Aufbau der Rolling-Stones-Bühne im Hamburger Stadtpark © dpa Foto: Christophe Gateau

Stones-Affäre: Tickets für den Anti-Korruptionsbeauftragten

Stand: 23.11.2021 14:51 Uhr

Zweiter Verhandlungstag vor dem Hamburger Landgericht in der Rolling-Stones-Freikartenaffäre: Mit Spannung wurde dabei die Aussage des Anti-Korruptionsbeauftragten des Bezirksamts Hamburg-Nord erwartet, der selbst zwei Freikarten angenommen hat.

"Das ist ja mal eine gute Nachricht" - so hatte der Anti-Korruptionsbeauftragte 2017 darauf reagiert, dass der angeklagte Bezirksamtsleiter Harald Rösler Freikarten für das Rolling-Stones-Konzert unter den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen verteilte. Der Vorsitzende Richter ließ am Dienstag keinen Zweifel daran, was er davon hält: "Hat sich bei Ihnen da irgendwas in der Magengegend gerührt?", wollte er von dem Anti-Korruptionsbeauftragten wissen. Eine Frage, der der Mann auswich.

Als Anti-Korruptionsbeauftragter hatte er keinen Einspruch dagegen erhoben, dass das Bezirksamt 100 Freikarten für das Rolling-Stones-Konzert erhält. Der Behördenmitarbeiter hat für seine Tickets bereits einen Strafbefehl akzeptiert und musste 13.000 Euro zahlen.

Ein weiteres Verfahren für Rösler?

Sein früherer Chef, der ehemaligen Bezirksamtsleiter Harald Rösler, muss sich möglicherweise auf ein weiteres Verfahren einstellen. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft auch deshalb, weil das Bezirksamt über viele Jahre für die Sporthalle Hamburg Freikarten erhalten hat - im Schnitt 30 Tickets für jedes Konzert.

Anklage: Bestechlichkeit und Untreue

Angeklagt in der Rolling-Stones-Affäre sind insgesamt vier Männer. Neben Rösler, dem früheren Leiter des Bezirksamtes Hamburg-Nord, stehen auch sein früherer Stellvertreter im Bezirksamt und zwei Verantwortliche des Konzertveranstalters vor Gericht. Rösler ist unter anderem wegen Bestechlichkeit und Untreue angeklagt. Er soll vom Veranstalter 300 Kauf- und 100 Freikarten für das Konzert verlangt und auch erhalten haben. Im Gegenzug soll er ihm bei den Gebühren für die Nutzung der Fläche im Stadtpark entgegengekommen sein.

Der Stadt sollen mehr als 400.000 Euro entgangen sein

Im Kern der Anklage steht der Vorwurf der politischen Korruption: Für die Staatsanwaltschaft gibt es einen Zusammenhang zwischen den Freikarten und der Genehmigung des Konzerts im Stadtpark. Denn eigentlich hätten die Veranstaltenden des Rolling-Stones-Konzerts wesentlich mehr für die Nutzung des Stadtparks zahlen müssen. Das zumindest geht aus der Gebührenordnung der Stadt hervor, meinen die Ankläger. Hamburg seien so 436.000 Euro entgangen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.11.2021 | 15:00 Uhr

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