Stand: 06.09.2018 20:25 Uhr

Rot-Grün: Flüge nach 23 Uhr weiter möglich

Die Hamburger Regierungsfraktionen von SPD und Grünen haben sich auf Änderungen im Flughafen-Verkehr geeinigt. Sie wollen die Anwohner des Airports mit einem Maßnahmenpaket vor Fluglärm schützen - ein längeres Nachtflugverbot ist aber nicht darunter. In begründeten Ausnahmefällen sollen auch weiterhin Flieger bis 0 Uhr landen dürfen. Der Maßnahmenkatalog wurde am Donnerstag mit den Stimmen von SPD und Grünen im Umweltausschuss der Bürgerschaft beschlossen.

Ein Modelflugzeug.

Fluglärm: Keine längere Nachtruhe am Airport

Hamburg Journal -

Von einem Flugverbot nach 22 Uhr, wie es eine Volkspetition fordert, ist Rot-Grün in Hamburg weit entfernt. Fluggesellschaften sollen für Verspätungen lediglich härter bestraft werden.

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Kienscherf: Änderung "nicht im Sinne des Wirtschaftsstandorts"

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SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf: "Wir bleiben bei 23 Uhr."

Anwohner und der BUND hatten zuvor ein striktes Start- und Landeverbot ab 22 Uhr gefordert. Das lehnen Hamburgs SPD und Grüne nach intensiven Beratungen ab. SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf sagte NDR 90,3 am Donnerstag: "Es gibt ganz viele Maschinen und Verbindungen, die uns von Frankfurt und München noch erreichen wollen. Wenn man sagt, dass um 22 Uhr Schluss ist, würde das bedeuten, dass um kurz nach 20.30 Uhr in München die letzte Maschine hierher starten müsse." Das könne nicht im Sinne des Wirtschaftsstadorts sein - und auch nicht der Urlauber. "Deswegen bleiben wir bei 23 Uhr."

Strengere Verspätungsregeln

Bei Starts und Landungen nach 23 Uhr will die Stadt nun strenger prüfen, ob sie erlaubt werden können. Dafür soll eine weitere Gebühr von 500 Euro erhoben werden. "Regelmäßiges Zu-Spät-Kommen am Hamburger Flughafen wird in Zukunft deutlich mehr wehtun", sagte Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks. Zudem will Hamburg lärmschluckende Fenster für mehr Menschen in den Einflugschneisen anbieten. Ein nationaler Luftfahrtgipfel Anfang Oktober in Hamburg soll zudem das bundesweite Problem von Verspätungen angehen.

Grüne wollten schärfere Vorschriften

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SPD und Grüne haben ein längeres Nachtflugverbot abgelehnt, wollen Betroffene aber besser gegen Fluglärm schützen. Anwohner reagieren ganz unterschiedlich auf die Beschlüsse. Video (01:49 min)

Die Grünen hätten sich schärfere Regelungen "insbesondere bei Starts nach 23 Uhr vorstellen können", sagte Umweltsenator Jens Kerstan. "Dafür war jedoch in der Koalition keine Einigung zu erzielen."

Lärmgeplagte Anwohner des Flughafens protestiereten vor dem Rathaus gegen den Kompromiss von SPD und Grünen. "Frechheit", "unverschämt" und "dreist" waren noch die harmloseren Worte, die sie wählten.

Kritik von BUND und CDU

Der BUND kritisierte das beschlossene Maßnahmenpaket, weil es "bestenfalls Maßnahmen zur Einhaltung der schon bestehenden Regeln" enthalte. "Mit der Volkspetition - die eine Ausweitung des Nachtflugverbots ab 22 Uhr fordert, um den Menschen zumindest acht Stunden ungestörten Schlaf zu ermöglichen - hat das nichts zu tun", sagte BUND-Sprecher Paul Schmid. Der BUND prüft nun eine Klage gegen die Betriebsgenehimgung des Flughafens.

Die CDU bezeichnete die Pläne als "Schlag ins Gesicht der lärmgeplagten Hamburgerinnen und Hamburger". Dadurch werde "die Akzeptanz des innerstädtischen Großflughafens unnötigerweise weiter geschwächt", sagte deren verkehrspolitischer Sprecher Dennis Thering.

Airport-Chef Eggenschwiler zufrieden

Der Chef des Hamburger Flughafens, Michael Eggenschwiler, zeigte sich erleichtert darüber, dass eine kürzere Betriebszeit vom Tisch ist. Er teilte mit: "Der Hamburger Flughafen ist sich seiner Verantwortung für die Nachbarn und Anwohner bewusst. Auch uns ist es ein Anliegen, Verspätungen nach 23 Uhr zu reduzieren. Der Flughafen hat jedoch auch die Aufgabe, Mobilität für Hamburg und die Metropolregion sicher zu stellen. Das Ergebnis ist ein fairer Ausgleich der Interessen, dem wir gut folgen können."

In Hamburg dürfen Flugzeuge bislang nur, wenn es unvermeidbar ist, nach 23 Uhr ankommen oder abheben. Unabhängig vom Grund hierfür müssen sie deutlich höhere Entgelte entrichten. Die Zahl der Verspätungen nach 23 Uhr hatte seit Jahresbeginn trotzdem noch einmal um rund 20 Prozent zugenommen.

Weitere Informationen

Rot-Grün ringt um Spätflieger-Kompromiss

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Saftige Strafe für Spätstarter am Flughafen

Weil easyjet rund 20 Mal das Hamburger Nachtflugverbot nicht berücksichtigte, soll die Billig-Fluglinie fast eine halbe Million Euro zahlen. Die Anwohner-Initiative begrüßt das. (20.03.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.09.2018 | 22:00 Uhr

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