Plakat-Aktion zum Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge startet

Stand: 04.01.2021 14:39 Uhr

In Hamburg ist am Montag eine Plakataktion für den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge im Grindelviertel gestartet.

"Antisemitismus? Hass? Gewalt gegen Juden? Sag Nein! Deine Stimme zählt", steht auf den Plakaten, die jetzt an 500 Orten in der Stadt aufgehängt werden. Prominent abgebildet ist ein QR-Code, über den man auf die Website www.bornplatzsynagoge.org gelangt, wo man den Aufruf für den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge unterstützen kann. Die Initiatorinnen und Initiatoren wollen bis zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar die Unterschriften möglichst vieler Hamburgerinnen und Hamburgern für den Wiederaufbau gewinnen.

"Offene Wunde im Herzen der Stadt"

"Seit 82 Jahren trägt Hamburg eine offene Wunde im Herzen der Stadt. Ich bin hoffnungsfroh, dass wir als Senat und mit Unterstützung des Bundes nun die historische Chance haben, die Bornplatzsynagoge an ihrem historischen Ort wieder aufzubauen", sagte Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne).

Sie sei begeistert, wie viele Hamburgerinnen und Hamburger sich der Initiative "Nein zu Antisemitismus, Ja zur Bornplatzsynagoge" bereits angeschlossen hätten. Auf die Frage, ob man Nein zu Antisemitismus, aber auch Nein zur Synagoge sagen könne, sagte Fegebank: "Ich finde es gut, dass wir diese Debatte führen." Das müsse sehr besonnen und mit allen Beteiligten und Interessierten getan werden. "Wir haben allerdings ein einstimmiges Votum der Bürgerschaft als auch ein klares Bekenntnis des Senats abgelegt, dass wir einen Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge wollen."

Wie soll der Neubau aussehen?

Seit gut einem Jahr wird in Hamburg über den Wiederaufbau des Gotteshauses diskutiert. Der Bund und der Hamburger Senat hatten den Weg für die Finanzierung der neuen Synagoge frei gemacht. Jeweils 65 Millionen Euro wollen beide Seiten investieren. Eine Machbarkeitsstudie soll nun unter anderem klären, wie der Neubau architektonisch gestaltet werden soll. Die Jüdische Gemeinde befürwortet, dass die neue Synagoge in ihrer Gestaltung und in ihren Dimensionen an die zerstörte Bornplatzsynagoge anknüpft.

Einst größte norddeutsche Synagoge

Das jüdische Gotteshaus war 1906 fertiggestellt worden und galt mit Platz für mehr als 1.000 Besucherinnen und Besuchern als die größte Synagoge Norddeutschlands. Im Zuge der Pogrome des 9. November 1938 wurde sie von NS-Anhängern verwüstet und schwer beschädigt. 1939 ließ die Stadt sie abreißen. Heute erinnert nur der Grundriss des Gebäudes auf dem leeren Platz an die ehemalige Synagoge. Der einstige Bornplatz heißt heute Joseph-Carlebach-Platz nach dem Hamburger Rabbiner Joseph Carlebach (1883-1942).

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.01.2021 | 13:00 Uhr

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