufzugeben, hat viel Kritik hervorgerufen. Im Interview mit NDR 90,3 verteidigte er seine Position. (20.08.2018) mehr

Kommt die flexible Grundschule in Hamburg?

Der Vorschlag der Hamburger Elternkammer, die Dauer der Grundschulzeit je nach Fähigkeiten zu variieren, findet Zustimmung. Auch der Präsident der Kultusministerkonferenz lobt die Idee. (21.08.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.08.2018 | 13:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

06:28
Hamburg Journal

Weinberg: "Ich fühl mich nicht als Notlösung"

24.03.2019 19:30 Uhr
Hamburg Journal
03:27
Hamburg Journal

Weinberg wird Hamburger CDU-Spitzenkandidat

24.03.2019 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:24
Hamburg Journal

Hamburger AfD distanziert sich von Junger Alternative

24.03.2019 19:30 Uhr
Hamburg Journal