Stand: 08.01.2020 18:11 Uhr  - NDR 90,3

"Parkbank"-Prozess: Start mit Hindernissen

Vor dem Hamburger Landgericht hat am Mittwoch unter hohen Sicherheitsvorkehrungen ein Prozess gegen drei mutmaßliche Mitglieder der linksextremistischen Szene begonnen. Die Staatsanwaltschaft verlas am ersten Tag ihre Anklage. Die Beschuldigten - ein 31-Jähriger, ein 27-Jähriger und eine 28-Jährige - äußerten sich wie geplant zunächst nicht. Sie sollen am zweiten Jahrestag der Proteste gegen den G20-Gipfel 2017 vier Brandanschläge in Hamburg geplant und sich "zu einem Verbrechen verabredet" zu haben.

Zwei Stunden Verspätung

Der für Mittag geplante Prozessbeginn verzögerte sich um fast zwei Stunden, weil viele Zuschauer und Zuschauerinnen wegen der Einlasskontrollen verspätet in den Gerichtssaal gelangten. Bei einem ersten Versuch, den Prozess zu starten, wurden die beiden inhaftierten männlichen Angeklagten von den anwesenden Zuschauern und Zuschauerinnen mit lauten Jubelschreien und Applaus begrüßt. "Schön, euch zu sehen," rief ein Zuschauer. Die drei Angeklagten winkten zurück. Bereits am Dienstagabend hatte es Protestkundgebungen für die Angeklagten gegeben. Rund 500 Menschen zogen durchs Karoviertel.

Die "Drei von der Parkbank"

Die drei Angeklagten waren im Juli 2019 in einer Grünanlage in Eimsbüttel festgenommen worden. Wegen des Treffpunkts an einer Parkbank wird das Trio in den Medien und der linken Szene als "die Drei von der Parkbank" und "Parkbankcrew" bezeichnet. Sie sollen der Anklage zufolge vom 7. auf den 8. Juli 2019 gegen Mitternacht möglichst zeitgleiche Brandanschläge an vier verschiedenen Orte im Hamburger Stadtgebiet geplant haben. Unter den Zielen sei dabei auch das Wohnhaus der Hamburger Senatorin für Stadtentwicklung, Dorothee Stapelfeldt (SPD), gewesen.

Das Trio habe die Tat zunächst geplant und sich schließlich um 23.55 Uhr an einer Parkbank in der Grünanlage Meißnerstraße getroffen, um die Brandsätze untereinander aufzuteilen, so der Vorwurf der Generalstaatsanwaltschaft. Bevor sie jedoch die verabredeten Brandanschläge begehen konnten, wurden sie um 0.24 Uhr in dem Park in Eimsbüttel festgenommen. Die zivilen Polizisten und Polizistinnen hätten bei den Dreien schließlich vier mit Benzin gefüllte Halbliter-Plastikflaschen und Feuerzeuge gefunden, "nicht aber Zigaretten" oder ähnliches. Auch Handschuhe und schwarze Wechselkleidung hatten die Verdächtigen laut Anklage dabei.

Zugang über den Nebeneingang

Die Sicherheitsvorkehrungen beim Prozess sind streng, Zuschauer und Zuschauerinnen durften den Saal nur über einen Nebeneingang betreten. Vor dem Gerichtsgebäude gab es am ersten Tag eine kleinere Kundgebung.

Der Prozess wird am 16. Januar fortgesetzt. Bislang sind mehr als 20 Termine bis April geplant. Den Angeklagten drohen mehrere Jahre Haft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 08.01.2020 | 17:00 Uhr

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