Stand: 30.10.2019 17:11 Uhr  - NDR 90,3

Polizei bewacht Lucke-Vorlesung

Nach zwei wegen Protesten abgebrochenen Vorlesungen hat der AfD-Mitbegründer und Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke an der Universität Hamburg einen dritten Versuch unternommen - diesmal mit Polizeischutz. Am Mittwoch blieb es im Gegensatz zu den vergangenen beiden Wochen ruhig. Studierende verteilten lediglich Flugblätter und veranstalteten eine kleine Kundgebung.

Eingang bewacht

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Polizisten bauten am Vormittag vor der Vorlesung Absperrgitter auf.

Die Lucke-Vorlesung wurde begleitet von starken Sicherheitsvorkehrungen: Am Vormittag hatte die Polizei Absperrgitter aufgestellt. Mehr als 20 Schutzpolizisten bewachten den Eingang in der Jungiusstraße. Die Studierenden mussten am Eingang des Hörsaals auch ihre Ausweise bei einem privaten Sicherheitsdienst vorzeigen. Die Studierenden nahmen die Sicherheitsvorkehrungen weitgehend gelassen hin. Einige kritisierten das Polizeiaufgebot als übertrieben.

Sechsstelliger Betrag für Sicherheitsmaßnahmen

Das Konzept des Senats sei aufgegangen, teilte die Wissenschaftsbehörde mit. Die Kosten für die gesamten Sicherheitsmaßnahmen belaufen sich auf einen sechsstelligen Betrag, wie Uni-Sprecherin Merel Neuheuser mitteilte. Dazu zählten auch die Kosten für den Arbeitsausfall durch eine Bombendrohung in der vergangenen Woche, da diese im Zusammenhang mit der Thematik stehe.

Uni bietet Alternative an

Die Wissenschaftsbehörde hatte per Dienstanweisung darauf bestanden, dass die Vorlesung stattfinden soll. Ein Angebot der Universität, eine Online-Vorlesung zu halten, hatte Lucke nach Angaben des Hamburger Senats abgelehnt. Laut Hochschule sind rund 300 Studierende für die Vorlesung angemeldet - sie ist eine Pflichtveranstaltung für das Studienfach Volkswirtschaft. Inzwischen hat die Universität eine zusätzliche Lehrveranstaltung für Makroökonomik II ab der kommenden Woche angekündigt, damit die Studierenden frei wählen können, ob sie bei Lucke angemeldet bleiben wollen oder nicht.

In einer Sondersitzung des Wissenschaftsausschusses Mitte November sollen die Ereignisse rund um die Lucke-Vorlesung aufgeklärt werden.

Lucke will Disziplinarverfahren gegen sich

Unterdessen will Lucke seine Verfassungstreue offiziell überprüfen lassen. "Leiten Sie bitte ein Disziplinarverfahren gegen mich ein!", forderte er die Hamburger Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) in einem von der Wochenzeitung "Die Zeit" moderierten Streitgespräch auf. Damit wolle er beweisen, dass er "stets aus innerer Überzeugung und aktiv für die Verfassung eingetreten sei", sagte Lucke. Er dürfte kein Beamter sein, wenn die Vorwürfe des AStA zuträfen. Die Studierendenvertretung hatte zu Protesten gegen ihn aufgerufen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 30.10.2019 | 14:00 Uhr

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